Elementarschutz: Versicherer werden eigenem Anspruch nicht gerecht

Martin Thaler Versicherungen

Die Versicherungswirtschaft empfiehlt, Elementarschutz stets zusammen mit einer Wohngebäudeversicherung anzubieten, damit mehr Immobilienbesitzer gegen Naturgefahren abgesichert sind. Doch diesem Anspruch werden die Versicherer nur selten gerecht, enthüllt eine neue Untersuchung.

Braunsbach Bild: picture alliance

Im baden-württembergischen Braunsbach sorgten Starkregenfälle für verheerende Schäden. Bild: picture alliance

„Manche Dinge muss man sehen, um sie zu verstehen“: Mit diesen Worten begann der damalige GDV-Präsident Alexander Erdland 2016 die Naturgefahrenkonferenz der deutschen Versicherer. Nur wenige Monate zuvor hatten starke Regenfälle das baden-württembergische Braunsbach regelrecht verwüstet und zu Versicherungsschäden in Höhe von 20 Millionen Euro geführt.  

Glück im Unglück, könnte man sagen, dass der „Tatort“ in Baden-Württemberg liegt – schließlich verfügen im südwestlichen Bundesland historisch bedingt 95 Prozent aller Hausbesitzer über eine Elementarschutzversicherung, die Schadensereignisse wie den Braunsbacher Starkregen abdecken. In anderen Bundesländern ist die Verbreitung hingegen wesentlicher geringer, weswegen auch GDV-Präsident Erdland die Absicht erklärte, die Menschen zu einem besseren Versicherungsschutz im Hinblick auf Naturgefahren zu bewegen.  

Enttäuschendes Ergebnis

„Wir als Versicherer tun schon heute unser Möglichstes, um das Bewusstsein für die neuen Risiken zu schärfen“, sparte Erdland nicht an Eigenlob. Dass der Begriff „Möglichstes“ sehr dehnbar zu sein scheint, zeigt nun eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.  

Diese hatte die 53 Versicherer angeschrieben, die in Rheinland-Pfalz Gebäudeversicherungen anbieten. Gefragt wurde, ob Hausbesitzern beim Abschluss einer Wohngebäudeversicherung automatisch von Seiten der Versicherung ein Elementarschutz ohne Selbstbehalt angeboten wurde. Ein Vorgehen, wie es selbst der GDV empfiehlt, in der Praxis jedoch offenbar nicht immer angewandt wird.    

„Das Ergebnis unserer Umfrage ist enttäuschend“, erklärte Michael Wortberg, Versicherungsreferent der Verbraucherzentrale. „18 der befragten 53 Gesellschaften haben gar nicht oder unverständlich geantwortet oder eine Antwort ausdrücklich verweigert.“ Hier nimmt die Verbraucherzentrale an, dass diese Versicherungen keinerlei Interesse daran hätten, ihren Kunden entsprechenden Elementarschutz anzubieten.

Ob die ausbaufähige Kommunikation der Versicherer Rückschlüsse auf ihre Versicherungsangebote zulässt, sei an dieser Stelle dahingestellt. Denn auch von den verbliebenden 35 Anbietern boten nur sechs Unternehmen ihren in Risikogebieten wohnenden Kunden automatisch Elementarschutz zur Wohngebäudeversicherung an. Selbst in Regionen ohne Überschwemmungshistorie boten nur sieben Versicherer automatisch Elementarschutz ohne Selbstbehalt an. Zehn weitere Unternehmen boten immerhin automatisch Elementarschutz mit Selbstbehalt an.  

Ruf nach Pflichtversicherung

„Die Versicherungssituation im Bereich Starkregen und Hochwasser hat sich in unseren Augen überhaupt nicht verbessert“, kritisiert Wortberg, „und das, obwohl alle Seiten immer wieder übereinstimmend feststellen, dass die Schäden insbesondere durch Starkregen permanent steigen. Das System mit bezahlbaren Prämien für alle Hausbesitzer kann nur dann funktionieren, wenn es eine Pflichtversicherung gibt und die Kosten dadurch solidarisch verteilt werden.“

Der Ruf nach einer Pflichtversicherung ist nicht neu – nach größeren Schadensereignissen ist er regelmäßig zu vernehmen. Die Politik hatte einer solcher jedoch eine Absage erteilt und diese unter anderem mit einer Verletzung der Allgemeinen Handlungsfreiheit und europarechtlichen Bedenken begründet.

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