Glücksforschung: Je reicher, desto zufriedener?

Anne Hünninghaus Berater Panorama

Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass ab einem gewissen Jahreseinkommen mehr Geld kaum noch Einfluss auf das Wohlbefinden hat. Eine aktuelle Studie stellt diese Erkenntnis infrage. Doch insbesondere ein Faktor führt in diesem Kontext bei den Deutschen zu besonders hohem Wohlbefinden.

Glücksforschung; Bild: Adobe Stock/contrastwerkstatt

Viel Geld macht glücklich, mehr Geld noch glücklicher? Bild: Adobe Stock/contrastwerkstatt

„Geld ist nicht so wichtig. Darum ist es mir völlig egal, ob ich 70 oder 50 Millionen Dollar besitze“, soll der österreichisch-amerikanische Schauspieler und Politiker Arnold Schwarzenegger einmal gesagt haben. Soll heißen: Solange ausreichend Vermögen da ist, hat ein zusätzliches Plus keinen massiven Effekt mehr auf das eigene Wohlbefinden.

Laut Duden hat „glücklich sein“ drei Bedeutungsebenen: Es kann bedeuten Erfolg zu haben, sich begünstigt zu fühlen oder sich von froher Zufriedenheit erfüllt zu empfinden. Rund zwei Drittel der Deutschen bezeichneten sich 2019 als glücklich – im vergangenen Jahr mag dieser erfreulich hohe Durchschnitt bedingt durch die Pandemie gesunken sein.

Viele Studien hat es schon zur Verknüpfung von Glück und Geld gegeben, nun stellt eine neue Untersuchung bisherige Ergebnisse ein Stück weit infrage. Denn bislang war der Tenor, dass gewisse finanzielle Mittel zwar sehr wohl glücklicher machen, der Effekt ab einer bestimmten Einkommensgrenze aber verpufft. Ab einem Haushaltseinkommen von rund 75.000 US-Dollar jährlich (entspricht zurzeit rund 61.700 Euro) stagniert das Wohlbefinden; diese These hatte unter anderem der bekannte Ökonom Daniel Kahneman untermauert.

Keine Sättigungskurve

Doch nun hat die University of Pennsylvania Ergebnisse einer unter der Leitung des Psychologen Matthew Killingsworth entstandenen Umfrage unter 33.000 erwerbstätigen US-Amerikanern veröffentlicht, die zeigen: Mehr Geld macht mitunter noch glücklicher.

Via Smartphone wurde die Probanden mehrmals am Tag nach der Zufriedenheit sowie positiven und negativen Gefühlen gefragt. Die Schwankungen bildeten sich über Skalen ab, zusätzlich beantworteten die Probanden allgemeine Fragen zu ihrer Lebenszufriedenheit. Knapp 1,7 Millionen Momentaufnahmen führten zum Ergebnis, dass auch weit über den Betrag von 80.000 Dollar Jahreseinkommen die Zufriedenheit im Durchschnitt weiter steigt.

Warum das so ist, bleibt auch den Studienautoren rätselhaft. Spekuliert wird, dass die finanzielle Sicherheit das Gefühl von Kontrolle verstärkt und zur Entspannung führt. Außerdem besteht mit einem größeren Guthaben die Möglichkeit, sich schöne Dinge zu gönnen, die einen Glücksschub freisetzen.

Finanzielle Sicherheit als Glücksfaktor

Unabhängig vom eigenen Einkommen macht es die Menschen in der Regel aber deutlich zufriedener, wenn sie das Gefühl haben, abgesichert zu sein und die eigenen Finanzen unter Kontrolle zu haben. Dennoch findet sich der Faktor Geld laut einer Sinus-Studie aus 2019, für die 2.026 Deutsche befragt wurden, auf dem vierten Platz der Glücksschlüssel – deutlich hinter Gesundheit, einer guten Partnerschaft und einer intakten Familie. 

Auch zum Thema Gesundheit hat ein finanzielles Polster manches beizutragen. Finanziell abgesicherte kranke Menschen fühlen sich wesentlich besser, glücklicher und weniger allein als kranke Menschen, die arm sind, hatte unlängst eine Langzeitstudie der Universität von Michigan ergeben. Aber auch hier lässt sich nicht nur mit einem besonders großen Budget argumentieren. Denn finanzielle und gesundheitliche Absicherung lässt sich mithilfe guter Beratung auch bei weniger üppigen Einkommen schaffen.

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