Munich Re: 2020 war global ein Rekordjahr der Naturkatastrophen

Wolfgang Zehrt Versicherungen

Während in Deutschland die Versicherungsschäden aufgrund von Naturkatastrophen 2020 unter dem Durchschnitt blieben, sieht es weltweit ganz anders aus: Das Jahr war ein Katastrophenjahr, der Klimawandel wirkt sich immer verheerender aus, so die Bilanz der Munich Re.

Hurrikan. Bild: Pixabay/David Mark

In den USA wüteten 2020 besonders heftige Hurrikans. Bild: Pixabay/David Mark

Von 2019 zu 2020 haben Naturkatastrophen global deutlich zugenommen: Schäden in Höhe von 210 Milliarden Dollar (2019: 166 Milliarden Dollar) richteten die Elemente im vergangenen Jahr weltweit an, und davon waren nur 82 Milliarden Dollar (2019: 57 Milliarden Dollar) bei den  unterschiedlichen Anbietern in aller Welt versichert. Diese Bilanz zieht aktuell der weltweit größte Rückversicherer Munich Re.

Deutschland war im vergangenen Jahr glimpflich davongekommen: Mit 2,5 Milliarden Euro Zahlungen für Elementarschäden wurde das langjährige Mittel von 3,7 Milliarden Euro klar unterschritten. An den weltweit durch Naturereignisse verursachten Schäden beträgt der Anteil Deutschlands also etwa ein bis zwei Prozent. Da auch in Deutschland der Anteil der unversicherten Schäden hoch ist, bleibt eine Dunkelziffer. Doch zu den schwer betroffenen Regionen gehört Deutschland (noch) nicht.

Immer höhere Schäden durch den Klimawandel

„Die Naturkatastrophenschäden des Jahres 2020 lagen deutlich über denen des Vorjahres. Ob die besonders heftige Hurrikansaison, extreme Waldbrände oder Gewitterserien in den USA: Bei all diesen Gefahren wird langfristig der Klimawandel eine zunehmende Rolle spielen. Es ist Zeit zu handeln“, sagt Torsten Jeworek, Vorstand bei der Munich Re.

Darin sind sich Munich Re und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft einig: Elementarschäden werden weltweit und auch in Deutschland zunehmen. Der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass sich allein die Zahl der Starkregenfälle (24 Stunden andauernder ergiebiger Regen) in den nächsten Jahrzehnten in einigen Regionen verdoppeln wird. Gigantische Schäden werden keinesfalls nur durch Hurrikans oder Taifune verursacht: Eine Aneinanderreihung von schweren Gewittern, die am 10. August 2020 über den Mittleren Westen der USA zog, wurde zu einer der global teuersten Katastrophen mit Schäden von 6,8 Milliarden Dollar. Besonders betroffen war der Bundeststaat Iowa, wo mehrere Millionen Hektar Mais- und Sojabohnenkulturen zerstört wurden.

Einige Staaten fast ohne Versicherungsschutz

Ein einziges Hochwasser in China richtete während des Sommer-Monsuns den weltweit höchsten Einzelschaden an: Werte in Höhe von 17 Milliarden Dollar wurden laut Munich Re zerstört und nur zwei Prozent wurden durch Versicherungszahlungen ausgeglichen. Im nördlichen Indischen Ozean war Zyklon Amphan der teuerste tropische Wirbelsturm. Er traf am 20. Mai an der Grenze zwischen Indien und Bangladesch auf Land. Die Schäden beliefen sich auf etwa 14 Milliarden Dollar, versichert davon war nur ein Bruchteil. Auch dieses Ereignis zeigt laut Munich Re „die in Entwicklungs- und Schwellenländern unverändert hohe Versicherungslücke, die immer wieder die wirtschaftliche Entwicklung hemmt". Die Gesamtschäden in Asien betrugen im vergangenem Jahr 67 Milliarden Dollar, davon waren lediglich fünf Prozent versichert. Zum Vergleich: Von den 13 Milliarden Dollar Schäden aus dem US-Hurrikan Laura (August 2020) wurden laut Munich Re mehr als 80 Prozent von Versicherungen ersetzt.

Ausblick der Munich Re

„Auch wenn Wetterextreme eines Jahres nicht direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden können und zur Einordnung ein längerer Zeitraum betrachtet werden muss: Diese Extremwerte passen zu Erwärmungstrends. Zunehmende Hitzewellen und Dürren heizen Waldbrände an, starke tropische Wirbelstürme werden häufiger, Gewitter ebenso“, sagt Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler des Münchner Rückversicherers. Gut, wer dann versichert ist.

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