Deutsche sorgen immer weniger fürs Alter vor

Wolfgang Zehrt Versicherungen

Die gute Nachricht: Die Zahl der Deutschen, die ihre Altersvorsorge für unzureichend halten, hat sich 2020 zumindest nicht erhöht. Die schlechte: Immer mehr Menschen sehen keine Möglichkeit, an ihrer mangelnden Altersvorsorge etwas zu ändern.

Rentnerpaar Bild: Pixabay/Pasja1000

Die Mehrheit der Deutschen geht von finanziellen Engpässen im Alter aus. Bild: Pixabay/Pasja1000

Reicht meine Vorsorge im Alter aus? Diese Frage beantworten wie in den Vorjahren rund 70 Prozent aller Deutschen mit „Nein“. Dies ist das Ergebnis einer Befragung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), für die im Dezember 2020 online 1.025 Personen zwischen 18 und 64 Jahren befragt wurden. Aber von denen, die mit „Nein“ geantwortet haben, will laut heute vorgestellter DIA-Studie inzwischen fast jeder Zweite (47 Prozent) nichts dafür tun, um im Alter doch besser abgesichert zu sein. Deren Anteil hat sich deutlich vergrößert, im Vorjahr lag er noch bei 39 Prozent. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten durch die Pandemie hält das DIA für einen der Gründe, dass immer mehr Menschen den möglichen finanziellen Sorgen im Alter nicht entgegensteuern. Sich aktiv um die fehlende Altersabsicherung kümmern – das beabsichtigt nur noch jeder Vierte der Befragten, 2019 war es noch jeder Dritte.

Aktive Altersabsicherung lässt seit Jahren nach

„Zwar wurden in der Erhebung nicht die Gründe erfragt, warum trotz Bedenken nichts zur Verbesserung der finanziellen Situation im Alter in Angriff genommen wird, aber der markante Anstieg 2020 lässt auf außerordentliche Einflüsse schließen. Diese sind wahrscheinlich in den Belastungen durch die Pandemie zu suchen", erklärt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern das Phänomen. Auch über einen längeren Zeitraum betrachtet lässt der Wille offenbar nach, selbst aktiv an der finanziellen Altersabsicherung zu arbeiten. Vor vier Jahren wollten noch 35 Prozent etwas dafür tun, im vergangenen Jahr waren es nur noch 30 Prozent. „Immer mehr Bürger rechnen damit, dass im Alter das Geld wohl nicht reichen wird. Aber sie können oder wollen keine Abhilfe schaffen", sagt Instituts-Sprecher Morgenstern.

Zahl der Lebensversicherungs-Abschlüsse sinkt

Für einen wichtigen Baustein der Altersabsicherung wurde eine sinkende Nachfrage von anderer Seite bestätigt: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sagte heute bei seinem Jahresmediengespräch, die Corona-Krise habe im Geschäft der Lebensversicherer „deutliche Spuren hinterlassen“, etwa durch verschobene Beratungstermine. Die Zahl neu abgeschlossener Lebensversicherungs-Verträge sei 2020 entsprechend um gut zwölf Prozent gesunken.

Mit Spannung blicken die Versicherer auf die erwartete Insolvenz- und Kündigungswelle in den kommenden Monaten. Denn vielen Menschen könnte dann das Geld fehlen, um ihre Beiträge für Lebens- und Rentenversicherungen weiter zu bedienen. Eine Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts Infas Quo ergab im vergangenen Jahr, dass bis zu einem Viertel der Befragten ihren Versicherungsschutz zeitweise infrage stellte und eine Kündigung bestehender Verträge zumindest in Betracht zog. 

Es gibt aber auch andere Prognosen, die davon ausgehen, dass die Krise die Bereitschaft zum LV-Abschluss mittelfristig erhöhen könnte: Laut einer Studie der Swiss Re aus dem November 2020 wollen sechs Prozent aller Deutschen zwischen 25 und 55 Jahren in den nächsten Monaten eine Risiko-Lebensversicherung abschließen, dass wären immerhin zwei Millionen Menschen.