Auch in der Versicherungsbranche: Hohe Qualifikationen bringen viel Geld

Wolfgang Zehrt Versicherungen Berater

Was haben gut ausgebildete Versicherungskaufleute mit einem Internisten gemeinsam? Beide sind hochqualifiziert und werden von Arbeitgebern dringend gesucht, deswegen sind ihre Gehälter seit 2013 besonders stark gestiegen. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Beraterqualifikation Bild: Pixabay / Freephotos

Hohe Berater-Qualifikationen zahlen sich vor allem bei Personalknappheit doppelt aus. Bild: Pixabay / Freephotos

Wo es an Fachkräften mangelt, ist die Chance auf überdurchschnittlich steigende Löhne hoch: Zu diesem Ergebnis kommt die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. In Zeiten von Personalknappheit in vielen Branchen zahlen sich auch Abschlüsse und Qualifikationen doppelt aus. Ein Beispiel: Mehr als die Hälfte der Versicherungskaufmänner oder -frauen mit Master oder Diplom kommt auf ein monatliches Durchschnittseinkommen von mindestens 6.150 Euro. Ein Gehalt deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnittsverdienst von 3.405 Euro.

Aber nicht nur das: Auf 100 gemeldete Stellen kommen lediglich 23 Arbeitssuchende, neben dem guten Gehalt kommen also auch noch sehr gute Jobaussichten dazu. Damit stehen hochqualifizierte Versicherungsexperten auf einer Stufe mit Fachärzten, die kaum häufiger gesucht werden. Über die Spitzenverdienste kann die Studie allerdings keine Informationen liefern: Bei 6.150 Euro endet die Sozialversicherungspflicht und damit die statistische Erfassung.

Bachelor verdient weniger und sucht länger

Dass das Monatsgehalt bei den Versicherungskaufleuten mit Bachelor schon durchschnittlich 1.000 Euro unter dem der Kollegen mit Masterabschluss liegt, ist womöglich verschmerzbar. Problematischer ist sicher, dass 300 Bachelor-Absolventen auf einhundert offene Stellen kommen. Das ist die zehnfache Zahl an Bewerbern verglichen mit Master- Absolventen. Doch wer eine Stelle ergattert hat, liegt immerhin 400 Euro über dem Monats-Durchschnittseinkommen eines Zahnarztes.

Ausgebildete Versicherer liegen im guten Mittelfeld

Sowohl von den beruflichen Perspektiven als auch vom Verdienst her ist die berufliche Situation für Versicherungskaufleute mit Ausbildung entspannt. Mit einem mittleren Bruttolohn von 4.609 Euro liegt diese Berufsgruppe zum Beispiel über den Apothekern mit Masterabschluss, die auf 4.468 Euro im Monat kommen. Und mit 63 suchenden Versicherungskaufleuten auf 100 zu besetzende Jobs ist der Arbeitsmarkt vielversprechend. Warum es bei 100 gemeldeten offenen Stellen überhaupt 63 Jobsuchende geben kann? Ganz einfach, nicht jeder jobsuchende Versicherungskaufmann aus Flensburg möchte unbedingt ins tiefste Bayern gehen. Dabei kann sich der Wechsel in weniger begehrte Regionen durchaus lohnen. Regel laut des Instituts: Je höher die Qualifikation, desto größer das Einkommen und damit auch die Bereitschaft, für einen Job umzuziehen.

Lohnende und wachsende Zielgruppen

Die Studie stellt auch heraus, wo sich am meisten überdurchschnittlich Verdienende mit den stabilsten Arbeitsverhältnissen und besten Jobaussichten tummeln. Seit 2013 ist der Bereich<span style="font-size:11.0pt; line-height:107%; font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif"> „</span>IT-Berufe" zum Beispiel rasant größer geworden. Wer sich mit digitalen Themen gut auskennt, dürfte sich mit dieser stetig wachsenden Zielgruppe leichter tun. Mittlerweile sind mehr als 150.000 Menschen als Softwareentwickler beschäftigt. Arbeitslos sind die allerwenigsten von ihnen und sie verdienen mit 5.149 Euro monatlich klar über dem Durchschnitt. Weitere 90.000 Beschäftigte werden in der IT-Beratung gezählt, diese verdienen noch einmal 200 Euro mehr als ihre Entwickler-Kollegen. Dass Ärztinnen und Ärzte nicht nur vom Einkommen her auch ganz oben im Ranking stehen, ist wenig überraschend. Genauso wichtig ist es, dass die Nachfrage nach Nachwuchs-Medizinern genau wie bei den IT-Experten ungebrochen ist. In allen Branchen ist derweil sichtbar, dass Frauen weiterhin schlechter bezahlt werden als Männer<span style="font-size:11.0pt; line-height:107%; font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif"> – </span>ein ernüchterndes Ergebnis der Untersuchung.

Tolle Berufsbezeichnungen müssen nichts sagen

Die Studie veranschaulicht auch, dass hohe erzielbare Gehälter nicht zwangsläufig etwas mit realen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu tun haben müssen – das Gegenteil kann der Fall sein. „Unternehmensberater“ beispielsweise werden oft als Erfolgsmenschen mit Nobelkarosse gesehen. Die Studie macht deutlich, warum das oft nicht stimmt. Zwar wird für diese Berufsgruppe ein monatliches Durchschnittseinkommen von 6.150 Euro ausgewiesen, das dürfte aber vor allem durch die Top-Verdiener der Branche (Tagessätze bis 2.000 Euro) zustande kommen. Denn auf 100 freie Stellen kommen 700 Menschen, die gerne als Berater arbeiten würden – so viele, wie in keinem anderem Berufsfeld. Hat der Unternehmensberater seine Arbeit getan wird diese oft von einer oder einem der 14.000 Buchhalter auf Erfolge und Misserfolge kontrolliert. Haben diese ein Master oder ein Diplom, verdienen sie mit fast 6.000 Euro sehr ordentlich und haben in aller Regel auch kein Problem eine Stelle zu finden. Anders als Unternehmensberater.

Die wichtigsten und weniger wichtiger Berufsgruppen

Wer viel verdient, hat normalerweise auch das Bedürfnis, seinen erworbenen Wohlstand, seine Familie und sich selbst abzusichern. Nach diesem Maßstab sind alle hoch qualifizierten medizinischen Berufe, aber auch alle IT- und Technikexperten mit hochwertigem Abschluss besonders interessant. Immerhin gibt es rund 10.000 studierte Luft- und Raumfahrt-Techniker, die in den nächsten Jahren kaum arbeitslos werden können, die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Ein anderer Berufszweig, den zwar viele Menschen am Abend nicht vermissen möchten, steht dagegen an letzter Stelle in dieser Untersuchung: Die 12.000 Barkeeperinnen und Barkeeper verdienen auch mit Ausbildung durchschnittlich unter 2.000 Euro im Monat und trotzdem kommen 174 arbeitslose Cocktailspezialisten auf 100 freie Jobs.

Die interaktive Grafik des Institut der deutschen Wirtschaft