Warum eine Inhaltsversicherung für jedes Unternehmen ratsam ist

Martin Thaler Gewerbeschutz Berater Top News

Eine Inhaltsversicherung versichert nicht nur das gut gefüllte Warenlager, sondern auch Betriebseinrichtung und Gerätschaften. Makler sollten beim Beratungsgespräch zudem Erweiterungen des Versicherungsschutzes ansprechen.

Lagerhaus. Bild: Adobe Stock/Rawf8

Gerade für Unternehmen mit hochwertigem Lagerbestand lohnt sich eine Inhaltsversicherung. Bild: Adobe Stock/Rawf8

Die Täter kamen am Wochenende, als die Mitarbeiter eines Kemptener Tabakhändlers längst ihre wohlverdiente Freizeit genossen. Die Büro- und Lagerräume waren entsprechend verwaist, was einigen Langfingern als günstige Gelegenheit interpretierten und in die Lagerhalle einstiegen. Während aus dem aufgeflexten Tresor nur ein kleiner Bargeldbetrag entwendet wurde, fiel die Beute im Lagerhaus wesentlich lukrativer aus. Insgesamt 200.000 Zigaretten entwendeten die Diebe, den Schaden schätzte der Firmeninhaber auf mehrere Zehntausend Euro.

Eine Schadenshöhe, die insbesondere für kleinere Unternehmen existenzbedrohend sein kann. Ratsam ist es deshalb, sich entsprechend abzusichern. Beispielsweise mit einer Geschäftsinhaltsversicherung, die am Markt auch unter den Bezeichnungen Inventarversicherung oder Betriebsinhaltsversicherung vertrieben wird. Unabhängig vom Namen versichern diese Policen nicht nur die Waren und Lagerbestände von Unternehmen, sondern auch deren elektronisches Equipment und Arbeitsmaschinen. Gerne wird die Inhaltsversicherung aus diesem Grund auch als „Hausratversicherung für Gewerbetreibende“ bezeichnet.

„Ich empfehle immer, eine Inhaltsversicherung abzuschließen“

Doch lohnt sich die Inhaltsversicherung auch für Unternehmen, die keine wertvollen Lagerbestände ihr Eigen nennen? „Ich empfehle immer, eine Inhaltsversicherung abzuschließen“, berichtet der aufs Handwerk spezialisierte Makler Rainer Schamberger. Zwar könne es für einzelne Kunden, die ausschließlich Dienstleistungen anbieten und über einen reinen Bürobetrieb verfügten, ausreichen, ihre elektronischen Geräte per Elektronikversicherung abzusichern. Doch selbst für Unternehmen, die die im Betrieb enthaltenen Werte, wie Möbel und andere Einrichtungsgegenstände, als geringfügig einstuften, sei eine Inhaltsversicherung empfehlenswert, „da der Beitrag dann oft sehr überschaubar ist“, sagt Schamberger.

Abgedeckt ist ein breiter Strauß an potentiellen Schadensursachen: Feuer, Leitungswasser, Diebstahl, Sturm und Hagel sowie bei Einschluss auch Naturgefahren wie Überschwemmungen, Lawinen/ Erdrutsch oder Schneedruck. Der Versicherungsschutz erstreckt sich dabei auf sämtliche beweglichen Sachen am Versicherungsort. „Abgesichert sind somit die technische und kaufmännische Betriebseinrichtung, fertige Produkte, Rohmaterialen und Werkzeuge“, erklärt Schamberger.

Wer darüber hinaus zusätzliche Risiken im Hinblick auf seine im Betrieb vorhandenen Maschinen abgesichert wissen will, sollte zusätzlich über eine Erweiterung seines Versicherungsschutzes nachdenken: Für alle zusätzlichen Risiken, also beispielsweise Bedienungsfehler, Ungeschicklichkeit, Fahrlässigkeit, Konstruktion- oder Materialfehler, Kurzschlüsse, Überstrom sowie Überspannung, empfiehlt sich eine Maschinenbruch- bzw. Elektronikversicherung.

Welche Ergänzungen Sinn machen

„Die Maschinen- bzw. Elektronikversicherung lohnt sich für alle produzierenden Betriebe und jene, die teure und große Maschinen und Geräte verwenden“, empfiehlt Makler Schamberger. Für kleinere Betriebe kann auch eine reine Elektronikversicherung als Ergänzung zur Inhaltsversicherung Sinn machen. „Hier kommt es immer auf den anfragenden Betrieb an“, so Schamberger.

Darüber hinaus ist Betrieben zusätzlich zum Abschluss einer Betriebsunterbrechungsversicherung geraten. Zwar bekäme der oben genannte Tabakhändler – sofern er versichert war – die gestohlenen Zigaretten von seiner Inhaltsversicherung ersetzt. Solange er auf neue Ware wartet, steht der Betrieb jedoch still. Während Zigaretten wahrscheinlich relativ schnell nachgeliefert werden können, ist die Situation für andere Gewerbetreibende durchaus komplizierter, wie der auf den Textileinzelhandel spezialisierte Makler Björn Guido Haag im Gespräch mit procontra verdeutlichte: „Nehmen wir an, Einbrecher räumen bei einem Textileinzelhändler den gesamten Warenbestand aus. Nun könnte man meinen: Der Versicherungsnehmer muss nur die Tür reparieren, neue Ware bestellen und kann wieder öffnen – aber so leicht ist es nicht. Denn er bekommt in der Regel schlicht kurzfristig keine Ware mehr. In der Regel gibt es Vororderzeiten von sechs bis neun Monaten – wer im Winter Jacken verkaufen möchte, bestellt diese im Frühjahr.“

Zugleich müsse der Händler jedoch weiterhin die Miete zahlen und sein Personal beschäftigen – schnell entsteht so durch die Zwangspause ein gewaltiger Schaden. „Das zeigt, dass es absolut sinnlos ist, eine Inhaltsversicherung ohne eine dazugehörige Betriebsunterbrechungsversicherung zu kaufen – und das gilt für alle Gefahren“, erläutert Haag. Zumal die Betriebsunterbrechungsversicherung relativ günstig zu haben sei. „Wer diese ablehnt, spart absolut am falschen Ende“, so Haag.