Joonko-Aus: „Das Feld wird damit in Deutschland weiter Check24 überlassen“

Martin Thaler Digital Top News Versicherungen

Mit Getsurance und Joonko machten zuletzt zwei bekannte Insurtech-Unternehmen die Schotten dicht. Über die Gründe, die Corona-Auswirkungen auf die Branche und sich neu ergebene Chancen sprach procontra mit Finleap-Geschäftsführer Ramin Niroumand.

Ramin Niroumand Bild: Boris Breuer

Sprach mit procontra über die Corona-Auswirkungen auf die deutsche Insurtech-Szene: Finleap-Geschäftsführer Ramin Niroumand. Bild: Boris Breuer

procontra: Mit Joonko hatten Sie ein vielversprechendes Projekt gestartet, mit dem die Versicherer die steigende Marktmacht von Check24 hätten brechen können. Trotzdem fehlte es an Investoren – wie erklären Sie sich das?  

Ramin Niroumand: Es war ein sehr ambitioniertes Ziel, das wir uns gesetzt hatten, aber manchmal gehen große Wetten einfach nicht auf. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg ist das richtige Timing – hier hat uns die Corona-Krise nicht in die Karten gespielt. Zum einen hat sie die Risikobereitschaft von Investoren gegenüber jungen Unternehmen beeinträchtigt. Darüber hinaus ist durch die Pandemie auch der Absatz von Autos und damit von Autoversicherungen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Meiner Meinung nach wäre der Markt letztlich gekommen, doch die Investorenbereitschaft – auch unter den Versicherern – war nicht gegeben. Das Feld der Aggregatoren wird in Deutschland damit weiter Check24 überlassen.  

procontra: Laut Umfragen sieht sich jedes zweite Start-up in Deutschland aufgrund von Corona in seiner Existenz bedroht. Kommt nach dem Gründerboom jetzt der Gründerkrach?  

Niroumand: Unabhängig von Corona fühlen sich neun von zehn Start-ups permanent in ihrer Existenz bedroht, da in der Regel nur eines von zehn Unternehmen den Durchbruch schafft. Allerdings wirkt sich Corona natürlich auf die Start-ups aus, positiv wie negativ.  

procontra: Beginnen wir mit der schlechten Nachricht.  

Niroumand: Wir stellen fest, dass die Bereitschaft gesunken ist, junge und mutige Ideen entsprechend zu fördern – das haben wir ja mit Joonko am eigenen Leib zu spüren bekommen. Gleichzeitig hat Corona zu einem echten Digitalisierungsschwung geführt und lange gepflegte Gewohnheiten, wie beispielsweise die Vorliebe der Deutschen für das Bargeld überwunden. Den vielen Start-ups, die im B-to-B-Bereich tätig sind und Unternehmen bei der Prozessverbesserung und Digitalisierung unterstützen, verleiht Corona zusätzlichen Schwung. Für Finleap sehe ich aufgrund unseres B-to-B-Fokus mehr Vor- als Nachteile – so konnten wir während der Hochphase der Corona-Krise vier Finanzierungsrunden – für Element, die Solaris- Bank, Penta und Pair Finance  – erfolgreich abschließen, was auch die Resilienz unseres Geschäftsmodells beweist.  

procontra: Wie testen Sie bei Finleap, welche Geschäftsidee tatsächlich Potential besitzt?  

Niroumand: Es gibt Ideen, an die muss man in erster Linie glauben. Baut man eine digitale Versicherung wie Element auf, kann man diese nicht einfach mal am Markt testen. Dafür braucht es vielmehr ein Gespür für den Markt und das komplexe Zusammenspiel von Unternehmertum, Regulatorik und Technologie. Für B-to-C-Modelle, die Finanzdienstleistungen im bewussten Kontext anbieten, versuchen wir über Zielgruppenansprachen auf den verschiedenen Vertriebskanälen, momentan insbesondere Social-Media-Plattformen wie TikTok und Instagram, herauszufinden, welche Finanzprodukte für die sogenannte Generation Z passen.  

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