Reichen vier Policen? Was Privatkunden 2021 brauchen

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Bei Einkommen über 100.000 Euro pro Jahr und guten Rücklagen sei auch eine Tagegeld-Police bei Krankheit und im Krankenhaus entbehrlich, meint Looman. Grund: Das koste nur Geld, bringe nicht viel und könne bei Bedarf locker aus den Rücklagen bestritten werden.

BU: Deckungslücken früh erkennen und absichern

Zur BU-Absicherung: Diese sei abhängig von den Deckungslücken. Da beide berufstätig sind, müssten beide Deckungslücken betrachtet werden. Die Zahnärztin bekäme im BU-Fall von ihrem Versorgungswerk 2.000 Euro pro Monat nach Steuern bis 67 heraus. Damit sinkt das Familieneinkommen von 20.000 Euro auf 12.000 Euro pro Monat. Wird der Anwalt zum BU-Fall und bekäme 1.500 Euro von seinem Versorgungswerk bis 67, sinkt das Monatseinkommen auf 11.500 Euro.

Mit diesem Geld müsste der Haushalt eigentlich auskommen. Für eine preiswerte Summenerhöhung der BU-Police dürfte es wegen des fortgeschrittenen Alters zu spät sein. Die Barwerte der Rentenlücken beziffert Looman auf 533.000 Euro bei der Frau und 500.000 Euro bei dem Mann, wenn die jeweiligen Versorgungslücken bis zum 67. Lebensjahr mit jeweils 3,0 Prozent pro Jahr abgezinst werden. „Das lässt sich auch ohne Versicherung abfangen, entweder über das Girokonto oder den Verkauf von Praxis- oder Kanzleianteilen“, so Looman.

Risiko-Lebensversicherungen für Paare „über Kreuz“

Zur Hinterbliebenenabsicherung: Da das Haus schuldenfrei ist, kommt es im Todesfall eines Ehepartners nur auf die Frage an, ob der Überlebende mit seinen 10.000 Euro pro Monat für Konsum, Vorsorge und Ausbildung der Kinder über die Runden kommt oder nicht. Das sollte für die meisten mit einem solchen Beträgen zu schaffen sein. Falls nicht, rät Looman zu zwei Risiko-Lebensversicherungen „über Kreuz“ – mit Laufzeiten von jeweils 15 bis 20 Jahren und fallenden Versicherungssummen. „Im ersten Vertrag ist der Mann Versicherungsnehmer und die Frau die Versicherte, im zweiten Vertrag ist es genau umgekehrt“, schlägt der Finanzanalytiker vor.

Das erspare im Fall der Fälle viel Steuern, weil die Versicherungsleistung nicht in die Erbmasse fällt. „Diese Lösung ist für unverheiratete Paare sogar ein absolutes Muss, weil bei Erbschaften gerade mal 20.000 Euro Freibetrag eingeräumt werden“, begründet der Finanzanalytiker.

Wer mit 50 noch keine Risiko-Lebensversicherung besitzt, dem rät Looman dazu, deren Abschluss nachzuholen. Bei einer Million Euro anfänglicher Todesfallleistung koste dies nur rund 100 Euro Monatsbeitrag. Die Todesfallleistung beschert dem überlebenden Partner selbst bei einem Anlagezins von 0 Prozent eine Monatsrente von 4.902 Euro. „Die größte Gefahr ist jedoch die Scheidung, denn deren finanzielle Folgen sind nicht versicherbar“, so Loomans Fazit. Gesundheit sei wichtig, Versicherungen schön, doch die Liebe am wichtigsten.

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