Wie lassen sich Tiny Houses finanzieren?

Sachwerte Top News von von Martin Lechtape

Minihäuser ermöglichen auch Stadtmenschen eine Auszeit im Grünen, Corona befeuert den Trend zusätzlich. Zwar bieten manche Banken bereits spezielle Tiny-House-Kredite an, doch die Finanzierung des Bullerbü-Lebens hat ihre Tücken.

Tiny House; Bild: Adobe Stock/lowphoto

Bei manchen Banken gilt: Je grüner das Tiny House, umso geringer sind die Kreditkosten. Bild: Adobe Stock/lowphoto

Lärmende Nachbarn, schreiende Kinder – in Großstädten kann das Homeoffice schnell zur Qual werden. Das Häuschen im Grünen kostet mittlerweile aber selbst im Speckgürtel so viel, dass sich immer mehr Menschen diesen Luxus schlicht nicht leis­ten können. Und so harrten Millionen Deutsche während der Corona-Pandemie in ihren miefigen Stadtwohnungen und träumten sich ins Grüne: ein kleines Haus irgendwo im Wald, zwischen Bäumen und singenden Vögeln.

Tiny Houses sollen genervten Städtern genau diese Auszeit ermöglichen – und zwar für deutlich weniger Geld als das klassische Eigenheim. Es handelt sich um kleine Wohnhäuser mit meist weniger als 20 Quadratmetern, die Bewohner überall aufstellen und schnell wieder abtransportieren können. Seit Ausbruch der Pandemie erlebt dieser Minimalismus einen Boom. „Es ist Wahnsinn, wie das Interesse seit Corona gestiegen ist“, berichtet Tanja Schindler. Sie baut und verkauft nachhaltige Tiny Houses. Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr verzeichnet sie deutlich mehr Anfragen nach ihren kleinen Holzbungalows.

Doch trotz steigender Nachfrage scheitern viele ihrer Bauprojekte. Das liege vor allem an der Finanzierung, führt Schindler aus. Denn den Kaufpreis müssen die Käufer der Häuschen oft aus eigener Tasche zahlen – Banken reagieren bisher eher verhalten auf die Träumereien der Großstädter. Für die Geldhäuser ist eine Immobilie immer an ein Grundstück gebunden, mit einem festen Fundament aus Stein und Beton. Die Tiny Houses sind aber beweglich. Sie können abgebaut, auf einen Truck geladen und an anderer Stelle wiederaufgebaut werden. Banken reichen die kleinen Holzwagen auf Rädern als Kreditsicherheit daher oft nicht aus. „Deshalb fordern Banken meist höhere Zinsen für die Finanzierung von Tiny Houses“, erklärt Rainer Wilke, Immobilienexperte des Finanzvermittlers Dr. Klein.

Rabatte für Nachhaltigkeit

Die PSD Bank Hannover bietet ihren Kunden etwa einen Tiny-House-Kredit mit einem Sollzins von 3,15 Prozent. Zum Vergleich: Für einen klassischen Immobilienkredit, ebenfalls mit einer Zinsbindung von zehn Jahren, berechnet die Bank nur 0,90 Prozent. Alternativ können Kunden auch Konsumentenkredite beantragen, um den Bau ihres Tiny House zu finanzieren. Aber: „Bei Konsumentenkrediten muss das Geld häufig viel schneller zurückgezahlt werden“, betont Wilke. „Oft innerhalb von sieben Jahren.“ Die monatlichen Raten würden dementsprechend höher ausfallen.

Eine Möglichkeit, die Raten etwas zu senken, bietet die Ethikbank mit ihrem „Tiny-House-Plus-Kredit“: Die Bank honoriert Investitionen in umweltfreundliche Technik und nachhaltige Materialien mit einem Rabatt auf den Zins. Je grüner das Tiny House, umso geringer sind die Kreditkosten. Bis auf 2,72 Prozent können nachhaltige Bauherren bei der Ethikbank ihren Zins so drücken. Dafür zahlt die Bank ihren Öko-Kredit erst ab einem Kreditwert in Höhe von 50.000 Euro aus – diese Schwelle erreichen längst nicht alle Miniholzhäuser. Hier ist die PSD-Bank etwas kulanter: Sie vergibt auch schon kleine Kredite ab 10.000 Euro.

Doch selbst wenn das Tiny House steht und der Kredit auf dem Konto ist – das Bullerbü-Leben hat noch weitere Tücken. Neben den monatlichen Kredittilgungen gesellen sich auf den Kontoauszug auch Mietkosten für den Stellplatz. Wer kein eigenes Grundstück hat, muss für sein Tiny House eines mieten oder pachten. Falls der Eigentümer den Mietvertrag nicht verlängert, müssen die Bewohner ihre Häuser auf Trucks laden und einen neuen Standort für ihre Auszeit im Grünen suchen.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare