Immobilien 2021: Eigentum noch teurer – Baugeld nicht

Wolfgang Zehrt Sachwerte

Entgegen allen Voraussagen gab es im Corona-Jahr 2020 weder bei den Mieten noch bei den Eigentumspreisen Entspannung: Medien von Handelsblatt bis ARD hatten im Frühjahr noch den Einbruch am Immobilienmarkt prognostiziert, das Gegenteil war der Fall. procontra wollte von Immobilienexperten wissen, wie es 2021 weitergeht.

Immobilienpreise Bild: Pixabay/Klaus Aires

Immobilien werden weiter teurer und Finanzierungsberater gefragt Bild: Pixabay/Klaus Aires

Nicht nur „gefühlt“ wird wohnen immer teurer, das Statistische Bundesamt bestätigt ganz offiziell: Auch Corona hat an dem steten Aufwärtstrend für Wohneigentum nichts geändert, eher im Gegenteil. Für das dritte Quartal 2020 hatten die Statistiker des Bundes um 7,8 Prozent höhere Kaufpreise festgestellt als im selben Quartal 2019 – die Angebotspreise liegen aber zum Teil noch erheblich darüber.

Der Leipziger Immobiliendaten-Spezialist Real Estate Pilot, der für Banken und Sparkassen rund 90 Prozent aller Online-Angebotspreise auswertet, kommt von 2019 zu 2020 auf eine durchschnittliche Preissteigerung von sogar 12,1 Prozent bei Eigentumswohnungen und Häusern. Die heftigsten Preissteigerungen werden dabei in Mittelzentren ausgemacht, im Dunstkreis von Großstädten und Industriezentren: In Pirmasens nahe Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe beispielsweise zogen binnen eines Jahres die Kaufpreise um 35 Prozent an.

Ist ein Ende der Preisspirale in Sicht?

Experten sind sich quasi unisono einig: Es wird noch deutlich teurer. Mit den Lehren aus zwölf Monaten Covid-19 scheint der Ausblick für 2021 auf einem sichereren Fundament zu stehen. Eva Grunwald, Leiterin Immobiliengeschäft für Privatkunden bei Postbank/Deutscher Bank, bringt es gegenüber procontra auf den Punkt: „Für Wohnungen und Häuser erwarten unsere Volkswirte auch 2021 einen deutlichen Anstieg von mehr als 6 Prozent zum Vorjahr. Wir gehen daher davon aus, dass die Mietrenditen weiter sinken werden“. Auch die Baufinanzierungs-Experten der Commerzbank sehen die Entwicklung ähnlich: „Wohnraum wird gerade in Ballungsgebieten seit Jahren immer knapper. Dementsprechend stiegen die Preise in den vergangenen Jahren teilweise stark. Für eine Umkehr dieses Trends gibt es aktuell keine Anzeichen.“

Wurde 2020 vor einer Immobilienblase gewarnt, gibt es eine solche Gefahr nach Meinung der Fachleute aktuell nicht einmal im Ansatz. Jens Bergmann, Spezialist für Baufinanzierungen bei Dr. Klein, prognostiziert: „Die Nachfrage ist nach wie vor weit größer als das Angebot. Auch die rege Bautätigkeit der jüngsten Vergangenheit kann die verhältnismäßig geringe Schaffung von Wohnraum der vergangenen Jahrzehnte nicht kompensieren. Daher rechne ich auch für 2021 mit weiter steigenden Immobilienpreisen“.

Eigentum wird weiter teurer – Baugeld nicht

Immerhin – steigende Zinsen für ein Bauprojekt seien nicht zu befürchten, so die Commerzbank gegenüber procontra. Unter anderem aufgrund der teilweise angespannten wirtschaftlichen Situation in manchen EU-Ländern sei kaum Luft für eine Zinserhöhung vorhanden. Eva Grunwald von Postbank/Deutscher Bank stimmt dem zu und nennt Zahlen: „Die gute Nachricht für Bauherren ist, dass wir bei den Hypotheken keinen deutlichen Zinsanstieg erwarten. Die durchschnittlichen Hypothekenzinsen für Darlehen mit fünf- bis zehnjähriger Zinsbindung lagen im Oktober bei 1,03 Prozent und werden sich zunächst wohl weiter auf diesem Niveau bewegen“. André Lichner, Geschäftsführer von Prohyp, hält zumindest einen „leichten Anstieg im Jahresverlauf für möglich“.

Wird der Trend weg von der Großstadt anhalten?

Nicht sicher ist man sich derzeit unter Experten, was die Entwicklung der Preise in den Gebieten jenseits der Großstädte angeht. Denn eine Frage ist in diesem Zusammenhang schwer zu beantworten: Wird das Homeoffice nach Ende der Pandemie die neue Normalität sein und damit das Bemühen vieler Angestellter enden, „in der Nähe der Firma zu wohnen“? André Lichner von Prohyp hält beides für möglich: Geht es zurück ins Firmenbüro, rechnet er mit „eher stagnierenden oder sogar rückläufigen Preisen in vielen ländlichen, strukturschwachen Gebieten“. Bleibt das vermehrte Arbeiten zu Hause nach Corona bestehen, könnten diese Gebiete jenseits der Speckgürtel von Großstädten preislich zulegen.

Wenn in Beton investiert wird – in welches?

Alle von procontra befragten Finanzierer sind sich einig: Sowohl als Investition als auch für die eigene Nutzung ist der Kauf von Wohneigentum durchaus noch lukrativ, da alle von weiter steigenden Kauf- und Mietpreisen ausgehen. Die konkrete Anregung von Dr. Klein-Experte Bergmann: „Eigennutzern und Kapitalanlegern rate ich Neubauten zu erwerben, da die Preise nicht deutlich über denen von Bestandsimmobilien liegen. Die Mehrinvestition zahlt sich durch niedrigere Nebenkosten und geringere Instandhaltungskosten langfristig meist aus“. Prohyp rät zu Immobilien im mittleren Segment in guter Lage: „Der Markt ist für diese schlichtweg am größten. Ist die Wohnung sehr klein oder das Haus sehr groß und zum Beispiel exklusiv ausgestattet sowie die Lage nur bedingt attraktiv, könnte vor allem in Krisenzeiten der Verkauf oder die Vermietung unter Umständen schwieriger werden.“

Berater bleiben gefragt

Filialschließungen von Banken sind Alltag geworden. Trotzdem betont die Commerzbank: „Immobilienerwerb und Finanzierung bleibt weiterhin ein komplexes Geschäft. Lediglich ein Bruchteil unserer Immobilienkäufer macht einen voll digitalen und selbstständigen Finanzierungsabschluss. Bei der überwiegenden Mehrheit der Kunden wird weiterhin eine Beratung gewünscht sein.“ Ähnlich sieht das der Commerzbank-Wettbewerber Postbank/Deutsche Bank: „Die meisten Kunden suchen den persönlichen Ansprechpartner in einer Bankfiliale." Dass es trotz der immer perfekter werdenden Online-Tools eher mehr als weniger Nachfrage nach Beratern gibt kann auch die Prohyp bestätigen, vor allem „bedingt durch den Rückgang der Bankfilialen in der Fläche“.

Fazit: Der Immobilienmarkt 2021 gibt weniger Rätsel auf als der zu Pandemiebeginn. Es wird noch einmal deutlich teurer – mit einer kleinen Ungewissheit für die ländlichen Gebiete – bei sehr preiswertem Baugeld.

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