Der Beteiligungsmarkt wächst – eigentlich

AIF Berater Top News von Julia Thiem

Die „neuen Kleider“ in Form der Alternativen Investmentfonds scheinen den „Geschlossenen“ gut zu stehen. Denn mittlerweile etablieren sie sich mehr und mehr als Anlagealternative im Niedrigzinsumfeld, was auch in der Beratung Chancen eröffnet.

Beteiligungsmarkt; Bild: Adobe Stock/tostphoto

Trotz Wachstums: Die Corona-Pandemie hat auch am Markt für geschlossene Fonds deutliche Spuren hinterlassen. Bild: Adobe Stock/tostphoto

2019 war ein gutes Jahr für die Alternativen Investmentfonds. Insgesamt investierten Privatanleger rund 1,6 Milliarden Euro in 58 geschlossene Publikums-AIF. Das zeigen die Zahlen der Ratingagentur Scope, die jährlich das platzierte Eigenkapital geschlossener AIF erfasst. Damit konnten die Publikums-AIF im vergangenen Jahr noch einmal rund eine halbe Milliarde Euro Eigenkapitalvolumen gegenüber 2018 gut machen. Laut Scope habe sich der Markt für geschlossene AIF damit nach mehr als sechs Jahren seit Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) neu geordnet und sei stark konzentriert. Fünf Anbieter vereinen rund 53 Prozent des Platzierungsvolumens des vergangenen Jahres. Und auch wenn die Skepsis bei einigen Teilnehmern ob des schlechten Rufes vergangener Tage noch immer vorhanden ist, belegen die Zahlen doch, dass AIF gerade im Niedrigzinsumfeld als Anlagealternative äußerst attraktiv sind.

Wachstum mit einem „Aber“

Allerdings muss das positive Bild, das die Marktentwicklung der vergangenen Jahre zeichnet, etwas relativiert werden. Denn die Corona-Pandemie hat auch am Markt für geschlossene Fonds deutliche Spuren hinterlassen. So zeigen die Scope-Zahlen für die ersten neun Monate 2020, dass das Angebotsvolumen deutlich zurückgegangen ist. „Geplante oder bereits strukturierte AIF werden nicht zum Vertrieb angemeldet und Produkte mit bereits erhaltener Vertriebszulassung werden nicht in diesen gegeben. Ursächlich ist hierbei die zu erwartende geringe Nachfrage nach Investmentprodukten in unsicheren Zeiten“, heißt es in einem aktuellen Marktbericht der Ratingagentur Scope. Hinzu kommt, dass einige der Branchen, auf die sich AIF unter anderem konzentrieren – beispielsweise Hotel- und Einzelhandelsimmobilien oder auch der Luftfahrtsektor –, überproportional hart von der Pandemie und den daraus resultierenden Schließungen betroffen sind.

Daher lässt sich aktuell der Wachstumstrend bei Beteiligungsangeboten nicht bestätigen – was aber unter den gegebenen Umständen keinesfalls repräsentativ ist. Vielmehr ergeben sich daraus Chancen für Berater, die die Vermögenssituation ihrer Kunden ganzheitlich betrachten und mit den geschlossenen AIF Anlagealternativen aufzeigen können – zumal die Anbieter, die auch in diesen herausfordernden Zeiten neue Beteiligungsangebote in den Vertrieb geben, über eine ausgezeichnete Positionierung am Markt verfügen. Denn anders wäre ein Vertrieb derzeit vermutlich kaum möglich.

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