Nürnberger Versicherung kauft insolventes Insurtech Getsurance

Florian Burghardt Digital Versicherungen

Die Nürnberger Versicherung steigt als Lead Investor beim Insurtech Getsurance ein und rettet dieses damit vor der Pleite. Die Franken wollen aus dem Berliner Unternehmen vor allem Impulse für den digitalen Vertrieb ziehen.

Die Nürnberger Versicherung übernimmt das insolvente Berliner Insurtech Getsurance. Bild: Pixabay/Tumisu

Die Nürnberger Versicherung übernimmt das insolvente Berliner Insurtech Getsurance. Bild: Pixabay/Tumisu

Die Nürnberger Versicherungsgruppe übernimmt das Insurtech Getsurance. Die Franken steigen als Lead Investor bei dem insolventen Berliner Unternehmen ein. Das hat der Versicherer auf procontra-Nachfrage bestätigt. Zuerst hatten Versicherungsmonitor und Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.

Getsurance fungiert als Versicherungsvertreter für die Liechtensteiner Squarelife Lebensversicherung-AG und ist auf Biometrie-Versicherungen spezialisiert. Nachdem die Geldgeber dem rund fünf Jahre jungen Unternehmen kein ausreichendes Kapital mehr zuschießen wollten, hatte dieses im Oktober 2020 das Insolvenzverfahren beantragt. Noch Mitte Januar hieß es, man sei weiterhin auf der Suche nach einem neuen Hauptinvestor. Dieser wurde nun mit der Nürnberger gefunden.

Impulse für den digitalen Vertrieb sammeln

Diese will offenbar das Know-how von Getsurance vor allem für die Weiterentwicklung der eigenen digitalen Prozesse nutzen. „Getsurance gibt uns wertvolle Impulse für den digitalen Vertrieb von Einkommensschutz-Produkten“, erläutert der Nürnberger Lebensversicherungsvorstand Harald Rosenberger den Einstieg als Investor.

Weiter schreibt die Nürnberger in einer Pressemitteilung, dass sie bei komplexen Produkten wie Altersvorsorge oder Berufsunfähigkeitsversicherung von einem zunehmenden ROPO-Effekt (online informieren, offline abschließen) ausgeht. Deshalb wolle man sich einerseits durch Getsurance in der digitalen Präsenz besser aufstellen, aber zudem auch die Möglichkeiten des Online-Abschlusses erweitern.

Marke Getsurance bleibt bestehen

Die Nürnberger steigt im Wege eines Insolvenzplans in das Berliner Unternehmen ein, durch den das Unternehmen entschuldet und neu finanziert wird. Die Marke Getsurance soll bestehen bleiben, zudem werden alle Mitarbeiter am Berliner Firmensitz übernommen. „Das kompetente Team, das innovative Geschäftsmodell und der hervorragende Marktauftritt aus Kundensicht haben uns überzeugt“, so Rosenberger.

Allerdings werden die beiden Firmengründer, die Brüder Dr. Johannes und Dr. Viktor Becher, Getsurance verlassen. Offiziell soll das Unternehmen von Gerlinde Wanke, Leiterin der Konzernsteuerabteilung bei der Nürnberger, geführt werden. Wanke ist außerdem leitend in der 2019 gegründeten Digitalisierungseinheit Nürnberger Evo-X tätig, die mit „Nürnberger.Digital“ auch die Möglichkeit zum Online-Direktabschluss bietet.

Wie es heißt, werde nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Risikoträger Reinsurance Group of America (RGA) fortgesetzt, sondern auch die mit dem Lebensversicherer Squarelife. Da Getsurance als Mehrfachagent registriert ist, ist ein zukünftiger Vertrieb von Nürnberger-Produkten nicht ausgeschlossen. Genaueres konnte der Versicherer zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.

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