Neodigital will sich nach Wachstumsschub Wohngebäude und Kfz widmen

Anne Hünninghaus Digital Versicherungen

Nach dem digitalen Versicherungsmanager Clark hat nun mit Neodigital das nächste Jungunternehmen Rekordzuwächse vermeldet. Die Sparten, die der White-Lable-Anbieter entern will, sind aber nicht ohne Risiko.

Neodigital Co-Gründer Stephen Voss; Bild: Neodigital

Kann sich entgegen des allgemeinen Trends über ein positives Geschäftsjahr 2020 freuen: Neodigital Co-Gründer Stephen Voss. Bild: Neodigital

Ins neue Jahr startet der 2016 gegründete digitale Schaden- und Unfallversicherer Neodigital mit guten Neuigkeiten. Laut aktueller Pressemeldung ist es dem Insurtech 2020 gelungen, die 200.000-Kunden-Marke zu knacken – im Juni vergangenen Jahres waren es nur halb so viele gewesen. Derzeit könne man pro Monat Neukunden im fünfstelligen Bereich hinzugewinnen, so Gründer Stephen Voss.

Angesichts des Corona-bedingten Digitalisierungsschubs ist es kaum verwunderlich, dass sich mehr Versicherer und Makler für White-Labeling-Lösungen interessieren. Mittlerweile stammten gut 35 Prozent der Neodigital-Privatkunden aus Kooperationen mit Maklern, Plattformen und anderen Versicherungsunternehmen. Der Kreis der digitalaffinen Kunden wächst durch alle Bevölkerungsschichten, und Tech-Start-ups profitieren von diesem gesellschaftlichen Wandel. Davon zehrt auch der Anbieter Clark, der im Zuge der Krise ebenfalls kräftig durchstartete und inzwischen rund 300.000 Kunden bedient.

Warum diese Sparten ein Wagnis darstellen

Statt wie Clark nun verstärkt in Marketing zu investieren, steckt Neodigital laut eigener Angabe frisches Geld hauptsächlich in die Entwicklung neuer Produkte. Die Sparten, die der Bafin-lizensierte Digitalversicherer dabei im Auge hat, werden beim einen oder anderen Experten wohl für Verwunderung sorgen. „Im Bereich der Wohngebäudeabsicherung sehen wir momentan sehr viele Anknüpfungspunkte für unser technologiegetriebenes Versicherungskonzept“, so Neodigital-Chef Voss. Dass das Geschäft mit Wohngebäudeversicherungen mitunter schwierig ist, ist derweil kein Geheimnis. Laut Branchenmonitor-Studie der V.E.R.S. Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Beratungsunternehmen Sirius Campus stiegen zwar die Beitragseinnahmen. Doch mit Blick auf die vergangenen sechs Jahre konnten nur 15 der 50 größten Anbieter einen Gewinn in der Sparte erzielen, für viele Versicherer bleibt sie aufgrund hoher Combined-Ratio ein massives Minusgeschäft.

Auch dem Kfz-Bereich möchte sich Neodigital künftig widmen. Das ohnehin langsame, aber stetige Schwinden des deutschen Autoenthusiasmus – vor allem innerhalb der Städte – wurde durch die Corona-Krise allerdings beschleunigt. „Kfz wird perspektivisch weiter an Stückzahl verlieren, darauf stellen sich die Hersteller bereits ein“, so Branchenexperte Dr. Nikolai Dördrechter. Auch das Insurtech Getsafe (rund 150.000 Kunden) hatte kürzlich die hart umkämpfte Sparte geentert. Auf einen Telematik-Tarif hat das Insurtech bislang aber verzichtet. Neodigital-Gründer Voss sieht insbesondere in diesem Bereich, in dem das Fahrverhalten der Versicherten berücksichtigt wird, „noch großen Spielraum für Neuentwicklungen“, wie er im Handelsblatt preisgab. Auch der aufstrebende Bereich Rechtsschutz soll künftig bedient werden.

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