Steile These 2021: „Provisionsdeckel in der Lebensversicherung wird beschlossen“

Berater Top News Versicherungen procontra-Redaktion von Procontra Redaktion

Im procontra-Adventskalender steckt dieses Jahr hinter jedem Türchen eine steile These fürs kommende Jahr. Wie (un)wahrscheinlich ihr Eintritt sein wird, erfahren Sie tagtäglich. Den Auftakt liefert die Debatte um den LV-Provisionsdeckel.

Steile These

Welche steile These wird sich bewahrheiten und welche war das Papier nicht wert?

Hintergrund: Die Debatte um den Provisionsdeckel in der Lebensversicherung wurde aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt. 2021 könnte sie wieder auf den Tisch kommen.

 Gerade als eine endgültige Entscheidung zum Provisionsdeckel in Aussicht stand, trat Corona in unser Leben und ließ alle anderen Themen nur noch nebensächlich erscheinen. 2021 dürfte wieder Platz sein, um auch andere – wahlkampfstärkere – Themen wieder hervorzuholen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Entscheidung zum Provisionsdeckel geben wird, ist hoch. Doch wie fällt sie aus?

„In der Restschuldversicherung gibt es einen dokumentierten Missstand bei der Provisionshöhe. Ich halte daher einen differenzierten Deckel nur für Restschuldversicherungen für wahrscheinlich.“ Prof. Matthias Beenken, FH Dortmund

Es liegen weiterhin keine belastbaren Zahlen vor, aus denen sich ein strukturelles Missverhältnis auf den Märkten für Vertriebsentgelte in der Lebensversicherung ablesen ließe. „Auch existieren weder Fehlanreize noch Provisionsexzesse, die als Grund dafür herhalten könnten, die Vertriebsentgelte zu senken, und die als Marktversagen angesehen werden könnten“, ergänzt AfW-Vorstand Norman Wirth und ist sich daher sicher: „Der Provisionsdeckel in der Form, wie er in dem vorliegenden Gesetzesentwurf geplant ist, wird in dieser Legislaturperiode nicht kommen.“

Prof. Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund sieht den Markt nicht gänzlich so frei von Exzessen: „In der Restschuldversicherung gibt es einen dokumentierten Missstand bei der Provisionshöhe. Ich halte daher einen differenzierten Deckel nur für Restschuldversicherungen für wahrscheinlich.“ In der normalen, kapitalbildenden Lebensversicherung würde der Provisionsdeckel hingegen ein empirisch nicht belegbares Problem bekämpfen. „In der vom BMF vorgeschlagenen Variante ist er zudem nicht umsetzbar. Insofern bleibt zu hoffen, dass sich der nüchterne Verstand gegen die Ideologie durchsetzt“, so Beenken.

Prognose: In dieser Legislaturperiode passiert nichts mehr. Ein differenzierter Deckel für Restschuldversicherungen scheint ein möglicher Kompromiss zu sein. Dem würde sich die Branche beugen, um die Debatte zu beenden. Der pauschale Deckel ist nicht nur zeitlich (Bundestagswahlen), sondern auch aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken 2021 unwahrscheinlich.

Provisionsdeckel in der Lebensversicherung?

Eintrittswahrscheinlichkeit: 10 Prozent