Maklerwechsel: Muss der Versicherer dem Altmakler helfen?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Droht ein Handelsvertreter einen Kunden zu verlieren, muss sein Versicherer ihm eine Stornogefahrmitteilung schicken, damit er im Kundengespräch den Wechsel noch verhindern kann. Doch wie sieht das beim Wechsel unter Maklern aus?

Maklerwechsel; Bild: Pixabay/Gerd Altmann

Neue Willenserklärungen des Kunden zu seinem Betreuer in entscheiden auch darüber, wer ab wann die Courtage erhält. Bild: Pixabay/Gerd Altmann

Maklervollmachten gelten unbefristet, solange der Kunde an der Betreuung festhält. Dennoch glauben offenbar mehrere Versicherer an ein Verfallsdatum von Maklervollmachten. Das ist rechtlich nicht haltbar, da Paragraf 170 BGB klar sagt: Wird die Vollmacht durch Erklärung gegenüber einem Dritten erteilt, so bleibt sie diesem gegenüber in Kraft, bis ihm das Erlöschen von dem Vollmachtgeber angezeigt wird. Einzig der Kunde kann also die Vollmacht zurückziehen.

Doch wie ist die Lage, wenn der Kunde eines Maklers einen neuen Makler mit der Betreuung beauftragt? Einen Handelsvertreter müsste der Versicherer bei einem drohenden Vermittlerwechsel informieren und ihm Gegenmaßnahmen ermöglichen, um wechselwillige Kunden zu halten. Unterbleibt eine Stornogefahrmitteilung, hat der Vertreter weiterhin Anspruch auf Provision oder Schadenersatz (BGH-Urteil vom 28. Juni 2012; Az.: VII ZR 130/11).

In der Regel keine Information vom Versicherer

Anders bei einem Makler: Er hat keinen weiteren Anspruch auf Courtage oder Schadenersatz, wenn der Versicherer ihn nicht vom neuen Kundenwunsch informiert. Begründung: Der Makler steht nicht im Lager des Versicherers. Daher ist der Versicherer nicht verpflichtet, dem Altmakler Gegenmaßnahmen zu ermöglichen, um den Kunden bei einem von ihm selbst gewünschten Maklerwechsel zu halten.

Wie der WVM Wirtschaftsdienst Versicherungsmakler weiter berichtet, ist der Makler als Sachwalter des Kunden nicht ebenso schutzwürdig wie ein Versicherungsvertreter. Schutzwürdig sind jedoch Untervertreter des Maklers, sofern er mit solchen Vermittlern zusammenarbeitet.

Zweite Ausnahme: Im Einzelfall ist der Makler unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben (Paragraf 242 BGB) in gleicher Weise schutzbedürftig wie ein Vertreter ist (BGH-Urteil vom 1. Dezember 2010; Az.: VIII ZR 310/09). Dafür sprächen laut BGH vor allem laufend gezahlte Courtagevorschüsse, die Einbindung in die Organisationsstruktur des Versicherers und die Zahlung eines Organisationszuschusses sowie eines Bestandspflegegelds.

Maklerusancen bei Sachversicherungen beachten

Bei einjährigen Versicherungsverträgen in der Sachversicherung sind zudem die sogenannten Maklerusancen zu beachten. Das bedeutet: Die Vorlage einer neuen Vollmacht beim Versicherer wirkt wie eine Änderungskündigung zum nächstmöglichen Zeitpunkt, sprich zum Ablauf des Versicherungsvertrages. Die Usancen regeln, wie mit dem Courtageanspruch bei Fortbestehen des Versicherungsvertrages verfahren werden soll.

Seite 1: Warum Makler anders als Vertreter behandelt werden
Seite 2: Wie die Courtage bei Vermittlerwechsel geregelt ist

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