Entbindet ein Reitbeteiligungsvertrag von der Haftung?

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Reitbeteiligungen sind beliebt, schließlich hat nicht jeder Pferdebesitzer regelmäßig Zeit, sein Tier auszureiten. Doch wann entbindet der Reitbeteiligungsvertrag den Besitzer von der Haftung? Über diesen Fall hatte nun das Münchener Landgericht zu urteilen.

Fast eine Million Deutsche haben eine Reitbeteiligung Bild: Pixabay/SofieZborilova

Ein Reitbeteiligungsvertrag entbindet nicht automatisch von der Haftung, urteilte nun das Münchener Landgericht. Bild: Pixabay/SofieZborilova

„Auf den Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde.“ Diesem Aphorismus scheinen viele Deutsche etwas abgewinnen zu können, schätzungsweise 1,25 Millionen Stuten und Hengste galoppieren über deutsche Wiesen. Das Umfrageinstitut Ipsos ermittelte, dass es in mindestens 600.000 Haushalten ein Pferd gibt, in rund 920.000 Haushalten verfügt zumindest ein Familienmitglied über eine Reitbeteiligung.   Reitbeteiligungen sind beliebt – schließlich schafft es nicht jeder, sein Pferd regelmäßig auszureiten. Doch entbindet ein Reitbeteiligungsvertrag den Besitzer von der Haftung, sollte die Reitbeteiligung verunglücken? Hierüber hatte nun das Münchener Landgericht I zu befinden (Az: 20 O 2974/19).  

Was war passiert?  

Für ihre Schimmelstute Jashita hatte die Besitzerin eine Reitbeteiligung mit einer anderen Reiterin vereinbart. Als diese im Stall Jashita putzte, trat das Tier nach hinten aus und verletzte die Reiterin schwer: Sowohl Innen- als aus Kreuzband waren gerissen. Die Reiterin verlangte daraufhin von der Tierhalterhaftpflichtversicherung der Besitzerin Schadenersatz in Höhe von 20.000 Euro.  

Diesen verweigerte die Besitzerin aber. Sie argumentierte zum einen, dass der Unfall selbst verschuldet gewesen sei. Die Reiterin habe beim Striegeln des Pferdes eine Bremse bemerkt und nach dem Insekt geschlagen – daraufhin habe sich das Pferd erschreckt und ausgeschlagen.  

Zudem verwies die Besitzerin auf den Reitbeteiligungsvertrag. Durch diesen, so ihre Auffassung, sei ein Haftungsausschluss zwischen ihr und der Reiterin vereinbart worden. Durch den Vertrag habe die Reiterin die Aufsicht über das Pferd übernommen und trage darum zumindest teilweise auch die Verantwortung. Dagegen klagte die Reiterin.  

Die Entscheidung  

Das Gericht gab in einem Grundurteil (keine Entscheidung über die Höhe des Schmerzensgeldes) der Klage statt. Ein nicht ausdrücklich im Vertrag geregelter Haftungsausschluss zwischen Pferdehalter und Reiter sei wegen der weitreichenden Konsequenzen nur im Ausnahmefall anzunehmen, befanden die Richter.  

Im konkreten Fall hätten die beiden Parteien jedoch vereinbart, dass die Reiterin als Reitbeteiligung in die Haftpflichtversicherung der Pferdehalterin mit aufgenommen werden sollte. Das spreche klar gegen einen Haftungsausschluss, so das Landgericht.  

Auch die Verpflichtung der Reiterin, eine eigene Unfallversicherung abzuschließen, spreche nicht für einen Haftungsausschluss, da der Abschluss einer solchen Police auch neben der Halterhaftung sinnvoll sei. Auch ein schuldhaftes Verhalten der Reiterin konnte das Gericht nicht feststellen. Die Reaktion des Pferdes – das Ausschlagen mit dem hinteren linken Bein nach schräg vorne – sei keine typische Reaktion auf das etwaige Schlagen der Reiterin auf das Kreuz des Pferdes, die sogenannte Kruppe, gewesen.  

Auch in der Vergangenheit hatten Gerichte bekräftigt, dass eine Reitbeteiligung den Besitzer nicht von der Haftung entbinde. Spezialmaklerin Bettina Schröder (Atermann, König und Pavenstedt) rät darum dringend zum Abschluss einer Tierhalterhaftpflichtversicherung: "Pferde lassen sich nicht nach einer Gebrauchsanweisung bedienen und nicht jede Reaktion kann vorausgesehen werden", erklärte Schröder im procontra-Interview.

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