Unterversicherung: die unterschätzte Gefahr

Gewerbeschutz Top News Berater von Rainer Kreuzer

Makler müssen jedes Jahr mit ihren Kunden die Risiken neu bewerten. Worauf gilt es zu achten und wie lassen Unternehmensgründer sich für das Thema sensibilisieren?

Unterversicherung vorbeugen; Bild: Adobe Stock/mavoimages

Unternehmer sollten die jährlichen Fragebögen ihrer Versicherung gewissenhaft ausfüllen, um ihren Schutz anzupassen. Bild: Adobe Stock/mavoimages

Ein erfolgreicher Start, wachsende Umsätze, steigende Gewinne: Läuft es so, ist die Freude bei Unternehmensgründern groß. Doch wenn ein Schadenfall eintritt, kommt oft die böse Überraschung: Die Versicherungssumme war viel zu gering für das stark gewachsene Unternehmen und die Leistung deckt Schäden bei Weitem nicht mehr. Für das Start-up im Auftrieb ist das ein schmerzhafter Verlust. Und das gilt auch für den Makler, der nun in Haftung genommen wird.

Doch so weit muss es nicht kommen, sagt Maklerin Cornelia Bölter aus Mecklenburg-Vorpommern. „Jeder Makler muss einmal im Jahr seine Kunden aufsuchen und fragen, ob alles noch stimmt." Bei diesem Gespräch heißt es nicht nur die Versicherungssummen zu überprüfen, es sollte auch erörtert werden, ob neue Risikokategorien abgesichert werden müssen. Bölter empfiehlt insbesondere, das Thema Cyberversicherung anzusprechen. Denn das Thema ist für viele noch neu und die Risiken im Internet steigen. Durch die Coronakrise sei nun auch eine Beratung über die Absicherung von Betriebsunterbrechungen erforderlich geworden.

Tückische Falle bei Unterversicherung

Was oft übersehen wird, ist die tückische Falle bei der Leistung im Schadenfall: Viele Versicherer erstatten einen Schaden bei vorliegender Unterversicherung nur anteilig, auch wenn die Gesamtsumme des Schadens unter der Versicherungssumme liegt.

Eine Beispielrechnung: Ein Unternehmen hat vor Jahren eine Betriebsinhaltsversicherung abgeschlossen. Damals belief sich der Inventarwert auf rund 100.000 Euro. Mittlerweile sind jedoch weitere Mitarbeiter und Maschinen hinzugekommen, der Inventarwert hat sich verdoppelt. Kommt es nun beispielsweise durch Feuer zu einem Schaden von 70.000 Euro, übernimmt der Versicherer nur die Hälfte davon. Denn obwohl die Versicherungssumme 100.000 Euro beträgt, liegt eine 50-prozentige Unterversicherung vor, womit die Entschädigung im selben Verhältnis gekürzt wird.

Hinweis auf jährliche Fragebögen

Die Versicherungsgesellschaften verschicken laut Maklerin Bölter meist von sich aus jährlich Fragebögen an ihre Kunden. Wer diese gewissenhaft und umsichtig ausfüllt, kann die meisten Gefahren einer Unterversicherung begrenzen. Darauf können Makler ihre Kunden hinweisen und auch ihre Unterstützung anbieten. Bei der betrieblichen Haftpflichtversicherung werde regelmäßig nach dem Umsatz gefragt, konstatiert Bölter. Die Rechtsschutzversicherung frage nach der Zahl der Mitarbeiter.

Bei der Inhaltsversicherung seien meist kleinere Unterversicherungssummen pauschal mitversichert, beruhigt die Versicherungsfachwirtin. Wenn ein Betrieb mit 500.000 Euro versichert sei und sein Inhalt im Wert von zehn Prozent wachse, sei diese Differenz meist abgedeckt. Eine individuelle Beratung durch den Makler ist auf jeden Fall zu empfehlen.