ESG: Der Berater als Weltverbesserer

Berater Investmentfonds Top News von von Julia Groth

Wollen Berater nachhaltig orientierte Kunden an sich binden, müssen sie in erster Linie authentisch auftreten. Wer mit dem SUV vorfährt, um seine Kunden zu Ökofonds zu beraten, hat schon verloren.

Nachhaltigkeitsberater; Bild: Adobe Stock/Prostock-studio

Authentizität zählt: Nachhaltigkeitsberater sollten ein gewisses Umweltbewusstsein ausstrahlen. Bild: Adobe Stock/Prostock-studio

Nur noch wenige Monate, dann wird es für Finanzberater ernst. Nach dem Willen der Europäischen Union müssen sie Kunden ab dem kommenden Jahr verpflichtend danach fragen, ob diese bei der Geldanlage ökologische und soziale Kriterien oder Fragen der guten Unternehmensführung berücksichtigen wollen.

Mittlerweile dürften die meisten Berater die sogenannte ESG-Präferenzabfrage auf dem Schirm haben. Manch einer mag die Verordnung sogar zum Anlass nehmen, eine Weiterbildung zum Nachhaltigkeitsberater zu absolvieren. Immerhin sind grüne Investments unbestritten ein Wachstumsmarkt. Wer ESG-affine Anleger an sich binden will, benötigt allerdings mehr als nur Bücherwissen. Ohne ein glaubwürdiges grünes Image kommen Berater bei nachhaltig orientierter Kundschaft nicht weit.

Den typischen ESG-Anleger gibt es nicht

Wer aus eigenem Antrieb oder mit Blick auf die EU-Vorgaben mehr mit ökobewegten Kunden zu tun hat, stellt rasch fest: Den typischen Nachhaltigkeitsanleger gibt es nicht. „Nachhaltige Geldanlage zieht sich durch alle Altersgruppen und durch alle Geschlechter“, sagt Finanz- und Versicherungsmakler Andreas Wietholz, Chef der Hamburger Nachhaltigkeitsberatung Framtid (deutsch: Zukunft). Auch die Ansprüche der Kunden sind höchst unterschiedlich. Genau wie in der klassischen Anlageberatung stehe je nach Präferenz Sicherheit, Rendite oder Liquidität im Fokus, berichtet Wietholz. Eines ist aber klar: Ökologisch und ethisch korrekt muss das Investment sein.

Fortbildungsangebot dürfte wachsen

Wer sich als Makler in Sachen nachhaltige Anlageprodukte fortbilden will, kann auf ein wachsendes Angebot an Schulungen zugreifen. Mit Inkrafttreten der ESG-Präferenzabfrage im kommenden Jahr dürfte die Zahl der Fortbildungen und Zertifizierungen weiter steigen. Die bestehenden Angebote unterscheiden sich deutlich in Dauer, Anspruch und Kosten: Bei einigen müssen Makler und Vermittler monatelang die Schulbank drücken, andere kommen mit Onlinekursen und minimaler Präsenz aus. Die Kosten variieren dementsprechend stark, sie liegen zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Euro.

Mit Weiterbildungen allein ist es allerdings nicht getan. Anders als bei herkömmlichen Mandaten müssen Finanzberater, die nachhaltige Kundschaft anziehen und halten wollen, zuerst einmal an sich selbst arbeiten. „Jeder Berater fängt bei sich und seinen eigenen Widersprüchen an, was die Nachhaltigkeit betrifft“, führt Wietholz aus. „Nur Fortbildungskurse besuchen bringt in diesem Bereich nicht die authentische Ausrichtung.“ Berater müssen zunächst ihr eigenes Verhalten hinterfragen und gegebenenfalls ändern, ist er überzeugt. „Widersprüchlichkeiten im Verhalten kommen bei Kunden nicht gut an.“

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