Hohe Hausrat-Gewinne: Sind Versicherer zur Beitragssenkung verpflichtet?

Florian Burghardt Versicherungen Top News

Die Allianz, mit knapp 12 Prozent Marktanteil der größte Hausratversicherer (6-Jahres-Combined-Ratio bei 76,6 Prozent), verweist darauf, dass die zugrundeliegenden Beitragssätze seit dem Jahr 2006 konstant geblieben sind. Eine direkte Preissenkung hat es demnach aber bei der Allianz bislang noch nicht gegeben. Die Münchener hätten aber bei gleichen Preisen ihre Leistungen verbessert. Als Beispiel nannte eine Sprecherin, dass Aufbrechen und Diebstahl von Wertsachen inklusive Bargeld aus einem verschlossenen Kfz in der Privatschutz-Produktgeneration jetzt ab der Tariflinie Smart versichert ist.

Grundsätzlich ist den Komposit-Versicherern auch die Quersubventionierung zwischen einzelnen Sparten erlaubt. So kann beispielsweise eine Combined Ratio von über 100 Prozent in Haftpflicht durch Gewinne aus der Hausratversicherung ausgeglichen werden. Allerdings zeigt die Branchenmonitor-Studie für die 50 größten Komposit-Versicherer, dass im Jahr 2019 keine der Einzelsparten bei einer Combined Ratio von über 100 Prozent lag. Von großen Quersubventionierungsbewegungen der Hausrat-Gewinne ist also nicht auszugehen.

Selbstverpflichtung zur Beitragssenkung

Besonders niedrige Schadenkostenquoten weisen seit Jahren auch die Provinzial Rheinland (6-Jahres-Durchschnitt bei 62,6 Prozent) und die Westfälische Provinzial (70,4 Prozent) aus. Aus der Holding des Konzerns heißt es auf Nachfrage: „In den Beitragsanpassungsklauseln unserer aktuellen Hausrat-Bedingungen sind explizite Regelungen formuliert, die eine regelmäßige Überprüfung des Beitragsniveaus vorschreiben. Sollte sich hierbei nachhaltig ein Prämiensenkungspotenzial ergeben, sind wir verpflichtet, den Beitrag auch der Bestandsverträge entsprechend nach unten anzupassen.“

Die WGV als Hausratversicherer mit der seit 2014 geringsten Combined Ratio am Markt (47,7 Prozent) hat unsere Anfrage bislang unbeantwortet gelassen.

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