Bafin-Forderung: Insurtechs sollen mehr Eigenkapital vorhalten

Anne Hünninghaus Digital Versicherungen

Versicherungs-Start-ups verfügen oft über zu geringe Rücklagen. Die Pandemie verschärft die Gefahr, schon nach kurzer Zeit zahlungsunfähig zu sein. Die BaFin verlangt nun erhöhte Eigenmittel und einen aufgepolsterten Orgafonds bei Neuzulassungen.

Eigenkapital von Insurtechs; Bild: Adobe Stock/weyo

Höhere Rücklagen gefordert: Die Bafin will Versicherungs-Start-ups künftig genauer unter die Lupe nehmen. Bild: Adobe Stock/weyo

Die Corona-Krisenzeit erschüttert Konzerne weltweit – doch insbesondere junge und bislang wenig etablierte Unternehmen haben zurzeit mit zögerlichen Kunden und Investoren zu kämpfen. Wenn der Geldfluss gestoppt ist, geraten sie schnell ins Wanken, das haben zuletzt unter anderem die Insurtechs Joonko und Getsurance zu spüren bekommen. Dass junge Firmen aufgeben müssen, ist aber kein exklusives Corona-Spezifikum. Generell gilt: Über 80 Prozent aller Start-ups scheitern innerhalb der ersten drei Jahre, wirklich erfolgreich wird nur jedes zehnte. In Wachstum zu investieren, ist teuer – und die anfangs noch geringen Prämieneinnahmen des oft nur langsam wachsenden Kundenstamms reichen bei weitem nicht, um diese zu decken. Die jungen Digitalaffinen stellen zudem eine hart umkämpfte und dabei wechselwillige Zielgruppe dar, die Akquisitionskosten sind für Insurtechs entsprechend hoch – und bis der Wert des Kunden im Laufe der Zeit gehoben wurde, ist schon viel Geld hineingesteckt. So befinden sich Jungunternehmen oft jahrelang noch in der Verlustzone.

Hinzu kommen dann oft zu ambitionierte Businessplänen mit maximal ausgereizten Unternehmensbewertungen. Werden diese nicht erfüllt, sind die Unternehmen auf Nachfinanzierungen angewiesen – und treffen momentan in den Finanzierungsrunden oft auf eher zurückhaltende Investoren.

Strengere Auflagen vonseiten der Behörde

Um die Versicherungsnehmer zu schützen, will die Aufsichtsbehörde BaFin Insurtechs künftig strenger unter die Lupe nehmen, wie aus einem aktuellen Beitrag des BaFin Journals hervorgeht. Das trifft nicht nur künftige Neugründungen, sondern auch bestehende Versicherungs-Start-ups. Das europäische Aufsichtsregime Solvency II, das unter anderem die Eigenmittelanforderungen festlegt, werde von Insurtechs in puncto Risiken in der Aufbauphase bisher nicht ausreichend berücksichtigt, beanstandet die BaFin. Das Risikomanagement müsse besser werden.

Aber die Behörde geht noch weiter: Künftige Neugründungen sollen bei ihrem Start über „deutlich mehr Eigenmittel verfügen, als das bei vergleichbaren Vorgängern der Fall war. Sie müssen schon am Tag ihres Zulassungsantrags vollständig ausfinanziert sein, damit sie keine ergänzenden Finanzierungsrunden mehr benötigen“, lautet die Forderung. Auch negative Entwicklungen müssen künftig in den Prognosen berücksichtigt werden. Höhere versicherungstechnische Rückstellungen sollen bei Neugründungen eine solidere Basis schaffen, als es bisher der Fall war.

Bei ihrer Zulassung müssen Versicherer einen Organisationsfonds (Orgafonds) stellen, dessen Höhe „die zunehmende Rolle der IT beim Vertrieb von Versicherungsprodukten widerspiegelt“. Das will die BaFin künftig prüfen. Denn bei jungen Digitalversicherern sei es entscheidend, dass die IT-Aufbaukosten auf lange Sicht ausreichend finanziert seien, daher sei der Fonds so zu berechnen, dass er alle erwarteten, realistisch prognostizierten Verluste von der Gründung bis zum Zeitpunkt der erstmaligen Profitabilität erfasst: „Es reicht künftig nicht mehr, nur die schon in der analogen Welt anfallenden Kosten für den Aufbau der Verwaltung und des Vertreternetzes zu veranschlagen." Für den Realitäts-Check gleicht die Behörde die Pläne von Neugründungen mit den Erfahrungswerten aus der Aufsicht über ältere Insurtechs ab.