Krankentagegeld erschlichen: Medizinstudent muss 1,1 Millionen Euro zurückzahlen

Anne Hünninghaus Panorama Berater Recht & Haftung

Ein Manager hatte immer wieder Jobs gewechselt und sich dann aufgrund vermeintlicher Traumata krankschreiben lassen. Parallel absolvierte er jedoch erfolgreich ein Studium. Seine Versicherung siegte nun vor dem Landgericht Hildesheim.

Urteil zu Versicherungsbetrug; Bild: Adobe Stock/Stockfotos-MG

Ein Medizinstudent hat in Niedersachsen Krankentagegeld in Höhe von knapp 900.000 Euro ergaunert. Bild: Adobe Stock/Stockfotos-MG

Ein 45-jähriger Mann aus Lehrte hatte zwischen 2008 und 2017 mehrfach seinen Job gewechselt. Während der Anstellung, laut übereinstimmenden Medienberichten in verschiedenen hochdotierten Management-Positionen, ließ er sich immer wieder arbeitsunfähig schreiben. Als Grund dafür gab er laut eines Berichts der Bild-Zeitung psychische Probleme nach verschiedenen Überfällen oder Verkehrsunfällen an. Über den genannten Zeitraum von neun Jahren kam so der stolze Gesamtbetrag von 898.700 Euro Krankentagegeld seiner Versicherung zusammen. Nebenher studierte der vermeintlich Arbeitsunfähige allerdings Medizin und brachte das Studium erfolgreich zum Abschluss.

Das ließ seine Versicherung offenbar hellhörig werden: Sie klagte auf eine Rückerstattung der ausgezahlten Leistungen.

So urteilte das LG Hildesheim

Der Argumentation des Verteidigers, das Medizinstudium habe eine therapeutische Wirkung gehabt und dem Angeklagten darin unterstützt, Traumata zu verarbeiten, folgte das Landgericht Hildesheim nicht. Laut Medienberichten entschied nun die Zivilkammer, dass der erfolgreiche Studienabschluss eine vollständige Arbeitsunfähigkeit widerlege. Der Mann habe seine Versicherung also bewusst getäuscht. Da er zudem weder vor Gericht noch bei einem Amtsarzt erschienen sei, habe sich die Kammer auch nicht vom Gegenteil überzeugen können, wird ein Gerichtssprecher zitiert.

Neben dem Betrag von knapp 900.000 Euro muss der so Verurteilte auch für die Zinsen in Höhe von fast 200.000 Euro aufkommen. Zudem erwartet ihn ein Strafprozess wegen Betrugs. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig

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