Überschussbeteiligung: Kleinlein wirft Allianz Irreführung der Versicherten vor

Anne Hünninghaus LV-Check Versicherungen

Am Dienstag hatte LV-Marktführer Allianz deklariert, die laufende sowie die Gesamtverzinsung erneut zu senken. Beim Bund der Versicherten stößt das auf Widerstand – der Konzern spiele in der Kommunikation bewusst mit der Verwirrung, heißt es von BdV-Sprecher Axel Kleinlein.

BdV-Chef Axel Kleinlein. Bild: Bund der Versicherten

Wirft der Allianz Irreführung vor: BdV-Chef Axel Kleinlein. Bild: Bund der Versicherten

Lebensversicherte müssen sich bei der Allianz im kommenden Jahr mit geringeren Überschüssen zufrieden geben. Deutschlands größter Versicherer hatte bereits für 2020 – erstmals nach drei Jahren – die laufende Verzinsung heruntergeschraubt, nun senkt er sie weiter ab

Für die klassischen Lebens- und Rentenversicherungen soll die laufende Verzinsung im kommenden Jahr bei 2,3 Prozent liegen – aktuell sind es noch 2,5 Prozent. Für Kunden des Vorsorgekonzepts „Perspektive“ beträgt sie künftig 2,4 Prozent, 0,2 Prozentpunkte weniger als 2020. Damit geht auch die Gesamtverzinsung auf 3,2 Prozent (Vorjahr: 3,4 Prozent) zurück, bei den klassischen Produkten liegt sie 2021 bei 2,9 Prozent (Vorjahr: 3,1 Prozent).    

Kleinlein: „Falsch und irreführend"

Die Reaktion des Bundes der Versicherten (BdV), der den Konzern seit jeher mit Argusaugen beobachtet, ließ nicht lange auf sich warten. Kritik erntete nicht nur die Überschuss-Schrumpfkur als solche, sondern auch deren Kommunikation: „Die Allianz suggeriert, die deklarierte Gesamtverzinsung würde der Vergleichsmaßstab zu alternativen Sparformen sein. Dies ist falsch und irreführend", heißt es von BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Da die Gesamtverzinsung nur auf einen Teil der Beiträge gewährt werde, sei die Beitragsrendite deutlich geringer. Damit spielen die Verbraucherschützer auf den Abzug vor allem der Vermittlungs- und Verwaltungskosten sowie der Risikokosten an.

In seinem Vorwurf geht Kleinlein auch auf den jüngst verkündeten Abschied der Allianz von 100-Prozent-Garantieprodukten in der Lebensversicherung ein. So setze der Versicherer ab dem nächstem Jahr bewusst auf Negativrenditen und werde damit „prinzipiell nur noch Verlust garantieren“, so die überspitzte Darstellung. Die 100-Prozent-Garantie gerät branchenweit immer mehr ins Wanken: Nach der Allianz stellte kürzlich mit der Ergo das nächste Branchenschwergewicht die Garantie infrage.

Allianz weist Kritik von sich

Verschiedene Experten, darunter die Ratingagentur Assekurata, sind sich indes einig, dass ein Ende der 100-Prozent-Garantien für die Branche in der – durch Corona prolongierten – Niedrigzinswelt für Anbieter unausweichlich ist, um das Geschäftsfeld lukrativ zu halten. Doch auch neue Produkte, die nur noch maximal 90 Prozent der eingezahlten Beiträge garantieren, werfen dank Überschussverteilung in der Regel mehr ab als die eingezahlten Beiträge.

Bei der Allianz empfindet man das Statement des BdV derweil als „bedauerlich, weil es keinen Beitrag zum Dialog und zur offenen Diskussion leistet." Fakt sei, so ein Unternehmenssprecher: „Die Vorsorge bei Allianz Leben setzt sich immer mehr und immer deutlicher von anderen, vergleichbar sicheren Anlagen ab." In Zeiten von Null- und Negativzins müssten die Deutschen an vielen Stellen dafür zahlen, dass sie Geld sparen. In den eigenen Kundenunterlagen mache man Leistungsstärke und den Kundenwert der Angebote transparent und nenne die Wertentwicklung nach allen Kosten. „Wir setzen weiterhin auf bewährte Sicherungselemente in unserer Kapitalanlage, aber zugleich richten wir uns auf das erklärte Ziel der Vorsorgesparer aus: Sie möchten Rendite für ihr Erspartes.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare