Kleinlein versus Schneidemann: Ein Streitgespräch in fünf Akten

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen Top News

3. Thema Run-off: Kann der Policenabverkauf ein sinnvolles Instrument sein?

Kleinlein: „Im Prinzip schon – aber nur bei einem fairen Umgang. Ich beobachte, dass die Kundeninteressen oft nicht mehr im Fokus stehen, wenn Bestände verkauft werden. Daher sollte ihnen ein Sonder-Kündigungsrecht eingeräumt werden.“

Schneidemann: „Wir müssen klar zwischen internem und externem Run-off differenzieren. Ich gebe Herrn Kleinlein darin recht, dass es im Falle eines externen Run-offs besonders darauf ankommt, transparent mit Risiken umzugehen, um zu vermeiden, dass Bestände ausgepresst werden.“

Eine Gefahr sieht Schneidemann darin, dass die zunehmende Konkurrenz zwischen den Run-off-Anbietern die Preise für Bestände immer weiter nach oben schraubt. Von procontra gefragt, wie seine kritische Sicht auf die Abwickler mit der Tatsache vereinbar ist, dass der Anbieter Athora der Lebensversicherer ist, der für 2021 die höchste Überschussbeteiligung anbietet, wich Kleinlein aber eher aus. Man müsse genau in die Zahlen schauen, bei den Run-Off-Gesellschaften trenne sich nun die Spreu vom Weizen. Ein generelles Problem sieht er in diesem Geschäft in einer schlechteren Servicequalität. „So schön das gerade bei Athora auch aussieht – ich glaube nicht, dass die Strategie nachhaltig aufgeht.“

4. Vermittlervergütung: Braucht es den Deckel?

Kleinlein: „Die Vermittler-Provisionen sind in den vergangenen Jahren zu stark gestiegen, das ist nicht zu rechtfertigen. Leider schafft es die Versicherungswirtschaft aber nicht, eine angemessene Regelung zu treffen und sich selbst zu disziplinieren. Daher wird sich die nächste Bundesregierung mit dem Provisionsdeckel in der Lebensversicherung befassen müssen.“

Schneidemann: „Provisionsexzesse sind nicht die Regel, sondern durch wenige schwarze Schafe verursachte Ausnahmen. Zuletzt sind die Anforderungen ab Beratung höher geworden, das auszugleichen ist nur legitim und sozial.“

Bei diesem Thema geriet Kleinlein am Ende der Diskussion dann doch noch ein wenig in Rage: Es sei eben nicht sozial, weil Vermittler besonders hohe Provisionen für besonders kundenunfreundliche Verträge einstrichen, monierte er: „Das Problem sind aber nicht die Vermittler, sondern die schlechten Produkte der Versicherer“, schimpfte er.

5. Wie sehen die Zukunftsvisionen zur Altersvorsorge aus?

Um einen Blick in die Kristallkugel bat Surminski ganz am Schluss: „Wo stehen wir in fünf Jahren beim Thema Altersvorsorge?“

Kleinlein: „2021 wird ein Schicksalsjahr für die Altersvorsorge, im Verlauf der Krise und der Niedrigzinspolitik muss die Lebensversicherungsbranche beweisen, dass sie resilient ist. Und dann gibt es noch die Bundestagswahl. Es wird extrem spannend zu sehen, wie sich die gesetzliche Rentenversicherung je nach Konstellation und Unionsvorsitz entwickeln wird.“

Schneidemann hielt es derweil knapper und optimistischer: „Ich bin mir sicher, dass wir in fünf Jahren sehen werden, dass die Lebensversicherung gut durch die Krisenzeit gekommen ist.“ Und mit diesem frommen Wunsch endete das adventliche Streitgespräch.

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