Hohe Riester-Kostenquoten: Finanzwende greift Versicherer an

Martin Thaler Versicherungen Top News

Zu teuer und ineffizient: Die Bürgerbewegung Finanzwende kritisiert die hohen Kostenquoten der Riester-Anbieter. Bei jedem dritten Angebot liege diese über 30 Prozent. Statt dafür, die Riester-Rente zu reformieren, plädiert der Verein für einen Systemwechsel.

Riester-Kostenquoten sind laut Bürgerbewegung Finanzwende zu hoch

Die Bürgerbewegung Finanzwende hält die Riester-Rente aufgrund der hohen Kosten für Altersvorsorge-ungeeignet und nicht reformierbar. Bild: Pixabay/ sick-street-photography

Während Versicherer und Sparer weiterhin auf ein Eckpunktepapier aus Berlin warten, wie bzw. ob die Riester-Rente reformiert wird, liefert die Bürgerbewegung Finanzwende den Kritikern der staatlich geförderten Altersvorsorge neue Argumente.  

Die Riester-Rente ist teuer und für den Sparer unter dem Strich nicht lohnenswert: So liest sich das Fazit der Studie des gemeinnützigen Vereins, der vor zwei Jahren vom ehemaligen Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick (Bündnis 90/Die Grünen) aus der Taufe gehoben worden war.  

Insgesamt untersuchte die Studie 65 Riesterverträge. Als Modellfall wurde ein 37-Jähriger Sparer ohne Kinder angeführt, der für eine Dauer von 30 Jahren monatlich 100 Euro in seinen Vertrag einzahlt.  

Jede dritte Police mit Kostenquote über 30 Prozent

Das Ergebnis der Studie fällt für alle Riester-Sparer ernüchternd aus: Von 100 eingezahlten Euro werden durchschnittlich 24 Euro von den Kosten für Abschluss und Verwaltung vereinnahmt. Bei jeder dritten Police sind es sogar 30 Prozent. Als besonders teuer kritisierten die Verbraucherschützer dabei ein Produkt der Alten Leipziger (Riester (FR50), bei dem in der Sparphase bis zu 38 Prozent an Gebühren fällig würden. Auch Produkte von Generali sowie der Provinzial-Versicherung sind laut Studienergebnis besonders kostenintensiv (alle Ergebnisse finden Sie hier).  

Als günstig gelten die Angebote von Huk24 und der Hannoverschen (jeweils acht Prozent) sowie von Itzehoer und Sparkassenversicherung (jeweils neun Prozent) – allesamt Tarife der Chancen-Risiko-Klasse eins. Auch von diesen rät der Verein allerdings ab: „Die allermeisten Riester-Rentenpolicen mit vergleichsweise niedrigen Kosten stehen unserer Studie zufolge nicht gut da, wenn es um die Ertragsaussichten geht“, heißt es hierzu.

So betrage die zu erwartende Rendite für den Kunden nach Abzug aller Kosten bei risikoarmen Tarifen in der Regel jährlich weniger als 0,5 Prozent und würde bereits durch die jährliche Inflation wieder aufgezehrt werden. Durchschnittlich liege die Rendite jedoch bei 1,6 Prozent.  

Systemwende gefordert

Statt die Riester-Rente zu reformieren – was von Verbraucherschützern und Versicherungswirtschaft einheitlich gefordert wird – plädiert die Bürgerbewegung Finanzwende für einen Systemwechsel. „Jetzt ist es Zeit, neue Wege zu gehen“, forderte Finanzwende-Expertin Britta Langenberg gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ und machte sich für ein staatlich organisiertes Vorsorgemodell für alle stark. Als mögliches Vorbild bringen die Verbraucherschützer wieder einmal den schwedischen Vorsorgefonds ins Spiel. In Schweden zahlen alle Arbeitnehmer 2,5 Prozent ihres Bruttoeinkommens in einen staatlich verwalteten Vorsorgefonds ein, der das Geld überwiegend in Aktien investiert.

Auch für diesen hat die Bürgerbewegung eine Modellrechnung erstellt. Nach dieser kommen schwedische Vorsorgesparer nach 30 Jahren bei einer unterstellten Wertentwicklung von jährlich fünf Prozent auf Mehreinnahmen von rund 16.600 Euro – allein aufgrund der niedrigeren Kosten.  

Die niedrigen Kosten des schwedischen Modells werden auch von Seiten der deutschen Versicherer nicht negiert. Die geringen Kosten liegen jedoch im staatlichen Obligatorium begründet: Während die Schweden verpflichtend in besagten Vorsorgefonds einzahlen, müssten in Deutschland die Verbraucher zur privaten Altersvorsorge erst animiert und überzeugt werden, betonte der einstige GDV-Geschäftsführer Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth in einer seiner Kolumnen. Zudem verwies der GDV in der Vergangenheit mehrfach auf die negativen Aspekte des schwedischen Modells: So führte aus Sicht des GDV der geringe Beitragssatz von 2,5 Prozent nur zu verhältnismäßig geringen Ergänzungsleistungen im Alter, staatliche Zuschüsse seien zudem im schwedischen Modell nicht vorgesehen. Zudem trägt der Sparer das Kapitalmarktrisiko allein.  

Kritik an der Studie

Kritik gibt es auch konkret an der Methodik der nun vorgelegten Studie: „Die Berechnungen sind bewusst irreführend. Denn die Finanzwende verknüpft unter anderem variable Kosten der Kapitalanlage mit fixen Beiträgen“, konterte Peter Schwark, stellvertretender GDV-Hauptgeschäftsführer auf procontra-Nachfrage.   Diese Verknüpfung führt aus Sicht von Schwark zu irrigen Ergebnissen: „Je besser die Performance der Kapitalanlage, desto höher sind auch die performanceabhängigen Kosten. Selbst wenn in einen Vertrag gar keine Beiträge mehr eingezahlt werden, könntein der Finanzwende-Rechnung selbst bei kostengünstigen Produkten mit sehr guter Wertentwicklung und hypothetisch sehr langer Laufzeit 100 Prozent Kostenquote erreicht werden. Anders als suggeriert wird die Leistung dennoch sehr ansehnliche Höhen erreichen und nicht Null sein. Attraktive Produkte werden so fälschlich als teuer deklariert.“  

Auch von Seiten der Versicherer selbst gab es Kritik an der Studie. "Hier sind Zahlen und Bezugsgrößen ziemlich durcheinander gekommen", griff Laura Gersch, Vorstandsmitglied bei der Allianz Leben, die Kritik bei einer Online-Diskussion des GDV auf. Die Alte Leipziger bezeichnete die Berechnungen als weder sachgerecht noch nachvollziehbar. Kritisiert wurde unter anderem, dass sich die Berechnung auf die Muster-Produktinformationsblätter begründe. "Diese weisen jedoch immer die maximalen theoretisch möglichen Kosten eines Produkts aus, ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Kosten und der Überschüsse. Insbesondere werden in diesen Produktinformationsblättern die Kostenüberschüsse aus den Fonds nicht berücksichtigt, die kostenmindernd für den Kunden wirken", heißt es auf procontra-Nachfrage. Würden diese berücksichtigt, ergebe sich ein deutlich anderes Bild. Die von Finanzwende gewählte Methode sei folglich nicht geeignet, "die Kosten und vor allem die Leistungsfähigkeit von Riesterverträgen objektiv darzustellen".

In erster Linie dürfte es den Verein sowieso um eine Beeinflussung der politischen Diskussion gehen. Die Meinungen zwischen den Koalitionspartner gehen dabei stark auseinander. Während die CDU die bestehende Riester-Rente reformieren möchte und sich wohl auch die Versicherer mit vielen der geäußerten Vorschläge anfreunden können, waren aus der SPD zuletzt Stimmen laut geworden, die eher auf einen Abschied von der Riester-Rente hindeuteten.