Riester-Rente: Stehen Reformgespräche unmittelbar bevor?

Detlef Pohl Berater Top News

Im Alterssicherungsbericht liest sich die Situation zur Riester-Rente wie eine Erfolgsgeschichte. Eine differenziertere Betrachtung zeigt jedoch, dass eine Reform überfällig ist. Langsam zeichnet sich auch ein Zeitplan ab. Die Verhandlungen dürften allerdings schwierig werden.

Lothar Binding

SPD-Finanzpolitiker Lothar Binding sprach sich gegen eine Reform der Riester-Rente aus. Stattdessen solle der Staat den Erwerb von privatem Wohneigentum fördern. Bild: picture alliance

„Die Alterssicherung in Deutschland ist gut aufgestellt“, sagt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit Blick auf den von ihm kürzlich vorgestellten „Alterssicherungsbericht 2020“. Dieser Regierungsbericht wird nur einmal pro Wahlperiode erstellt und beleuchtet die Leistungen aus Alterssicherungssystemen und die Gesamteinkommen der Senioren sowie die Verbreitung von bAV und privater Altersvorsorge unter den Erwerbstätigen.

Ergebnis: Im Durchschnitt sind die Haushaltsnettoeinkommen der Älteren von 2015 bis 2019 um 14 Prozent gestiegen, während die Preise für die Lebenshaltung im gleichen Zeitraum nur um 5,3 Prozent kletterten. Bezogen auf das Volumen der Alterssicherungsleistungen entfallen im Westen 68 Prozent auf die gesetzliche Rente, im Osten gar 94 Prozent. Da die gesetzliche Rente allenfalls 48 Prozent des letzten Erwerbseinkommens ausmacht, ist und bleibt Zusatzvorsorge geboten.

Jeder zweite Geringverdiener ohne Zusatzvorsorge

Insgesamt haben zwei Drittel der Beschäftigten eine zusätzliche Altersorge, entweder über eine Betriebsrente und/oder einen Riester-Vertrag, weist der Bericht aus. Allerdings hat gut die Hälfte der Geringverdiener bisher gar nicht zusätzlich für das Alter vorsorgt. In diesem Zusammenhang ist neben der bAV-Geringverdienerförderung die Riester-Rente erste Wahl, allen Reformzwängen zum Trotz.

Die Zahl der Riester-Verträge ist seit 2018 leicht rückläufig, allein 2019 gab es einen Rückgang von 70.000 Verträgen, weist der Alterssicherungsbericht aus. Etwa 20 Prozent der gut 16,4 Millionen Verträge (Stand: Juni 2020) sind beitragsfrei gestellt. Mit 10,7 Millionen Verträgen ist die private Rentenversicherung mit 65,2 Prozent nach wie vor die dominierende Vorsorgeform, gefolgt von 3,3 Millionen Fondssparplänen (20 Prozent), 1,8 Millionen Wohn-Riester-Verträgen (11 Prozent) und 599.000 Banksparplänen (3,6 Prozent).

Was die Riester-Zulagen betrifft, so liegen „erst für 2017 vollständige statistische Auswertungen vor“, heißt es im Bericht. In jenem Jahr hatten rund 11 Millionen Sparer Riester-Förderung erhalten, darunter 128.000 Personen den Sonderausgabenabzug nach Paragraf 10a EStG, also keine direkte Zulage.

Wer Riester-Verträge besitzt und Zulagen kassiert

Da die Riester-Rente erst 2002 eingeführt wurde, überrascht es nicht, dass sie unter den Älteren (Geburtsjahrgänge bis 1960) weniger stark verbreitet ist. Am häufigsten finden sich Riester-Verträge in den mittleren Altersgruppen (Jahrgänge 1961 bis 1970). Bei den Jüngeren (ab Jahrgang 1976) ist eine zunehmende Personenzahl mit Riester-Verträgen zu beobachten, heißt es im Bericht. Dies dürfte Vorsorgeberatern Mut bei der Akquisition machen.

Zulagen werden überwiegend von Menschen mit geringem Einkommen in Anspruch genommen. Rund 69 Prozent der unmittelbar Förderberechtigten hat weniger als 40.000 Jahreseinkommen, etwa 33 Prozent sogar weniger als 20.000 Euro. Das Gesamtbeitragsvolumen (Eigenbeiträge plus Zulagen) der geförderten Riester-Verträge betrug 2017 etwa 11,6 Milliarden Euro. Dies entspricht im Schnitt 1.062 Euro Jahresbeitrag pro Person.

Für 2017 wurden 2,715 Milliarden Euro Riester-Zulagen ausgezahlt, davon 1.296 Milliarden Euro als Grundzulagen, 19 Millionen Euro als Erhöhungsbetrag (Berufseinsteiger-Bonus) zur Grundzulage und 1,401 Milliarden Euro Kinderzulagen. Hinzu kamen 1,188 Milliarden Euro Steuervorteile über die Zulage hinaus. Demnach betrug die gesamte staatliche Förderung 2017 rund 3,9 Milliarden Euro. Im Schnitt gab es rund 356 Euro Riester-Förderung pro Sparer, was 38 Prozent Förderquote entspricht.

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