Diskussion zum Rentenalter entflammt erneut

Anne Hünninghaus Versicherungen

Willkommen im Wahljahr – während die Finanzlobby auf eine endlich umzusetzende Riesterreform drängt und es in Sachen Zukunft der Privaten Altersvorsorge generell allerlei parteipolitischen Zwist gibt, wird auch um das Thema Rentenalter wieder gerungen.

Rentenalter; Bild: Adobe Stock/bluedesign

Welches Rentenalter darf's denn sein? Dazu herrscht Uneinigkeit. Bild: Adobe Stock/bluedesign

„In den kommenden Jahren wird die Babyboomer-Generation in Rente gehen und der Druck auf unsere sozialen Sicherungssysteme wird aufgrund dieses demografischen Wandels immer stärker werden“, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger gegenüber der Deutschen Presseagentur. Bei weiter steigender durchschnittlicher Lebenserwartung solle auch die Arbeitsdauer im Leben eines Arbeitnehmers verlängert werden. Die aus der Alterung der Gesellschaft resultierenden Kosten müssten auf die Generationen verteilt werden, so Dulger. Das Ziel, die Sozialversicherungsbeiträge bei maximal 40 Prozent zu deckeln, sei verfassungsrechtlich zu verankern, statt es bei Lippenbekenntnissen zu belassen. „Nur so kann das langfristige Vertrauen in die gesetzliche Rente erhalten werden“, so der BDA-Chef.

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer forderte im Handelsblatt ebenfalls ein höheres Renteneintrittsalter – und mehr Tempo bei der Umsetzung einer solchen Agenda: „Wir werden nicht umhinkommen, die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Und da müssen wir rasch handeln, weil es leichter zu akzeptieren ist, wenn die Menschen wissen: Diese Verlängerung setzt erst in ein paar Jahren ein“, sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin der Zeitung.

DGB kontert die Forderung

Heftige Kritik erntete Dulgers Forderung vom Deutschen Gewerkschaftsbund. „Schon heute scheiden viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus – und haben dabei erhebliche Rentenabschläge hinzunehmen", kritisierte Vorstandsmitglied Anja Piel. Und weiter: „Wer Sozialbeiträge nicht nur deckeln, sondern diese Deckelung gar im Grundgesetz festschreiben will, macht Kürzungen bei den Sozialleistungen zum Ziel des Sozialstaats. Daran haben nur Unternehmer und ihre Erben ein Interesse.“

Eine Debatte über die Erhöhung des Renteneintrittsalters werde man nicht mitmachen, sagte jüngst SPD-Jungpolitiker Kevin Kühnert in einer vom GDV organisierten Diskussion. Junge-Union-Chef Tilman Kuban plädierte derweil für eine Entlastung des Systems: „Die dritte Säule sollte keineswegs eine Ergänzung sein – sie wird immer wichtiger! Angesichts der Umstände müssen wir bei der Rente mehr auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen, der Staat kann ihnen nicht die komplette Altersversorgung mit allen Risiken abnehmen."

Konkrete politische Beschlüsse lassen derweil noch auf sich warten. Im Dezember wagte die CDU einen Vorstoß, in dem von einer Renten-Revolution die Rede war, die auch parteiintern für Zündstoff sorgte. Die einst von der Regierung eingesetzte Rentenkommission hatte im vergangenen Jahr einen eher vagen Bericht vorgelegt. Entscheidungen zur Altersgrenze hatte sie auf das Jahr 2026 aufgeschoben.

Das Ausscheiden der Babyboomer-Generation bedroht das System gewaltig. Zwar steigt die Zahl der Rentner, die auch nach Überschreiten der Regelaltersgrenze einer Erwerbsarbeit nachgehen. 2019 traf dies auf 1,29 Millionen Menschen zu – rund 400.000 oder 45 Prozent mehr als 2010. Blickt man weiter zurück, fällt das Wachstum noch deutlicher aus: 2005 lag die Zahl der berufstätigen Rentner noch bei 682.000 – 547.000 weniger als heute. Dennoch spricht die Demografie eine deutliche Sprache: Ohne private Vorsorge werden künftig die wenigsten ihren Lebensstandard im Rentenalter aufrecht erhalten können.

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