Immobilien-Anlagen im Ausnahmejahr: Gibt es sichere Rendite-Häfen?

Wolfgang Zehrt Sachwerte

Lüneburg, Fürth und Pforzheim sind keine Weltstädte. Aber für viele Immobilieninvestoren der Nabel der Welt, denn die Renditen liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Abseits von Hamburg aber noch nahe genug für hohe Immobiiien-Renditen: Lüneburg Bild: Pixabay/Peter Kraayvanger

Der Immobilienspezialist Dr. Lübke & Kelber hat untersucht, in welchen von 111 deutschen Städten das Investieren in Wohnraum am sinnvollsten ist. Hilfreich ist die Analyse auch für Eigennutzer, denn manchmal ist es schon wenige Kilometer von einer Großstadt entfernt deutlich preiswerter. Ein Beispiel: Wer die Mager-Renditen auf dem überhitzten Hamburger Immobilienmarkt scheut, der findet in Lüneburg einen Top-Anlage-Ort. In 60 Minuten ist man mit der Regionalbahn vom Hamburger Hauptbahnhof im pittoresken Lüneburg. Vom Fürther Bahnhof nach Nürnberg sind es sogar nur 16 Minuten, die Rendite in Fürth fällt deutlich anlegerfreundlicher aus als in Nürnberg. Unter den renditestärksten Top-10 ist auch Aschaffenburg, gerade 40 Minuten von der Finanzmetropole Frankfurt entfernt.

Corona: Trend zu Immobilien „vor den Toren der Stadt“

Für Anleger attraktiv entwickeln sich die mittleren Städte im Dunstkreis der Großstädte – die Corona-Pandemie hat einen starken Einfluss auf diese Entwicklung: Die neue Normalität Homeoffice macht es möglich, dass vor allem junge Familien in kleinere Städte der Umgebung ziehen. Höher qualifizierte Fachkräfte rechnen nicht damit, dass ihre Arbeitgeber nach dem Ende von Corona wieder auf eine Dauerpräsenz im Großraumbüro bestehen werden und kaufen beziehungsweise investieren außerhalb der Arbeitsorte, gute Verkehrsanbindungen vorausgesetzt. Aber, so mahnt Marco Hoffmann vom Immobilien-Datenspezialisten GeoMap: „Wir sind ja noch mittendrin in einer Ausnahmezeit. Zahlen auf Stadt oder Stadtteilebene haben aktuell keine große Aussagekraft für die Zukunft. Auch ob sich das Homeoffice in der Größe einer Wohnung oder eines Hauses zukünftig widerspiegelt, müssen wir erst einmal sehen. Auch ob die Leute nicht dann doch wieder gern ins Büro kommen, wenn die Pandemie beherrschbar ist“.

Ausnahmen bestätigen die wegen Corona wackeligen Regeln

Eine Ausnahme von der obigen Ausweich-Regel: Bei Neubauprojekten im gehobenen Segment können auch in Hamburg, Frankfurt und München oft noch Renditen bis knapp unter vier Prozent erzielt werden. Selbst in Berlin lässt sich so noch eine Eigenkapitalrendite von 3,63 Prozent erreichen. In den kleineren Städten und in guten Lagen schneiden bei Bestandsimmobilien etwa Pforzheim, Kaiserslautern und Lüneburg am besten ab. Geht es um die Risiko-Rendite-Verhältnisse sind vor allem Bamberg, Flensburg und Kaiserslautern ganz weit vorne. Eine maximale Rendite ist darunter aber nicht zu verstehen, hier weist die Studie lediglich die Standorte aus, an denen das Verhältnis von Risiko und Rendite am ausgeglichensten ist.

Attraktive Städte in der Provinz schlagen Hotspots

Für Städte wie München, Frankfurt oder Stuttgart besteht auf der einen Seite kaum ein Risiko für ein Immobilieninvestment. Ein wirtschaftlicher Niedergang dieser Metropolen ist kaum vorstellbar, allerdings sind die erzielbaren Renditen bei Bestandsimmobilien sehr niedrig. Bamberg und Flensburg dagegen können laut der Untersuchung durchaus ein gutes Pflaster für renditeträchtige Investitionen sein, sei es als Anlage oder zur Eigennutzung. Weit abgeschlagen sind bei den Gewinnerwartungen beispielsweise Köln, Wiesbaden oder Düsseldorf – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Auf dem letzten Platz sowohl bei der Rendite als auch beim Rendite-Risiko-Ranking ist Berlin, vor allem aufgrund der unklaren Situation mit dem juristisch umstrittenen Mietendeckel.

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