Zahl der Pflegebedürftigen stark gestiegen

Wolfgang Zehrt Versicherungen

Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland um rund 21 Prozent gestiegen. Der Anstieg resultiert jedoch hauptsächlich aus einer Gesetzesreform.

Die Gesellschaft altert rasant: Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen. Bild: Pixabay/Gerd Altmann

Die Zahl liest sich zunächst erschreckend: Von Dezember 2017 bis Dezember 2019 hat sich die Gruppe der pflegebedürftigen Deutschen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 710.000 auf insgesamt 4,1 Millionen (2019) Menschen vergrößert. Diese Zahl erklärt sich zum großen Teil mit der im Rahmen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) eingeführten erweiterten Pflegebegriffs. Während sich Pflegebedürftigkeit zuvor vor allem auf körperliche Einschränkungen bezog, werden nun Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen einbezogen. Entscheidend ist nun, ob und wie der einzelne Mensch seinen Alltag alleine bewältigen kann. Durch die Umstellung von zuvor drei Pflegestufen auf nun fünf Pflegegrade haben nun wesentlich mehr Menschen Anspruch auf Unterstützung.

Pflege zuhause steht an erster Stelle

Der größte Anteil der Pflegebedürftigen (56 Prozent) wird zuhause und überwiegend durch Angehörige versorgt, ein Viertel bekommt in den eigenen vier Wänden professionelle Unterstützung und jeder Fünfte ist in einem Heim untergebracht. Die Zahl der in Heimen versorgten Menschen hat sich von 2017 bis 2019 nicht erhöht (800.000 Personen). Wenig überraschend ist die Tatsache, dass mit steigendem Alter auch der Anteil der Pflegebedürftigen in der jeweiligen Altersgruppe steigt. Während von den 70- bis 74-Jährigen gerade einmal acht Prozent professioneller Pflege bedurften, waren es bei Über-90-Jährigen bereits drei Viertel aller Menschen.

Trotz höherer Lebenserwartung kaum private Pflegezusatzversicherungen

Dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren durch die sich verändernde demographische Struktur in Deutschland weiter steigen wird, gilt als ausgemacht. Laut Pflege-Report des wissenschaftlichen Instituts der AOK werde sich die Zahl der Pflegebedürftigen aller GKV-Versicherten von 4,6 Prozent (2017) auf 7,4 Prozent erhöhen. Gestiegen sind in den vergangenen Jahren auch die Eigenanteile: In diesem Jahr stieg dieser bundesweit nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen auf über 2.000 Euro. Besonders teuer ist es dabei für Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen, die laut aktuellen Daten auf 2.405 Euro im Monat kommen, die aus eigener Tasche zu zahlen sind. Trotz der zuletzt immer weiter steigenden Kosten kommt die private Pflegevorsorge nicht so richtig vom Fleck. Laut aktuellen Zahlen des Verbands der Privaten Krankenversicherung verfügen lediglich 4,6 Prozent der insgesamt 82 Millionen Pflegepflichtversicherten über eine private Pflegezusatzversicherung – in absoluten Zahlen sind das 3,77 Millionen Menschen.

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