BaFin über 2021: Leidendes LV-Neugeschäft, aber keine Kündigungswelle?

Florian Burghardt Versicherungen

BaFin-Präsident Felix Hufeld sieht in 2021 ein schwieriges Jahr für die Versicherer in Sachen Schäden und Neugeschäft. Eine Kündigungswelle in der Lebensversicherung sei aber im Moment nicht zu beobachten. Doch es spricht vieles dagegen, dass das so bleibt.

BaFin-Präsident Felix Hufeld beobachtet im Moment keine Kündigungswelle in der Lebensversicherung. Ob das noch lange so bleibt? Bild: Bernd Roselieb, BaFin

BaFin-Präsident Felix Hufeld beobachtet im Moment keine Kündigungswelle in der Lebensversicherung. Ob das noch lange so bleibt? Bild: Bernd Roselieb, BaFin

„Liquiditätsprobleme sehen wir derzeit nicht“, schreibt Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in seinem aktuellen Neujahrsgrußwort mit Blick auf die Versicherer. Doch aus Aufsichtsperspektive wartet in 2021 eine Reihe von Problemen auf die Branche.

Zum einen wären da die zu erwartenden Schäden in zahlreichen Segmenten, etwa in der Kreditversicherung. Wenn die aktuell bis Ende April ausgesetzte Insolvenzantragspflicht wieder greift, könnten sich für die Anbieter viele Kreditausfälle aufgrund von Insolvenzen auftun. Außerdem stünde natürlich weiterhin die Betriebsschließungsversicherung (BSV) mit ihren zahlreichen Gerichtsverfahren im Fokus. Im BSV-Dilemma geht es neben einem milliardenschweren Schadenpotenzial auch um einen Imageverlust für die Versicherungsbranche.

Sinkende Nachfrage

Zum anderen rechnet der BaFin-Präsident mit einer sinkenden Versicherungsnachfrage: „In Zeiten von Ansteckungsgefahren und sozialer Distanzierung kann aber das Neukundengeschäft leiden, vor allem in den Sparten, die direkt von COVID-19 betroffen sind.“ Beispielsweise würden Reiseversicherungen derzeit kaum gebraucht. Ein deutlich größerer Hebel ist hingegen die Lebensversicherung, in der laut Hufeld die Nachfrage tendenziell nachlasse. Eine Kündigungswelle beobachtet die BaFin indes nicht.

Zwar packen viele Vermittler die sinkende Versicherungsnachfrage aktiv an und nutzen bereits vielfach das Instrument der Videoberatung. Jedoch sind nicht alle Kunden zu diesem Schritt bereit. Jetzt liegen erneut Wochen und Monate vor der Branche, in denen viele Menschen auf unnötige Kontakte verzichten und dazu auch das persönliche Treffen mit dem Vermittler zählen. Natürlich ist der passende Versicherungsschutz kein unwichtiges Thema für Verbraucher. Jedoch sinkt derzeit laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) die Bereitschaft der Deutschen außergewöhnlich stark, etwas zur Verbesserung ihrer Altersvorsorge zu tun.

Verhindern kurzfristige Maßnahmen die Kündigungswelle?

Ob eine Welle von Vertragskündigungen in der Lebensversicherung weiter ausbleibt, ist fraglich. Bereits im ersten Lockdown und vor dem Hintergrund finanzieller Einbußen haben sich viele Menschen mit ihrem Versicherungsportfolio beschäftigt. Von ihnen dachte damals jeder Vierte über eine Kündigung seiner Verträge nach, um sich wieder mehr monatliche Liquidität zu verschaffen. Ähnlich wie bei den Kreditversicherungen könnte sich ihre Anzahl nach der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und damit verbundener Arbeitslosigkeit noch in diesem Jahr deutlich erhöhen.

Zwar haben bereits im Frühjahr viele Lebensversicherer reagiert und ihren Kunden ein erweitertes Stundungsmodell angeboten. Doch bei der Stundung müssen die für einige Monate ausgesetzten Beiträge irgendwann nachgezahlt werden. Offenbar erscheint für immer mehr Menschen die Coronakrise aber nicht mehr mittel- und erst recht nicht kurzfristig. Nach Beitragsfreistellung und Stundung rechnet der Analyst Dr. Carsten Zielke deshalb mit der Vertragskündigung als nächstem logischen Schritt. Jedoch belegen andere Erhebungen, dass sich für Vermittler auch Beratungspotenziale durch die Krise ergeben.

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