Gender-Pay-Gap: Frauen verdienen weniger und sorgen schlechter vor

Anne Hünninghaus Berater

Neue Zahlen zu den Gehaltsunterschieden zwischen den Geschlechtern zeigen: Es geht nur langsam voran in Sachen Gerechtigkeit. Gute Vorsorge wäre für Frauen daher umso wichtiger. Doch auch hier offenbaren sich Lücken. Berater sollten das Thema angehen.

Gender-Pay-Gap; Bild: Adobe Stock/Hyejin Kang

Die massive Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern schließt sich nur sehr langsam. Bild: Adobe Stock/Hyejin Kang

Frauen verdienten im Jahr 2019 durchschnittlich ein knappes Fünftel (19 Prozent) weniger als Männer, berichtet aktuell das Statistische Bundesamt. In der Finanz- und Versicherungsbranche beträgt die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern sogar 28 Prozent, wie bereits im Oktober berichtet wurde. Die Allianz Deutschland gab daraufhin PR-trächtig bekannt, den Geschlechtern das gleiche Gehalt für die gleiche Arbeit zahlen zu wollen – und das auf jeder Hierarchiebene. In Kooperation mit dem Start-up Fair Pay Innovation Lab (FPI) möchte der Versicherer die Gehälter der 25.000 Beschäftigten durchleuchten und auf Ungerechtigkeiten abklopfen, um diese im nächsten Schritt beheben zu können.

Immerhin ein bisschen Bewegung ist auch branchenübergreifend festzustellen: Der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte unbereinigte Gender Pay Gap ist im Vergleich zu 2018 um einen Prozentpunkt geringer. Der bereinigte Gender Pay Gap, der nur alle vier Jahre berechnet werden kann, war derweil 2018 mit sechs Prozent im Vergleich zu 2014 unverändert geblieben. Während der unbereinigte Werts strukturelle Einkommensnachteile von Frauen berücksichtigt, beispielsweise durch die Berufswahl, schlechtere Zugangschancen und Umfang der Tätigkeit, misst der bereinigte Wert den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien.

Im Westen klafft eine deutlich größere Lücke

Nach wie vor fällt der unbereinigte Gender Pay Gap im Osten des Landes mit sieben Prozent sehr viel weniger eklatant aus als in Westdeutschland mit 20 Prozent. Langfristig betrachtet zeigt sich für Gesamtdeutschland ein langsamer Rückgang des unbereinigten Gender Pay Gap: 2014 betrug er noch 22 Prozent.

Die Einkommens- und daraus resultierende Rentenlücke ist einer von mehreren Gründen, warum Frauen im Alter finanziell deutlich schlechter dastehen als Männer. Zur Wahrheit gehört ebenso: Frauen übernehmen immer noch mehrheitlich die Erziehung der Kinder, die Folge davon sind längere Auszeiten und daraus resultierendene Verdiensteinbußen, wodurch geringere Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt werden. Gleiches gilt für die Pflege von Angehörigen. Und wenn Frauen nach solchen Pflege- oder Erziehungszeiten dann wieder in ihren Job zurückkehren, tun sie das oft nur in Teilzeit. Hinzu kommt schlicht das so genannte Langlebigkeitsrisiko, das bei Frauen deutlich höher liegt.

Was können Berater tun, um Unausgewogeneiten abzumildern?

Während vermutlich noch einige Zeit verstreichen wird, diese strukturellen Unterschiede anzugleichen, können Berater aber zumindest in einem Knackpunkt unterstützen: Laut einer Amundi-Studie aus dem Jahr 2017 schieben Frauen das Thema der privaten Altersvorsorge gerne vor sich her. Generell trauen sie sich oft zu wenig Kompetenz in Finanzfragen zu. Das gilt es anzupacken.

Gründerin Lisa Hassenzahl, die sich auf die Beratung von Frauen spezialisiert hat, sagt dazu im procontra-Interview: „Das ist eines der großen Probleme, mit denen wir in der Branche zu tun haben. Es braucht eine Menge Aufklärungsarbeit.“ Oft setzten sich Frauen erst dann mit dem Thema Geld auseinander, wenn es einen Negativaufhänger dafür gibt: Scheidungen, Todesfälle, Krankheit des Partners. „Dann stehen sie plötzlich vor einem riesigen Fragezeichen. Dennoch rate ich vom erhobenen Zeigefinger ab: ,Wenn du dich nicht selbst darum kümmerst und dein Mann stirbt, bekommst du Schwierigkeiten' ist keine überzeugende Kommunikationsstrategie. Besser ist es, die Vorteile einer eigenen Finanzplanung zu bewerben.“

Zwar sei der Wandel mit Blick auf die junge Generation im Gange, aber Kindererziehung, Halbtagsarbeit und geringere Gehälter führen nach wie vor zur systematischen Benachteiligung, so Hassenzahl: „Der andere Faktor besteht in tradierten Rollenbildern: Oft beschneidet die Frau ihre Einzahlungen ins Depot oder die Altersvorsorgeverträge, wenn Paare ein Kind bekommen, der werdende Vater aber nicht. Hier muss es ein Umdenken geben.“ Berater sollten auch dieses Thema behutsam anschneiden und Paare auf eventuelle spätere Schwierigkeiten solcher Modelle aufmerksam machen.

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