Maklerpool-Studie: Trotz Krise auf Erfolgskurs

Anne Hünninghaus Berater Top News

2019 verbuchten die großen Maklerpools üppige Gewinne. Doch auch im Corona-Jahr gibt sich die Mehrheit optimistisch. Eine aktuelle Studie gibt Einblick in Umsatzzahlen, Strategien und Krisenmanagement von Pools, Plattformen und Verbünden.

Pool-Radar; Bild: Adobe Stock/spf

2019 erzielten viele Pools Rekordgewinne. Bild: Adobe Stock/spf

„Wir rechnen auch in diesem Jahr noch mit einem zweistelligen Wachstum für uns und sind daher froh gestimmt", gab sich Fonds-Finanz-Chef Norbert Porazik kürzlich im procontra-Interview tiefenentspannt, der Krise zum Trotz. Doch nicht nur der Marktführer zeigt sich in der Krise optimistisch. Laut der aktuellen Maklerpool-Studie von Brunotte Konzept sieht sich die Mehrheit der Maklerpools, Verbünde, Plattformen und Maklerdienstleister für die aktuellen Herausforderungen gut gewappnet, nicht ein einziges der 29 befragten Unternehmen prognostiziert einen Umsatzrückgang.

Statt sich in der Not zu sehen, am eigenen Geschäftsmodell zu schrauben, steht nun offenbar die Unterstützung der Vertriebspartner im Fokus. Zudem setzen 22 Prozent der Pools laut der Studie auf verstärkte Investitionen in Digitalisierungsprojekte und bieten ihren Maklern teils neben Weiterbildungmöglichkeiten an, Courtagerückforderungen bei Bedarf zu stunden. Sogar Liquiditätshilfen kommen für zwölf Unternehmen in Betracht.

Umsätze und Gewinne: 2019 war für viele ein Rekordjahr

2019 verlief finanziell gesehen für die meisten der Maklerpools, Verbünde, Plattformen und Maklerdienstleister äußerst rosig. Brunottes Auswertung ergibt, dass viele der befragten Unternehmen im vergangenen Jahr nicht nur den Umsatz steigern konnten, sondern zudem satte Gewinne erwirtschafteten. In Summe wuchs dieser laut Studie um 62 Prozent auf 32,4 Millionen Euro. Die drei Top-Unternehmen 2019 waren Fonds Finanz (178 Mio. Euro Umsatz), gefolgt von Netfonds (114 Mio. Euro) und Jung, DMS & Cie. (111 Mio. Euro). Im Vergleich zu 2018 tauschten der Zweit- und Drittplatzierte damit die Ränge.

Die Studienautoren Sabine Brunotte und Michael Franke haben sich für den Pool-Radar ebenfalls angeschaut, wie sich die Erlöse zusammensetzen. Courtage ist demnach zwar fast immer die wichtigste, aber nicht die einzige Erlösquelle, hinzu kommen Vergütungen von Produktgebern, Lizenzgebühren für Software und Backoffice-Dienstleistungen. Auch für die procontra-Poolserie wurden Zahlen zu den Erlösen erhoben. Solche durch Serviceentgelte sind in den vergangenen Jahren bei vielen Pools deutlich gewachsen: Waren es bei Fonds Finanz 2017 noch rund 620.000 Euro, so betrug der Erlös 2019 schon knapp 1,3 Millionen Euro. Bei Jung, CMS & Cie. stieg der Betrag im selben Zeitraum von 1,2 auf gut 1,5 Mio. Euro.

Mit dem Neugeschäft wird laut Studie allerdings nur jeder dritte Euro Courtage verdient. Sabine Brunotte sieht darin eine Folge der veränderten Produktschwerpunkte. „In den letzten Jahren konnten wir eine deutliche Verlagerung weg von Lebens- und Krankenversicherungen hin zum Kompositgeschäft beobachten. Hier wirken sich Einschnitte bei der Vergütung aus, aber auch die geringere Attraktivität kapitalgedeckter Altersvorsorge." Das lasse den Schluss zu, dass breiter aufgestellte Pools (inklusive Investment) strategisch im Vorteil sind. Je differenzierter ihr Geschäftsfeld ist, desto robuster sind Pools für Krisen aufgestellt, konstatierte Qualitypool-Chef Jörg Haffner im Interview mit procontra. Daher gibt es bei einigen Anbietern Bewegung: Der Lübecker Pool Blau Direkt hat in diesem Jahr bekannt gegeben, ebenfalls ein Fondsgeschäft aufzubauen. Dazu kooperiert er mit dem Maklerpool Fondsnet, wie im November publik wurde.

Die größten Arbeitgeber der Pools

Nur vier der von Brunotte Konzept untersuchten Unternehmen fokussieren sich noch ausschließlich auf Versicherungsmakler. Die anderen kooperieren mit mindestens einer weiteren Vermittlergruppe, häufig Finanzmaklern und Vertrieben.

Während die Zahl der angeschlossenen Vertriebspartner bei vielen Pools zuletzt gewachsen ist, bleibt die Zahl der Mitarbeiter bei den meisten konstant. Wie in den Vorjahren ist Fonds Finanz mit 380 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern größter Arbeitgeber unter den Pools, gefolgt von Jung, DMS & Cie. (277). Die Netfonds Gruppe konnte ihre Belegschaft innerhalb eines Jahres von 185 auf nunmehr 250 Beschäftigte ausbauen. Die Betreuungsquote unterscheidet sich teils massiv: Während bei manchen Pools das Verhältnis von Mitarbeitern zu Vertriebspartnern 1:95 beträgt (Qualitypool), kommt bei anderen ein Beschäftigter auf sieben Partner (Germanbroker.net).

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