Die Autopanne und die anschließende Zentimeterentscheidung

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Auf die Höhe kommt es eben doch an. Das musste der Besitzer eines Wohnmobils feststellen, als es um den Rücktransport seines defekten Fahrzeugs und die dafür anfallenden Kosten ging. Am Ende machten die berüchtigten Zentimeter den Unterschied.

Campingurlaub liegt im Trend Bild: Pixabay/ JillWellington

Schlafen unter den Sternen - ein Wohnmobil machts möglich. Doch ein genauer Blick in die Versicherungsbedingungen ist ratsam, wie ein aktuelles Urteil zeigt. Bild: Pixabay/ JillWellington

Camping liegt im Trend: Im eigenen Caravan statt in der ausgebuchten Bettenburg zu übernachten, scheint insbesondere zu Corona-Zeiten für viele Menschen die reizvollere Alternative. Dass aber auch Wohnmobile für Stress im und nach dem Urlaub sorgen können, zeigt nun ein Urteil des Amtsgerichts München (Az: 191 C 5230/20).  

Was war passiert?

Ein Urlauber war im schweizerischen Bellizona mit seinem Fahrzeug liegengeblieben. Nach einem Gespräch mit seiner Kfz-Versicherung organisierte der Mann den Rücktransport seines Wohnmobils, davon ausgehend, dass die Versicherung die dafür anfallenden Kosten in Höhe von knapp 2.500 Euro übernehmen würde. Dazu zeigte sich der Versicherer allerdings nicht bereit und verwies auf die Versicherungsbedingungen. Darin war zu lesen, dass die Kosten für einen Fahrzeugtransport für Wohnmobile mit einer Höhe von über 3,20 Meter nicht übernommen würden.  

Unglücklicherweise fiel das Gefährt des klagenden Urlaubers mit 3,40 Meter jedoch ein wenig höher aus – 20 Zentimeter zu viel. Allerdings – wand der Urlauber ein – habe er nach dem Motorschaden die Dachklimaanlage abgebaut, den Reifendruck reduziert und die Luftfederung abgelassen, so dass sein Wohnmobil nur noch auf eine Höhe von 3,06 Meter kam.  

Auf diese Argumentation wollte sich die Versicherung allerdings nicht einlassen und verwies auf die im Fahrzeugschein eingetragene Höhe. Zudem merkte die Versicherung an, dass die durchgeführten Maßnahmen erstens nicht den vom Kläger beschriebenen Effekt hervorgerufen haben könnten, und zweitens das Fahrzeug nachhaltig beschädigen würden.  

Der Fall landete somit vor dem Münchener Amtsgericht, das nun eine waschechte Zentimeter-Entscheidung zu treffen hatte.  

Die Entscheidung

Diese fiel zugunsten des Klägers aus. Zwar bewertete das Gericht die in den Versicherungsbedingungen verankerte Maximalhöhe als zulässige Klausel. Das Argument des Versicherers, dass bei einer Höhenüberschreitung ein Spezialtransport notwendig würde, dessen Kosten nicht einkalkuliert seien, ließ das Gericht jedoch nicht gelten. Vielmehr spreche diese Klausel dafür, dass es bei der Verladung auf die tatsächliche Höhe ankomme und nicht auf die im Fahrzeugschein genannte.  

„Eine Grenze mag dort zu ziehen sein, wo durch die Demontagemaßnahmen ein Zustand erreicht wird, mit dem nicht mehr ein Wohnmobil, sondern nur noch Einzelteile eines Bausatzes transportiert werden sollen“, schränkte das Gericht zwar ein. Davon könne im vorliegenden Fall allerdings keine Rede sein.  

Da das Fahrzeug „regulär“ und ohne Ausnahmegenehmigung nach Deutschland transportiert worden war, ging das Gericht davon aus, dass es durch die vom Kläger durchgeführten Montagearbeiten tatsächlich eine Höhe von unter 3,20 Meter aufwies. Ob die Höhe – wie angegeben - wirklich bei 3,06 Meter lag, sei unerheblich, so das Gericht.  

Das Münchener Amtsgericht verurteilte darum die Versicherung, die Kosten für den Rücktransport zu übernehmen. Noch ist das Urteil allerdings nicht rechtskräftig.