Kfz-Versicherung: Vermittler treiben am stärksten zum Wechsel an

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Jedes Jahr im Herbst startet der Preiskampf in der Kfz-Versicherung. Welche Versicherer 2020 besonders erfolgreich um wechselwillige Kunden buhlten und inwiefern die Corona-Situation das Kfz-Geschäft für Makler beeinflusste, zeigt eine aktuelle Auswertung.

Kfz-Tarifwechsel; Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

1,9 Millionen Kfz-Versicherte wechselten 2020 ihre Verträge. Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

Mit 1,9 Millionen Kunden hat knapp jeder Zwanzigste der rund 40 Millionen privaten Kfz-Versicherten zum Jahresende 2020 mindestens eine Kfz-Versicherung gewechselt. Die Wechselbereitschaft geht damit erneut zurück: Rund 200.000 Kunden weniger als im Vorjahr suchten sich einen neuen Tarif. Dabei kann das angesichts der durchschnittlichen Ersparnis von jährlich 132 Euro nach einem Vertrags- oder Anbieterwechsel durchaus finanziell lohnend sein. Das zeigt die aktuelle Marktuntersuchung zum Jahresendgeschäft in der Kfz-Versicherung von Sirius Campus. Das Analysehaus hat dafür 1.982 private Kfz-Versicherungsnehmer im Zeitraum vom 1. bis zum 18. Dezember 2020 online befragt.

Zwar bleibt ein knappes Drittel der Versicherten, die kündigen, dem bisherigen Anbieter treu und schließt lediglich einen neuen Vertrag bei diesem ab. Dennoch gab es auch im vergangenen Jahr unter den Anbietern wieder Gewinner und Verlierer. Die meisten Neukunden konnten 2020 AXA, Allianz, HUK-Coburg, HUK24 und Verti (in alphabetischer Reihenfolge) überzeugen.

Harter Preiskampf der Anbieter

Die Ersparnis der Kunden summiert sich für die gesamte Kfz-Versicherungssparte der Auswertung zufolge auf einen wechselbedingten Beitragsschwund von rund 250 Millionen Euro. Die größten Einsparungen konnten Wechsler in einer persönlichen Beratung bei Vertretern (197 Euro Jahresprämie) und in Kundencentern (186 Euro) erzielen. Geringer fielen laut Sirius Campus die Ersparnisse bei einer vorherigen Konsultation von Vergleichsportalen (96 Euro) und Maklern (73 Euro) aus. Allerdings: Während die Online-Abschlüsse weiter zunehmen, bieten Vermittler die wirksamsten Impulse, sich für einen Wechsel zu entscheiden.

44 Prozent der Wechsler schlossen ihren Neuvertrag via persönlicher Beratung ab. Mit insgesamt 54 Prozent nutzen etwas mehr Wechsler Vergleichsrechner oder den direkten Online- oder Telefonkontakt zu einem Versicherer. Besonders Check24 (von 18 Prozent der Wechsler genutzt) hat seinen großen Vorsprung vor Verivox (drei Prozent) hier noch weiter ausbauen können. Die Online-Abschlüsse, hauptsächlich direkt bei den Versicherungsgesellschaften, haben 2020 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte zugenommen.

Makler durch den Lockdown weiter abgeschlagen?

Die Verschiebung, die hauptsächlich auf Kosten der Makler geht, erklärt sich Sirius-Campus-Gründer Dr. Oliver Gaedeke auch mit dem "sanften Lockdown" im November 2020, der die Wechselaktivität insgesamt und die Beratungshäufigkeit bei einem persönlichen Vermittler insbesondere ausgebremst habe. Hinzu kam, dass das Sparpotenzial in diesem Jahr um durchschnittlich 40 Euro des Jahresbeitrags geringer ausfiel als üblich, da mehr Kunden ein besseres Angebot ihrer aktuellen Gesellschaft erhielten.

Am günstigsten Preis orientiert sich übrigens nur ein Drittel der Wechsler. Für die Mehrheit sind Qualitätsaspekte wie der Absicherungsumfang (30 Prozent), freie Werkstattwahl (24 Prozent) oder Schadenfreiheits-Rabattretter (22 Prozent) Hauptkriterium für die Entscheidung. Das wiederum ist Argument für eine fachkundige und unabhängige Beratung durch Makler.