Grüne Investments: „CO2 ist zu einem echten Risikothema geworden“

Martin Thaler Investmentfonds Top News

procontra: Besonders die junge Generation geht fürs Klima auf die Straße. Ist das auch die von Ihnen angepeilte Zielgruppe?  

Friedlaender: Wir planen einen Fonds, der einerseits über unsere App Retail-Kunden ansprechen soll, zugleich aber auch für institutionelle Investoren offenstehen soll. Das wird am Anfang nicht der klassische institutionelle Investor sein, der einen Track-Record von mindestens drei Jahren erwartet, bevor es sich das Produkt überhaupt anschaut. Hier haben wir eher Familiy Offices im Blick, die bei ihren Investmentkriterien eine größere Flexibilität aufweisen. Bei den Retail-Kunden besteht unsere Zielgruppe aus denjenigen, die noch nicht so viel Erfahrung im Investmentbereich haben und durch unser Produkt an dieses Thema herangeführt werden sollen. Sie verdienen bereits ihr erstes eigenes Geld und sind zwischen 25 und 50 Jahren alt.  

procontra: Diese Kunden sollen von Ihnen auch eine App zur Verfügung gestellt bekommen. Ist das nur eine nette Spielerei oder bietet diese einen echten Mehrwert?  

Friedlaender: Die Kunden sollen per App nicht nur die Performance ihrer Investments sehen können, sondern auch deren klimatechnische Auswirkungen. Das heißt: Wir berechnen für die Kunden, wie viel CO2e die Unternehmen in unserem Portfolio einsparen. Die App bietet Graphen, anhand derer der Kunde Performance und Impact seines Investments ablesen kann. Zugleich soll die App den Kunden auch darüber informieren, in welche Unternehmen er investiert, was sie besonders nachhaltig macht und wieviel diese jeweils an CO2e einsparen wollen.  

procontra: Woher stammen die Daten dafür?  

Friedlaender: Die Datenlage ist nicht ganz einfach, einen einzigen Daten-Provider, der uns sämtliche Informationen zur Verfügung stellt, gibt es leider nicht. Aktuell muss man sich zu einem großen Teil noch auf die Daten verlassen, die die Firmen selbst zur Verfügung stellen. Es gibt aber auch Initiativen, die diese noch einmal verifizieren, zum Beispiel „Science Based Targets“.  

procontra: Welchen Einfluss haben diese Daten für die Zusammenstellung des Fonds?  

Friedlaender: Wir schauen uns die gesteckten Ziele genau an. Wenn sich ein Unternehmen vorgenommen hat, in zwei Jahren seinen CO2e-Ausstoß um 30 Prozent zu reduzieren, können wir anhand der Quartalsberichte feststellen, ob es dieses Ziel erreicht oder verfehlt.  

procontra: Was passiert bei einer Verfehlung der Ziele?  

Friedlaender: Wir prüfen sowohl bei der Performance als auch bei den Klimaschutzzielen regelmäßig, ob die jeweilige Firma noch in unser Portfolio passt. Wenn ein Unternehmen seine CO2e-Ziele nicht erreicht, könnte es – auch bei guter Performance – bei uns zu dem Schluss führen, dass es nicht mehr auf dem richtigen Weg ist und dementsprechend ausgeschlossen werden.  

procontra: Müssen Kunden also auf Rendite zugunsten von Nachhaltigkeit verzichten?  

Friedlaender: Grüne Investments schließen keine marktgerechten Renditen aus. Im Gegenteil: Gerade jetzt in der Corona-Krise hat man gesehen, dass nachhaltig aufgestellte Unternehmen wesentlich besser durch die Krise gekommen sind. So haben beispielsweise zahlreiche ESG-Fonds besser performt als klassische Indexfonds. Zudem ist das Thema CO2 aus unserer Sicht zu einem echten Risikothema geworden, hier drohen immer schärfere Regularien und/oder höhere CO2-Bepreisungen. Unternehmen, die frühzeitig reagieren, sind dementsprechend besser aufgestellt.  

procontra: Können auch Finanzanlagevermittler Ihr Produkt vertreiben?  

Friedlaender: Am Anfang soll die App für die Retail-Kunden der Hauptvertriebskanal sein, da wir über diese unsere Kunden auch über die konkreten Auswirkungen ihres Investments informieren wollen. Mittelfristig wollen wir das Produkt auch über Finanzanlageberater vermitteln lassen.    

Seite 1: Welche Kriterien gilt es zu erfüllen?
Seite 2: Wer ist die Zielgruppe?

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