Maklerwechsel: Muss der Versicherer dem Altmakler helfen?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Beispiel: Zeigt der Neumakler den Maklerwechsel bei einem einjährigen Versicherungsvertrag dem Versicherer erst nach dem 30. September an, also nach Ablauf der dreimonatigen Kündigungsfrist der Police, so behält der Altmakler den Courtageanspruch auch ab der Fälligkeit 1. Januar für den gesamten Beitrag des Folgejahres. Grund: Der Neumakler hätte mit seiner Vollmacht die Police nicht mehr zum 1. Januar kündigen können. Bei Mehrjahresverträgen wird die Restcourtage des Altmaklers ab dem nächsten Versicherungsjahr bis zum regulären Kündigungstermin der Police überwiegend aufgeteilt, aus Vereinfachungsgründen zumeist je zur Hälfte.

Courtage teilt das Schicksal des Beitrags

Sofern nichts anderslautendes in der Courtagevereinbarung geregelt ist, wird auf den Schicksalsteilungsgrundsatz Bezug genommen. Mit der Zahlung des Beitrags durch den Kunden ist die Courtage verdient. Der Grundsatz gilt im Guten wie im Bösen: Zahlt der Kunde den Beitrag nicht, so fällt der Courtageanspruch weg. Folglich ist vorschüssig empfangene Courtage zurückzuzahlen. Dasselbe gilt, wenn der Versicherungsvertrag nichtig ist oder rückwirkend aufgehoben wird.

Der Courtageanspruch für den Altmakler bleibt nur bestehen, wenn Kunde und Versicherer arglistig zusammengewirkt und gegen Treu und Glauben verhindert haben, dass Beitrag gezahlt werden muss. In diesem Fall können beide den Courtageanspruch des Versicherungsmaklers aufgrund des Aufhebungsvertrags nicht vereiteln. Die Beweislast liegt allerdings beim Makler.

Erfahrungen aus einer früheren Umfrage

Bei einer Maklerumfrage des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) vor einigen Jahren hatten 60 Prozent der Teilnehmer angegeben, Probleme bei der Nachvollziehbarkeit des Maklerwechsels zu haben. Dennoch beschwerten sich nur knapp zwei Drittel der Betroffenen beim Versicherer. Andere haben vor allem Kontakt zum Kunden gesucht, da das Mandat des Kunden noch nicht schriftlich widerrufen worden war.

Insgesamt hatten die befragten Makler schon mit rund 80 Gesellschaften Ärger, wenn sie für einen neu gewonnen Kunden Bestandspflegevergütung geltend gemacht haben. Wichtig für den Altmakler: Er sollte sich beim Versicherer erkundigen, ob der Neumakler im Maklervertrag auch die Haftung für bestehende Verträge übernimmt. Falls nicht, sollte der Altmakler den bestehenden Maklerauftrag mit seinem Mandanten sofort kündigen. Bis dahin bleibt er nämlich objektiv in der Haftung und der Versicherer in der Zahlungspflicht. „Es lohnt in jedem Einzelfall das Gespräch mit dem Versicherer, um strittige Fragen zu klären“, so IVFP-Chef Michael Hauer.

Seite 1: Warum Makler anders als Vertreter behandelt werden
Seite 2: Wie die Courtage bei Vermittlerwechsel geregelt ist

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