IT-Prozesse: Versicherer und Makler mit langer Leitung

Detlef Pohl Digital Berater Versicherungen Top News

Eine neue Studie verweist auf Mängel beim elektronischen Datenaustausch der Versicherer mit Maklern. Zugleich zeichnete eine Expertenjury die Gesellschaften aus, die Makler technisch am besten unterstützen. Welche Versicherer mit ihren Angeboten überzeugen.

30 Prozent der Makler wissen nicht, welche Funktionalitäten das von ihnen eingesetzte MVP-System grundsätzlich bereitstellt, kritisiert dvb-Geschäftsführer Friedel Rohde. Quelle: dvb

30 Prozent der Makler wissen nicht, welche Funktionalitäten das von ihnen eingesetzte MVP-System grundsätzlich bereitstellt, kritisiert dvb-Geschäftsführer Friedel Rohde. Quelle: dvb

Dank der Digitalisierung gewinnen Makler Zeit für Beratung, um bei wachsender Regulierung betriebswirtschaftlich bestehen zu können. Der Druck auf Versicherer und Makler wächst, Daten auf digitalem Weg effizienter auszutauschen. Das Branchen-Informationsportal deutsche-versicherungsboerse.de (dvb) hat auf seinem Makler-Audit 2020 „IT-Prozesse im Maklerunternehmen: Vertrieb, Administration, Technik“ die technische Anbindung der Versicherer erneut bewertet.

Ergebnis: Die Unterstützung der Versicherer hakt immer noch gewaltig. Es gibt zahlreiche Hemmschuhe und Leerstellen auf dem Weg zum digitalen Maklerbüro. Je nach Umfrage bei den Versicherern, Maklern und Herstellern von Maklerverwaltungsprogrammen (MVP) fielen die Antworten naturgemäß unterschiedlich aus.

Diese Versicherer bieten den besten Technik-Support

Aus den Umfragen geht hervor: Die beste technische Unterstützung für Makler bietet erneut der Volkswohl Bund, der sich den ersten Platz in diesem Jahr mit der Haftpflichtkasse teilt. Danach folgen in der Silber-Kategorie Gothaer, Stuttgarter und Nürnberger sowie in der Bronze-Kategorie Barmenia, WWK, Allianz, Rhion und Janitos. Der Untersuchung hatten sich 28 Gesellschaften gestellt (2019 waren es 22).

„Uns interessiert besonders das Endergebnis der digitalen Maklerprozesse, nämlich die Umsetzung digitaler Services der Versicherer in Automatisierungsprozesse“, fasst dvb-Geschäftsführer Friedel Rohde den Schwerpunkt in der Untersuchung zusammen. Viele Arbeitsschritte im Maklerbüro könnten bereits automatisiert werden, doch ein Durchbruch in Richtung 100 Prozent sei noch in weiter Ferne. Daran trügen die Makler zu einem Gutteil eine Mitschuld.

Makler beherrschen ihr MVP oft nicht

Das erklärt er am Beispiel MVP, also der Keimzelle der Digitalisierung im Maklerbüro: 40 Prozent der Makler arbeiteten länger als fünf Jahre mit dem derzeit eingesetzten System, 16 Prozent davon beschäftigen sich allerdings mit einem Wechsel. „Fehlende Funktionen, hohe Kosten und mangelndes Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Systems sind derzeit die Unsicherheitsfaktoren“, resümiert Rohde. Da die Marktkonzentration von Jahr zu Jahr mehr Fahrt aufnehme, bleibt die Wechselproblematik aktuell.

Die MVP-Bewertung durch die befragten Makler weist auf erhebliche Unterschiede im Automatisierungsgrad des eigenen Maklerbüros hin. „Wir sind regelrecht erschüttert“, sagt dvb-Beirat Henning Plagemann, der hauptberuflich als Berater für Vertriebsprozesse aktiv ist. „30 Prozent der Makler wissen nicht, welche Funktionalitäten das von ihnen eingesetzte MVP grundsätzlich bereitstellt“, ergänzt Rohde. Ein Drittel der Makler habe sich also nicht mit der Automatisierung von Prozessen im eigenen Maklerbüro beschäftigt. „Denn wo, wenn nicht im eigenen MVP-System, liegt der Ansatzhebel für automatisierte Verwaltungsprozesse?“

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