Verwahrentgelt: Auch DKB erhebt Negativzinsen

Anne Hünninghaus Berater

Immer mehr Banken bürden Privatkunden ab einem bestimmten Freibetrag auf Giro- und Festgeldkonten Negativzinsen auf. Auch die DKB reiht sich in die von Verbraucherschützern kritisierte Riege der Geldinstitute ein, die das Sparen immer kostspieliger machen.

Verwahrentgelt: Bild: Adobe Stock/nmann77

Inzwischen erheben 240 Geldinstitute das so genannte Verwahrentgelt. Bild: Adobe Stock/nmann77

Nun ist auch die DKB an Bord: Als eine der letzten Direktbanken erhebt sie künftig ebenfalls ein so genanntes Verwahrentgelt. Für die rund vier Millionen Kunden ändert sich allerdings erst einmal nichts, die Negativzinsen von minus 0,5 Prozent, die pro Jahr für Guthaben oberhalb von 100.000 Euro gefordert werden, sollen nur von Neukunden eingestrichen werden. Die Regelung betrifft dabei das „DKB Girokonto“, die „DKB Visa Card“ und das „DKB Visa Tagesgeld“.

Für bestehende Verträge gilt laut Verbraucherschützer Niels Nauhauser: „Haben Verbraucher bei einer Bank in der Vergangenheit ein Festgeldkonto oder einen langfristigen Sparvertrag abgeschlossen, wurde ursprünglich festgelegt, dass die Bank dafür einen Zins zahlt. Das kann sie bei bestehenden Verträgen nicht einfach so ins Gegenteil verkehren, indem sie ein Verwahrentgelt einführt." Bankkunden sind demnach nicht verpflichtet, auf entsprechende Aufforderungen ihrer Institute zu reagieren, Verwahrentgelte auf bestehende Konten zu akzeptieren.

Der Druck steigt: 240 Geldhäuser fordern Privatkunden inzwischen Negativzinsen ab

Schon seit Beginn des Jahres erreichen Verbraucher immer wieder Meldungen von Banken, die Negativzinsen auf Giro- oder Tagesgeldguthaben erheben – und damit eigenen Angaben zufolge auf die Nullzinspolitik reagieren. Da diese durch Corona noch weiter ausgedehnt werden dürfte, wächst offenbar die Dringlichkeit, Geld von den Kunden einzufordern. Laut einer Übersicht des Portals Biallo kassieren inzwischen 240 Institute Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es bereits 317 Geldhäuser.

Bei den meisten davon gelten die Negativzinsen erst ab einem Freibetrag. Bei der Deutschen Bank beispielsweise müssen Kunden jährlich 0,5 Prozent des Guthabens abtreten, das 100.000 Euro übersteigt. Die Comdirekt fordert den Negativzins erst ab einem Betrag von 250.000 Euro ein. Bei der Raiffeisenbank Ortenburg-Kirchberg dagegen gelten minus 0,4 Prozent erst für jeden Euro, der eine Million Euro Guthaben übersteigt. Ab 50.000 Euro auf dem Girokonto bittet seit Kurzem auch das Fintech N26 seine Kunden zur Kasse. Ab diesem Betrag sind für Neukunden jährlich 0,5 Prozent Abgabe fällig. Und das, obwohl das Management der Smartphone-Bank sich noch im vergangenen Jahr gerühmt hatte, Negativzinsen auszuschließen.

Die ING Diba, mit rund 9,5 Millionen Kunden Deutschlands größte Direktbank, gab kürzlich ebenfalls bekannt, Verwahrentgelte zu erheben. Ab Februar des kommenden Jahres erhebt sie wie die DKB 0,5 Prozent für Guthaben, die den Freibetrag von 100.000 Euro übersteigen. Genau wie bei der DKB gilt die Regelung für alle Neukunden und neu eröffnete Konten.

Corona und das Vorgehen der Branchengrößen könnten dazu führen, dass auch im kommenden Jahr noch weitere Insititute nachziehen oder die Regelungen zum Negativzins verschärfen. Insbesondere für vermögende Kunden wird es somit schwieriger, künftig einen geeigneten Anbieter auszuwählen. Das gilt vor allem für die Sparer, die dem Verwahrentgelt für Bestandsverträge nicht zustimmen und denen ihr Vertrag von der Bank daraufhin gekündigt wird. Solche Fälle sind bislang allerdings kaum verbreitet.