Ottonova kann Kundenzahl deutlich steigern

Martin Thaler Digital Versicherungen

Kundenzahlen kommuniziert der digitale Krankenversicherer nur ungern, nun liefert ein Blick in den Bundesanzeiger Aufschluss: Ottonova steigerte 2019 seine Kundenzahl deutlich. Zu großen Teilen entfällt das Wachstum aber auf Zusatzversicherungen.

Roman Rittweger Bild: ottonova

Konnte steigende Kundenzahlen vermelden: Ottonova-Chef Roman Rittweger. Bild: ottonova

Der digitale Krankenversicherer Ottonova hat die Zahl der bei ihm Versicherten deutlich ausbauen können. Laut aktuellem Jahresabschluss, der vor wenigen Tagen im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde,  konnte Ottonova diese im Jahr 2019 auf 4.840 Kunden steigern. Zum Vergleich: Ende 2018 hatte die Zahl der Versicherten lediglich 406 betragen.  

Der Haken an dieser Entwicklung – ein Großteil des Wachstums entfällt dabei auf den Bereich der Zusatzversicherungen. Zwar stieg auch die Zahl der Vollversicherten von 297 bis Ende 2019 auf 860, die Zahl der Zusatzversicherten erhöhte sich indessen beinahe um das vierzigfache, von 109 auf 3.980. Auch der Rest der privaten Krankenversicherer wächst vornehmlich im Bereich der privaten Krankenzusatzversicherungen, während der Vertragsbestand in der Vollversicherung weiter rückläufig ist – dies zeigen die Zahlen für 2020, die der PKV-Verband in dieser Woche öffentlich machte.  

Umdenken im Vertrieb

Ein Grund für den deutlichen Kunden-Zugewinn dürfte die Umstellung des Vertriebs bei den Münchenern gewesen sein. Bis April 2019 waren deren Produkte ausschließlich über den Direktvertrieb zu beziehen, mittlerweile vertreibt Ottonova seine Policen zusätzlich auf Provisionsbasis. Auch über das Vergleichsportal Check24 sind die Tarife mittlerweile zu bekommen. „Wir hatten mal die Idee, das ohne die Checks dieser Welt zu machen“, blickte Ottonova-Chef Roman Rittweger jüngst in der Zeitschrift „Capital“ zurück, musste dann aber erkennen: „Ein gutes Produkt zu haben reicht nicht.“  

Laut Jahresabschluss ist die Steigerung der Kundenzahl auf mehrere Vertriebswege zurückzuführen: „Der deutliche Anstieg im Neukundengeschäft ist auf die Zusammenarbeit mit Vermittlern sowie die Zunahme der Direktabschlüsse zurückzuführen, letztere getrieben durch höhere Aufwendungen für Marketing und Optimierungen in der Abschlussstrecke“, heißt es hier.  

Corona: Hoffnung auf Nachholkonsum

Auch bei den Beitragseinnahmen hat Ottonova zuletzt einen Sprung gemacht: Bis Ende 2019 stiegen die Prämieneinnahmen auf 3,5 Millionen Euro – ein Plus von 262 Prozent. Noch arbeitet der digitale Krankenversicherer defizitär, so wies das Startup für 2019 Verluste in Höhe von rund 2,35 Millionen Euro aus. Diese Zahlen liegen laut Ottonova jedoch im geplanten Bereich.  

Wie sich die Corona-Krise auf das Geschäft niedergeschlagen hat, ist dem Jahresabschluss 2019 naturgemäß nicht zu entnehmen. Im Interview mit procontra hatte Rittweger im vergangenen Frühjahr von Zurückhaltung seitens der Kunden bei privaten Zusatzversicherungen gesprochen. Allerdings könnte sich diese im weiteren Jahresverlauf gegeben haben, wie auch Rittweger vermutete: „Ich vermute, es wird hier – ähnlich wie bei Kleidung oder Reisen – nach der Krise einen gewissen Nachholkonsum geben.“

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