Gewerbeversicherung: Neue Risiken – neue Chancen in 2021

Gewerbeschutz Berater Top News von Rainer Kreuzer

Wegen der Corona-Pandemie müssen neue Gefahren abgesichert werden. Die Cyberversicherung gewinnt größeres Interesse. Und viele Kunden werden preisbewusster. Für Makler gibt es im kommenden Jahr viel zu tun.

Welche Themen werden die Gewerbeversicherung im kommenden Jahr beschäftigen? Bild: Adobe Stock/Rido

Welche Themen werden die Gewerbeversicherung im kommenden Jahr beschäftigen? Bild: Adobe Stock/Rido

Zwei Trends haben das Jahr 2020 für Makler entscheidend bestimmt und werden auch im kommenden Jahr das Geschäft prägen: Die Corona-Pandemie und die Digitalisierung. Durch die weitgehende Schließung des Kulturbetriebes und der Gastronomie mussten einige Makler Kurzarbeit anmelden. Andere Branchen kamen bislang glimpflich davon. Insgesamt sei das Segment Gewerbeversicherung „vergleichsweise gut durch das Jahr gekommen“, bilanziert Sven Schönfeld, Vertriebsleiter der Plattform Thinksurance in Frankfurt. „Hier haben wir es häufig mit Versicherungen zu tun, die existenziell für Betriebe und Unternehmen sind, beispielsweise Inhalts- und Sachversicherungen.“ Durch den Umsatzrückgang in vielen Branchen werde die Kostensensibilität jedoch zunehmen und die Wechselbereitschaft steigen, ist Schönfeld überzeugt.

Im kommenden Jahr erwarten Marktexperten vor allem bei der Betriebsschließungs- und der Cyberversicherung eine große Nachfrage. Auch die wohl bald beginnenden Impfungen gegen das SARS-CoV-2 Virus erfordern umfangreichen Versicherungsschutz.

Betriebsschließungsversicherung

Bislang war die Betriebsschließungsversicherung eher ein Nischenprodukt für Lebensmittelhersteller, Gastronomie und den medizinischen Bereich. Behördliche Schließungen aufgrund von Hygienegefahren gab es dort schon lange. Seit Beginn der Corona-Pandemie seien nun auch viele andere Branchen betroffen, konstatiert Thomas Haukje, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler (BDVM). Die Nachfrage werde demzufolge steigen. Um die Risiken einer Schließung im Kontext der Corona-Pandemie abzusichern, reiche eine Betriebsunterbrechungsversicherung nicht aus. Diese decke nicht die Folgen einer behördlichen Anordnung ab.  

Ob aber eine Betriebsschließungsversicherung auch einen Lockdown verlässlich abdeckt, stellt Thinksurance-Vertriebschef Schönfeld in Frage. „Dem in diesem Jahr entwickelten Verständnis der Versicherer nach ist eine Allgemeinverfügung nicht mehr versicherbar“, argumentiert er. „Denn wenn ein Risiko alle betrifft, widerspricht das dem Versicherungsgedanken.“ An Gerichtsurteilen lasse sich aber inzwischen erkennen, dass in manchen Tarifwerken eine Allgemeinverfügung abgedeckt sei.

Viele Versicherer werden ihre Produkte entsprechend neu konzipieren, ein Versicherungsschutz bei Pandemien wird von manchen zukünftig komplett verneint werden. Andere Anbieter wollen zwar auch im Fall von Covid-19 weiter Versicherungsschutz bieten, machen diesen aber von einer Einzelverfügung für den jeweiligen Betrieb abhängig. Auf die Makler dürften in diesem Bereich künftig viele Fragen zukommen.

Corona-Impfung

Glaubt man der Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn, so dürfte ein Impfstoff schon Ende Dezember in der EU zugelassen werden. Eine logistische Herausforderung für Hersteller, Dienstleister und Behörden. Für Versicherer und Makler eine Chance, mit passenden Produkten die umfangreichen Risiken abzusichern. BDVM-Präsident Haukje sieht zunächst das Interesse der Impfzentren an einem maßgeschneiderten Versicherungsschutz. Auch der umfangreiche Transport sowie die Lagerung müssten abgesichert werden. So seien die Gefahren durch Diebstahl nicht zu unterschätzen.

Digitalisierung

„Das Bewusstsein für Cyber-Risiken wird steigen, sowohl bei Vermittlern als auch bei Kunden. Durch die Pandemie wurde das Thema mobiles Arbeiten sicherlich noch einmal beschleunigt“, ist Thinksurance-Vertriebsleiter Schönfeld überzeugt. „In diesem Kontext bedarf es mindestens der Prüfung der bestehenden Absicherungen, vor allem wenn es um Laptops und technische Infrastruktur geht, die den Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt wird. In der Mehrheit der Fälle reden wir jedoch darüber, dass sich Unternehmen überhaupt erst einmal mit dem Thema Cyber-Schutz auseinandersetzen.“

Die zunehmende Digitalisierung biete auch für Makler mehr Transparenz durch einen leichteren und übersichtlicheren Zugriff auf viele Informationen. Die Angebote von deutlich mehr Versicherern könnten nun miteinander verglichen werden, betont Schönfeld.

Perspektivisch sieht Schönfeld die Chance, dass Versicherungsprodukte flexibler werden. „Nicht nur Leistungsinhalte sollten kurzfristig zu- oder abwählbar sein, auch bei Rahmendaten wie Laufzeiten oder Zahlweisen sorgt eine größere Flexibilität für Kunden für eine zeitgemäße Absicherung.“