Neue BSV: Kaum noch Pandemieabsicherung

Detlef Pohl Berater Top News

Flächendeckende Absicherung bald mit Staatshilfe?

Damit wird die Problematik der Allgemeinverordnungen, die ganze Branchen aus Präventionsgesichtspunkten zur Schließung verpflichtet, ausgeschlossen. Vom Risikoausgleich im Kollektiv kann dann keine Rede mehr sein, pflichtet der BDVM dem GDV bei. Um einen Pandemie-Versicherer zu organisieren, sei auch der Staat gefragt.

Gemeinsam mit dem Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) hat der BDVM das Modell einer Pandemieversicherung für flächendeckende Ereignisse entwickelt. Innerhalb einer sogenannten „Public-Private-Partnership“ sollte der Staat sich bei der Finanzierung angemessen beteiligen. Die Absicherung sollte eine freiwillige Lösung sein. Bei der Politik stoße das Modell zwar auf Interesse, doch aktuell konzentriere sie sich auf die Bekämpfung der Pandemie. Mit einer Entscheidung sei nicht vor dem späten Frühjahr 2021 zu rechnen, ist von mehreren Verbänden zu hören.

Was neue BSV-Policen bieten

Makler können derzeit nur die neuen Bedingungen studieren und in der Firmenkundenberatung auf den Schutz bei Einzelverfügung setzen. Die neuen Policen sind zwar auf den ersten Blick meist preisgünstig, decken aber praktisch nie Corona-bedingte Schäden und solche durch künftige Pandemien ab. Einzig der HDI inkludiert den Pandemieschutz, aber nur noch, wenn der Betrieb per Einzelverfügung geschlossen wird. Die Police ist mehrfach teurer als die leistungsschwächeren neuen Angebote der Konkurrenz.

Gezahlt wird von den Versicherern im Regelfall wie früher bei einer Salmonellen-Infektion im Betrieb der Gewinn und die fortlaufenden Kosten (Lohnfortzahlung bei Tätigkeitsverbot, Warenwert bei Vernichtung von Waren, Kosten für Desinfektion und für Beobachtung) im Rahmen der individuell vereinbarten Versicherungssumme, Entschädigungsgrenzen und Haftzeiten.

Zurückhaltung und kaum noch BSV-Ausschnittdeckung

Einige Versicherer nehmen derzeit noch keine Neukunden nach den neuen Bedingungen auf. Andere, etwa der HDI, versichern nun nicht mehr nur lebensmittelverarbeitende Firmen sowie die Gastronomie und Medizinbranche, sondern Firmen jeglicher Branchen bis zu einem Jahresumsatz von fünf Millionen Euro.

Allerdings klappt der BSV-Schutz meist nur im Gesamtpaket mit einer Betriebsinhalts- und Betriebsunterbrechungsversicherung, betont der Münchener Verein. Die BSV-Ausschnittdeckung allein wird bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht am Markt geboten.

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