Insurtech Clark: „Corona hat keine wirtschaftlichen Auswirkungen auf uns“

Anne Hünninghaus Versicherungen Digital

Während andere Jungunternehmen straucheln, sammelt der digitale Versicherungsmanager Clark in seiner Finanzierungsrunde neue Rekordsummen ein. Wohin soll das frische Geld fließen? CEO Christopher Oster über Wachstumspläne und das Thema Transparenz in der Altersvorsorge.

Clark-CEO Christopher Oster. Bild: Clark

Freut sich über sein offenbar krisenimmunes Geschäftsmodell: Clark-CEO Christopher Oster. Bild: Clark

Vielen Versicherungs-Start-ups hat das vergangene Jahr zugesetzt: Vor allem die zwischenzeitlich geringere Investitionsbereitschaft der Geldgeber stürzte so manches junge Unternehmen in eine existenzbedrohende Krise. Für Clark endete 2020 ebenfalls mit einem Paukenschlag - aber im positiven Sinne: Das 2015 gegründete Insurtech mit Sitz in Frankfurt, das Versicherungskunden eine App für die Übersicht ihrer Policen bietet, hat kurz vor Weihnachten eine neue Finanzierungsrunde erfolgreich hinter sich gebracht. Insgesamt kamen 69 Millionen Euro von Investoren zusammen, allen voran vom chinesischen Internetgiganten Tencent, unter anderem bekannt für seinen Messenger-Dienst WeChat.

Das frische Kapital möchte man in weiteres Wachstum auf dem Heimatmarkt Deutschland investieren, so Clark-Chef Christopher Oster. procontra hat er Einblick in Zukunftspläne gegeben.

procontra: Herr Oster, viele Insurtechs hatten im vergangenen Jahr angesichts der Corona-Folgen ziemlich zu kämpfen. Ist die Krise bislang spurlos an Ihnen vorbeigegangen oder mussten auch Sie sich zwischenzeitlich Sorgen machen?

Christopher Oster: Die Pandemie hat auf uns bisher keine wirtschaftlichen Auswirkungen. Dank unserer digitalen Arbeitsprozesse können wir die Kundenberatung und den Service für unsere Kunden auch weiterhin ohne Einschränkungen wie gewohnt online und telefonisch weiterführen.

procontra: Wie möchten Sie das frische Geld konkret nutzen – welcher Anteil fließt in Werbung und Marketing, wie viel wird in den Ausbau von Produkten und Services gesteckt?

Oster: Mit dieser Finanzierungsrunde wollen wir unser Wachstum weiter beschleunigen und in die Weiterentwicklung unserer App sowie die Kundenakquise investieren. Aktuell haben wir in Deutschland eine Markenbekanntheit von 15 Prozent. Diese wollen wir auf 40 Prozent steigern. Und auch personell wollen wir weiter wachsen: Bereits 2020 haben wir insgesamt 123 neue Mitarbeiter eingestellt und suchen weiterhin nach geschulten Versicherungsexperten mit Digitalaffinität.

procontra: Arbeiten Sie zurzeit an neuen Produkten?

Oster: Wir arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung unserer Services und haben einige Neuerungen in Planung. Zuletzt haben wir im Dezember ein neues Feature gelauncht mit dem unsere Kunden in der Clark-App nicht nur ihre eigens abgeschlossenen Verträge, sondern auch Partnerverträge managen können. So lässt sich die gesamte Versicherungssituation einer Familie oder einer Partnerschaft einsehen und optimieren.

procontra: Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagten Sie, es sei geplant, den Nutzern „mehr Transparenz über ihre Altersvorsorge“ zu bieten? Wie genau möchten Sie dieses Vorhaben umsetzen?

Oster: Im Gespräch mit unseren Kunden merken wir immer wieder: Viele Menschen wissen gar nicht genau, wieviel Geld sie im Alter wirklich brauchen und zur Verfügung haben werden. Um unseren Nutzern eine digitale und transparente Übersicht über ihre Rentensituation zu geben, haben wir unser Rentencockpit entwickelt. Hier werden alle rentenrelevanten Informationen klar dargestellt und eine etwaige Rentenlücke aufgezeigt. Und eine junge Zielgruppe wie unsere erwartet auch, dass wir als Teil der Altersvorsorge beispielsweise ETF-Sparpläne und Immobilienfinanzierungen anbieten. In solche Funktionalitäten wollen wir auch in Zukunft weiter investieren.

procontra: Das Thema „mangelnde Transparenz in der Altersvorsorge“ wird auch politisch aktuell wieder heiß diskutiert. Braucht es aus Ihrer Sicht mehr Standards bzw. politisch regulierte Transparenzmaßnahmen?

Oster: Mehr Transparenz ist immer gut. Genau genommen, müsste der Staat sicher auch beim Thema Altersvorsorge komplette Transparenz für die Bürger herstellen.

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