BU-Anträge: So verfahren Versicherer mit Corona-Kunden

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Viele Versicherer stellen Anträge auf Berufsunfähigkeitsschutz und andere Biometrie-Produkte zurück, wenn die potenziellen Kunden zuvor an Covid-19 erkrankt waren. Auch Beitragszuschläge und Leistungsausschlüsse können zum Thema werden.

Auch nach überstandener Corona-Erkrankung wird in der Biometrie-Versicherung genau hingeschaut. Bild: Adobe Stock/Andrey Popovdr

Auch nach überstandener Corona-Erkrankung wird in der Biometrie-Versicherung genau hingeschaut. Betroffene Antragsteller müssen mit längerer Policierungsdauer und gegebenenfalls Beitragszuschlägen und Leistungsausschlüssen rechnen. Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

Die Corona-Pandemie entwickelt sich dynamisch. Nicht nur die Maßnahmen sind in den Staaten weltweit unterschiedlich und werden regelmäßig an die Entwicklungen angepasst. Auch das Virus an sich hält „Überraschungen“ bereit, was am Thema Mutationen zu sehen ist. Unklar ist außerdem logischerweise immer noch, welche Folgeerkrankungen und Langzeitschäden es beim Menschen auslösen kann. Dabei wäre genau dieses Wissen für Versicherer sehr wertvoll, um ihre Gesundheitsdaten-basierten Tarife (biometrische Versicherungen) entsprechend anpassen zu können. Es stellt sich die Frage, wie die Anbieter mit den Anträgen von Kunden umgehen sollen, die bereits an Corona erkrankt waren.

Alexander Schrehardt, Chef der Consilium Beratungsgesellschaft und Experte für Arbeitskraftabsicherung (AKS), hatte kürzlich auf dem profino-Kongress davon berichtet, dass Anträge von Corona-Genesenen bisher zurückgestellt werden, weil das Risiko von Langzeitfolgen für die Unternehmen noch nicht abschätzbar ist. procontra wollte deshalb wissen, wie die beliebtesten Biometrie-Versicherer der Makler mit dem Thema umgehen. Die Antworten beziehen sich dabei auf das gesamte Biometrie-Segment.

1-3 Monate warten bei Alter Leipziger

Klar ist: Die Versicherer wollen wissen, ob und wann jemand an Covid-19 erkrankt ist und wie die Krankheit verlief. Die Alte Leipziger schreibt dazu, dass der Antrag angenommen werden kann, wenn die Infektion folgenlos ausgeheilt ist. Je nach der Zeitspanne, die zwischen Infektion und Antrag liegt, sei aber eine kurze Zurückstellung von ein bis drei Monaten erforderlich, bis von einer folgenlosen Ausheilung ausgegangen werden kann. Diese müsse dann auch bestätigt werden.

Sofern laut Antrag noch Beschwerden bestehen sollten und laufende Behandlungsmaßnahmen erfolgen, wolle der Versicherer individuell prüfen, ob und zu welchen Bedingungen – etwa durch Risikozuschlag – eine Annahme erfolgen kann. „Das Ergebnis dieser Prüfung hängt natürlich maßgeblich vom Krankheitsverlauf ab. Deshalb sind über die Höhe eines möglichen Zuschlages bzw. über die Dauer einer temporären Zurückstellung keine pauschalen Aussagen möglich. Das ist aber nicht grundsätzlich anders als bei ‚etablierten‘ Infektionskrankheiten“, erklärt Detlef Voit, Zentralbereichsleiter Service Center Privatkunden der Alten Leipziger.

Einzelfallprüfung auch bei Swiss Life

Stefan Holzer, Leiter Versicherungsproduktion und Mitglied der Geschäftsleitung von Swiss Life Deutschland, schreibt auf unsere Anfrage: „Antragsteller, die eine SARS-CoV-II-Infektion überstanden haben, werden von uns im Einzelfall geprüft. Wir müssen im Sinne des gesamten versicherten Kollektivs sicherstellen, dass die zu versichernde Person an keinen Folgeerkrankungen infolge der Infektion leidet (z.B. reduziertes Lungenvolumen). Kann eine Folgeerkrankung zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht sicher ausgeschlossen werden, so muss der Antrag zunächst zurückgestellt werden. Ist die Infektion folgenlos überstanden, wird Versicherungsschutz zu normalen Bedingungen gewährt.“

Zuschläge oder Leistungsausschlüsse, die rein auf der Infektion mit SARS-CoV-II basieren, sind laut Holzer bei Swiss Life nicht vorgesehen.

Seite 1: Alte Leipziger und Swiss Life
Seite 2: Volkswohl Bund, LV 1871, Canada Life und Hannoversche

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