Beratungsbedarf steigt: Deutsche starten mit Rekord-Sparvermögen ins neue Jahr

Anne Hünninghaus Berater

Laut einer aktuellen Studie war die Sparrate in Deutschland seit der Wiedervereinigung nicht mehr so hoch wie 2020. Viele Privatanleger lassen ihre wachsenden Vermögen aber auch weiterhin auf Girokonten liegen.

Sparrate 2020; Bild: Adobe Stock/grafikplusfoto

Viele Deutsche starten mit gut gefüllten Spardosen ins neue Jahr. Bild: Adobe Stock/grafikplusfoto

Das Geldvermögen deutscher Privathaushalte ist 2020 nach ersten Berechnungen der DZ Bank um 393 Milliarden Euro auf die stolze Gesamtsumme von 7,1 Billionen Euro gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Vermögensaufbau noch 7,7 Prozent betrug, hat sich das Wachstumstempo mit diesmal 5,9 Prozent zwar leicht abgeschwächt – angesichts der Corona-Krise ist das aber immer noch ein erstaunlich hoher Wert.

Im starken Börsenjahr 2019 trieben hohe Kursgewinne an den Aktienmärkten den Vermögensaufbau an. Das am Kapitalmarkt erwirtschaftete Plus fiel im vergangenen Jahr nun geringer aus. „Zudem fand eine nennenswerte Verzinsung von Einlagen und Rentenpapieren erneut kaum noch statt“, so die Ökonomen der DZ Bank. Letztlich sei der Geldvermögenszuwachs 2020 somit vor allem der durch die Corona-Krise hohen Sparbereitschaft zu verdanken. Gleichzeitig blieben die Einkünfte der privaten Haushalte trotz der Krise stabiler als erwartet.

Weniger Reisen, Restaurantbesuche und Neuanschaffungen

Aus Sorge vor Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit hatten viele Deutsche ihren Konsum vorsorglich eingeschränkt. Zudem führten die Lockdown-Maßnahmen vor allem in der ersten Hälfte des zweiten Quartals und gegen Ende des vierten Quartals zu erheblich weniger Konsum als gewöhnlich. Nach Einschätzung der Bank dürfte die Sparrate im Jahresdurchschnitt rund 16 Prozent erreicht haben – „das mit Abstand höchste Niveau seit der Wiedervereinigung.“ Der Bankenverband BVR lag im Dezember mit einem Wert von rund 17 Prozent in seinen Prognosen sogar noch leicht darüber.

Post-Corona-Boom erwartet

Im Vergleich zu 2019 legten die Privathaushalte laut den vorläufigen Berechnungen über 100 Mrd. Euro mehr auf die hohe Kante. Die Bank rechnet damit, dass es im Jahresverlauf 2021 einen "Post-Corona-Boom" im Privatkonsum geben dürfte: Insbesondere die Ausgaben für Reisen und das Gastgewerbe, für Kultur sowie für persönliche Dienstleistungen werden voraussichtlich kräftig ansteigen, sobald die Pandemie-Situation sie wieder zulässt. Zeitweise könnte die Sparquote dann auch unter ihr längerfristiges Durchschnittsniveau absinken, so die Prognose der Ökonomen.

Positiv auf den Geldbeutel auswirken dürften sich seit dem neuen Jahr aber auch weitere Erleichterungen für Privathaushalte. Steuerzahler werden entlastet wie seit einigen Jahren nicht. So wird in weiten Teilen der sogenannte Soli abgeschafft, zudem gibt es eine Anpassung der Einkommensteuer. Wie schon in den Vorjahren gleicht die Bundesregierung die kalte Progression aus, diesmal aufgrund der Umstände allerdings besonders effektiv. Hinzu kommen ein erhöhtes Kindergeld und ein erhöhter Kinderfreibetrag.

Wie die Studie der DZ Bank erneut bestätigt, blieben jedoch auch 2020 – trotz des bei vielen neu entdeckten Interesses am Kapitalmarkt – die Ersparnisse größtenteils auf Girokonten und wurden nicht angelegt. Das neue Jahr könnte einen Anlass bieten, das zu ändern und sich auf eine fachkundige Beratung einzulassen.

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