Grüne Investments: „CO2 ist zu einem echten Risikothema geworden“

Martin Thaler Investmentfonds Top News

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, auch in der Geldanlage gewinnen Klimaschutz und Co. ein immer größeres Gewicht. Mit „Cooler Future“ will im kommenden Jahr ein neues Unternehmen die konkreten Auswirkungen von Investments für die Anleger nachvollziehbar machen. Wie das funktionieren soll, erklärt COO Julius Friedlaender im Interview.

Julius Friedlaender Bild: privat

Setzt mit "Cooler Future" vor allem auf Anlage-Einsteiger: Unternehmens-COO Julius Friedlaender Bild: privat

Nachhaltigkeit ist<span style="font-size:11.0pt; line-height:107%; font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif"> –</span> abgesehen von der Corona-Pandemie<span style="font-size:11.0pt; line-height:107%; font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif"> –</span> das Thema der Stunde und wird es voraussichtlich in den kommenden Jahren bleiben. Auch Anleger wollen ihr Geld zunehmend nach ethischen Kriterien investieren. Mit Cooler Future steht nun ein neues Unternehmen in den Startlöchern, das zuletzt 1,4 Millionen Euro von Investoren einsammelte. Per App sollen die Anleger dabei genau verfolgen können, wie viel Kohlenstoffdioxid durch ihr Investment eingespart wurde. Über den genauen Ansatz des deutsch-finnischen Unternehmens und das Verhältnis von Nachhaltigkeit zu Rendite sprach procontra mit Julius Friedlaender, Chief Operating Officer bei Cooler Future.

procontra: Unter Nachhaltigkeit versteht jeder etwas anderes. Was bedeutet der Begriff für Cooler Future? 

Julius Friedlaender: Es ist schwierig, sich dem Thema in allen Bereichen zu nähern, darum konzentrieren wir uns auf einen konkreten Aspekt: Der Klimawandel ist aktuell und wird auch in den kommenden Jahrzehnten das Thema mit der größten gesellschaftlichen Relevanz sein. Deswegen werden wir uns auf Firmen konzentrieren, die aktiv darauf hinwirken, ihren CO2e-Ausstoß [Kohlenstoffdioxid-Äquivalente, Anm. d. Red.] zu senken. Die übrigen ESG-Faktoren vernachlässigen wir jedoch nicht komplett, wir bilden sie über Ausschlusskriterien ab.  

procontra: Wenn man über eine CO2e-Reduzierung spricht, fällt häufig das Schlagwort Atomenergie. Sie sind ein deutsch-finnisches Unternehmen, in Finnland gilt Atomkraft als weitaus weniger gesellschaftlich verpönt als hierzulande. Müssen sich Anleger also auf Investments in Betreibergesellschaften von Atomkraftwerken einstellen?  

Friedlaender: Das ist eine schwierige Frage, über die wir intensiv diskutiert haben und bei der die Meinungen auch bei uns weit auseinandergingen. Allerdings richtet sich unser Angebot erst einmal an den deutschen Markt, das Thema Atomkraft ist hier mit Nachhaltigkeit nicht unter einen Hut zu bringen. Darum schließen wir derartige Investments aus.  

procontra: Auch Autohersteller können ihre Klimabilanz verbessern, trotzdem dürfte es schwerfallen, sie als nachhaltiges Investment zu bezeichnen. Gibt es Branchen, die sie generell ausschließen?  

Friedlaender: Natürlich schließen wir über unsere ESG-Filter Investments in Waffen oder eben auch Atomkraft aus. Darüber hinaus sind aber Investments in alle Branchen denkbar. Uns geht es vor allem darum, Firmen mit ambitionierten CO2e-Reduktionszielen ausfindig zu machen. In einigen Branchen, beispielsweise im Bezug auf fossile Brennstoffe, wird man solche Ziele nicht finden, die Unternehmen schließen sich folglich selbst aus. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Man denke beispielsweise an das dänische Energieunternehmen Orsted, das vor einiger Zeit noch stark auf fossile Energieträger setzte, mittlerweile aber das Ziel ausgegeben hat, zugunsten von Erneuerbaren Energien komplett auf sie verzichten zu wollen. Unser Ziel ist, Unternehmen wie dieses zu identifizieren – dann sind auch hier Investments denkbar.  

procontra: Soll der Fonds auch in Sachwerte investieren, oder bleibt er auf Anleihen und Aktien beschränkt?

Friedlaender: Bei unserem Fonds wird es sich um einen Mischfonds aus Aktien und Anleihen handeln, der sich vor allem an Erstanleger richten soll. Dafür versuchen wir, das Produkt so einfach wie möglich zu konzipieren und verzichten aus diesem Grund erst einmal auf Sachwerte. Um eine möglichst große Zielgruppe zu erreichen werden wir auch die Mindestinvestmentsummen gering, also wahrscheinlich unter 50 Euro halten. Langfristig können wir uns eine Erweiterung unseres Produktportfolios vorstellen, die Direktinvestments in bestimmte Projekte umfassen könnte.  

Seite 1: Welche Kriterien gilt es zu erfüllen?
Seite 2: Wer ist die Zielgruppe?

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