In diesen Branchen steigen die Gehälter am stärksten

Martin Thaler Berater Versicherungen

Applaus: ja. Mehr Geld im Portemonnaie: nein. Die als „Corona-Helden“ geltenden Beschäftigten werden von den Gehaltszuwächsen der nahen Zukunft nur wenig profitieren. In anderen Branchen ist die Entwicklung weitaus freundlicher.

In der Versicherungsbranche werden die höchsten Durchschnittsgehälter gezahlt. Bild: Adobe Stock/ Drobot Dean

In welchen Branchen die Einkommenszuwächse besonders groß ausfallen, zeigt eine neue Studie. Bild: Adobe Stock/ Drobot Dean

Beschäftigte aus Finanz- und Versicherungsbranche dürfen sich in naher Zukunft über steigende Einkommen freuen. Von 2017 bis 2025 werden sich die Bruttoverdienste im Schnitt um 10,8 Prozent erhöhen – das hat eine Prognos-Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergeben.  

Laut Studie wird sich der jährliche Bruttoverdienst bis 2025 im Durchschnitt von 48.700 Euro im Jahr 2017 auf 54.000 Euro erhöhen. Das entspricht einem Zuwachs von insgesamt 10,8 Prozent bzw. 1,3 Prozent pro Jahr. Damit liegt die Finanz- und Versicherungsbranche weit über dem Durchschnittseinkommen aller Branchen, das 2025 laut Studie bei 33.800 Euro liegen wird.  

Überdurchschnittlich gut verdienen zudem Maschinenbauer (51.300 Euro im Jahr 2025; +10,9 Prozent), Beschäftigte im Fahrzeugbau (50.200 Euro; +13,3 Prozent) sowie in der Chemie- bzw. Pharmaziebranche (49.000; +13,8 Prozent). Wesentlich schlechter ist es hingegen um die sogenannten „Corona-Helden“ bestellt, denen die Deutschen im Frühjahr von ihren Balkonen aus Applaus spendeten. So kommen Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen, also beispielsweise Krankenschwestern und Pflegekräfte, im Jahr 2025 auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 29.400 Euro – 4.400 Euro weniger als der durchschnittliche Beschäftigte. Supermarktkassierer blicken gehaltstechnisch noch tiefer in die Röhre: Zwar soll ihr durchschnittliches Jahresbruttoeinkommen bis zum Jahr 2025 um 2.200 Euro steigen, mit jährlich 23.600 Euro liegt ihr Einkommen jedoch um 10.200 Euro niedriger als das Durchschnittliche. 

 

BrancheDurchschn. Bruttoeinkommen 2017 in EuroDurchschhn. Bruttoeinkommen 2020 in Euro
Finanz-/ Versicherungsdienstleistungen48.70054.000
Maschinenbau46.10051.300
Kraftwagen, sonstiger Fahrzeugbau44.30050.200
Chemie/ Pharmazie43.00049.000
Elektroindustrie 42.70048.100
Information, Kommunikation und Grundstücks-/Wohnungswesen40.70045.700
Energie, Wasser, Abfall40.00044.300
Öffentl. Verwaltung/ Sozialversicherung38.80042.800
Metallerzeugung, Metallerzeugnisse35.00038.600

Unteren Einkommensschichten drohen Verluste

Berücksichtigt man dann noch die Inflation, drohen den unteren Einkommensgruppen sogar Einkommensverluste. „Die geringe Inflation frisst die noch geringeren Lohnzuwächse auf“, mahnt Torben Stühmeier, Studienleiter bei der Bertelsmann Stiftung. Bis 2025 werde das verfügbare reale Einkommen der unteren Einkommensgruppen um etwa zwei Prozent zurückgehen, so die Prognose.  

Gründe für die unterschiedlichen Lohnentwicklungen gibt es viele. So sind im Maschinenbau beispielsweise wesentlich mehr Beschäftigte in Gewerkschaften organisiert als beispielsweise im Einzelhandel. Zudem könnten Beschäftigte mit Spezialwissen ihre Arbeitskraft wesentlich besser monetarisieren als Beschäftigte ohne speziellen Kenntnisse. Ein weiterer Faktor ist aus Sicht der Bertelsmann Stiftung zudem die Produktivität. So werde im Einzelhandel und Gesundheitswesen die Produktivität nur halb so stark steigen wie im verarbeitenden Gewerbe, der Elektro- oder Chemieindustrie. Entsprechend geringer falle somit auch der Spielraum für Lohnsteigerungen aus.

Eine Aussage trifft die Bertelsmann-Studie auch über die durchschnittliche Arbeitsbelastung in den jeweiligen Branchen. Mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 38 Stunden liegen die Beschäftigten der Finanz- und Versicherungsbranche zwar über dem branchenweiten Durchschnitt (36,5 Stunden), jedoch weit hinter Branchen wie dem Maschinenbau (42,3 Stunden), dem verarbeitenden Gewerbe (41,3) sowie der Land- und Forstwirtschaft (41,1).  

BrancheArbeitszeit je Erwerbstätigen in Std. 2017Arbeitszeit je Erwerbstätigen in Std. 2025
Maschinenbau42,343
Sonstiges verarbeitendes Gewerbe41,342,1
Land-/ Forstwirtschaft, Bergbau41,141,6
Kraftwagen, sonstiger Fahrzeugbau40,641,2
Baugewerbe40,541,3
Energie, Wasser, Abfall39,940,6
Öffentl. Verwaltung, Sozialversicherung39,840,4
Elektroindustrie 39,740,4
Metallerzeugung, Metallerzeugnisse39,640,3

Bis 2025 wird die durchschnittliche Arbeitszeit für Versicherungsangestellte um 0,6 Stunden pro Woche laut Studie anwachsen. Auch über alle Branchen verteilt prognostizieren die Studienautoren einen Anstieg der Wochenarbeitszeiten um 0,6 Stunden.