Privatrente: Wildwuchs statt Vergleichbarkeit beim Rentenbezug

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Top News

Makler sollten sich für den Marktüberblick interessieren, um bei wachsender Produktvielfalt den Durchblick zu bewahren. Klar ist: Lebens- und Rentenversicherungen sind der wichtigste Zusatzbaustein der Deutschen für Vorsorge und Absicherung. Doch verbreitet sind zahlreiche Irrtümer zum Produkt.

Bei Klassikpolicen wird der garantierte Rechnungszins beim Neuabschluss immer geringer. Wegen der durch die EZB-Politik künstlich niedrig gehaltenen Zinsen kommt im Neugeschäft bei einer 100-Prozent-Beitragsgarantie nicht einmal mehr die Summe eingezahlter Beiträge für den Kunden heraus. Daher stellen immer mehr Anbieter auf geringere Garantien in der Ansparphase um.

Auch Auszahlungsphase muss transparenter werden

In der Auszahlungsphase ist der Kunde im Zweifel jeden Monat auf den Rentenbezug in voller Höhe zum Leben angewiesen. Ein Kompromiss ist der investmentorientierte Rentenbezug. Laut IFA wird er häufig als dynamische Hybridrente in gleichbleibender oder steigender Höhe angeboten, so von Alte Leipziger, Feuersozietät, Versicherungskammer Bayern, den Saarland Versicherungen, Signal-Iduna, Volkswohl Bund und VPV. Mitunter schwankt die Rente auch oberhalb der garantierten Höhe: bei der Continentalen und der Württembergischen.

Branchenkenner wie Betriebswirtschaftsprofessor Hermann Weinmann und auch Verbraucherschützer wünschen sich zu allen Kriterien generell wieder mehr Vergleichbarkeit, denn bei Kunden und Vermittlern stelle sich ein Gefühl der Hilflosigkeit ein. Standardisierung sei nötig. Wenn die Branche dies dem Staat überlasse, droht womöglich ein staatlich geführter Rentenfonds nach dem Beispiel der Idee von der Deutschlandrente.

Verrentung viel seltener als Kapitalabfindung

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft verzeichneten Lebensversicherer 2020 geschätzte 87,6 Milliarden Euro Auszahlungen an ihre Kunden. Das sind 1,4 Milliarden Euro mehr als 2019 und sogar 7,4 Milliarden Euro mehr als 2018.

Von den ausgezahlten Leistungen an Hauptversicherungen entfallen rund 58 Prozent auf einmalige Kapitalabfindungen und nur 10 Prozent auf lebenslange Renten. Zuletzt bestanden 86 Millionen Verträge bei Lebensversicherern. Davon entfallen über 50 Prozent auf Rentenpolicen - rund 44 Millionen Verträge.

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