BU: Makler hadern mit Gesundheitsprüfung

Anne Hünninghaus Versicherungen

Die große Mehrheit der BU-Interessenten haben angabepflichtige Vorerkrankungen. Makler und Kunden stellt das regelmäßig vor eine Herausforderung. Welche Beschwerden besonders häufig sind und welche Versicherer sich am kooperativsten zeigen, offenbart eine Umfrage der VEMA.

Lange Fragebögen zu Gesundheitszustand und -historie sind in der BU ein Reizthema. Bild: Adobe Stock/jannoon028

Lange Fragebögen zu Gesundheitszustand und -historie sind in der BU ein Reizthema. Bild: Adobe Stock/jannoon028

Die Gesundheitsfragen gelten vor allem in der Berufsunfähigkeitsversicherung als Minenfeld. Falsche oder unvollständige Angaben können schließlich dazu führen, dass sich der Versicherer im Leistungsfall auf Anzeigepflichtverletzungen beruft und vom Versicherungsvertrag zurücktritt, wie Urteile aus der Vergangenheit zeigen.

Auch bei Vermittlern stößt die oft strenge Ausschlusspolitik der Versicherer bei BU-Antragstellung nicht unbedingt auf Gegenliebe. Das zeigt erneut eine Umfrage der Makler-Genossenschaft VEMA unter ihren Mitgliedern. Die Befragten gaben mehrheitlich an, dass zwei Drittel der antragstellenden Kunden Vorerkrankungen hatten, die angabepflichtig waren. Angesichts dieser Zahl ist es kaum verwunderlich, dass 88 Prozent der Makler demnach mit Voranfragen arbeiten. Rund die Hälfte von ihnen geht direkt auf die geeigneten Versicherer zu und schildert die gesundheitliche Situation des Kunden.

Rücken- und Wirbelsäulenleiden sind am häufigsten

Bei den anzugebenden Erkrankungen am verbreitetsten sind Leiden des Rückens, des Skeletts beziehungsweise des Bewegungsapparats – die Hälfte der Kunden gaben hier Beschwerden an. Psychische Erkrankungen folgen mit 31 Prozent auf dem zweiten Platz. Dagegen spielen chronische Erkrankungen (16 Prozent) oder ein zu hoher oder zu niedriger Body-Mass-Index (BMI) mit drei Prozent eine eher untergeordnete Rolle. Sollten Kunden allerdings in diesen Kategorien Einschränkungen haben, erleben mehr als 40 Prozent der Makler keinen einizgen Versicherer am Markt als besonders zugänglich oder verhandlungsbereit.

Etwas offener nehmen Makler die Anbieter wahr, wenn es um Vorerkrankungen der Psyche oder des Rückens/Bewegungsapparat gehe, die Prüfung von Einzelfällen hinsichtlich der Möglichkeit von Risikozuschlägen und fairen Ausschlüssen scheint hier im Erleben der Makler noch am realistischsten. Dennoch bescheinigen noch 28 Prozent den Versicherern auch in dieser Kategorie wenig bis gar keine Kooperationsbereitschaft. Das Problem, das die VEMA feststellt: Bereits Fußfehlstellungen oder Sportverletzungen, wie etwa Bänderrisse und Knorpelschäden, führten teils zu Ablehnungen bei den Versicherern.

Am zugänglichsten bewerteten die VEMA-Makler kategorieübergreifend die Alte Leipziger, auf Platz zwei folgt die Allianz. Lediglich im Bereich der psychischen Erkrankungen waren die Erfahrungen der VEMA-Makler mit der Volkswohl Bund Versicherung besser.

BU-Rente wird in jedem fünften Fall nicht bewilligt

Die VEMA wirbt aktuell dafür, die Kollektivlösung zum Standard zu machen. Es wäre auch für Vermittler eine "enorme Entlastung, wenn er nicht mehr entscheiden müsste, ob jeder Schnupfen angegeben werden muss, weil er theoretisch ja von einer Allergie herrühren könnte", so die Makler-Genossenschaft.

Immer wieder kommt es vor, dass Versicherte, die jahrelang in die BU-Versicherung eingezahlt haben, am Ende eine böse Überraschung erleben, wenn ihr Antrag auf Leistung abgelehnt wird. In 21 Prozent der Fälle wird eine beantragte BU-Rente nicht bewilligt, so das Ergebnis einer Studie der Ratingagentur Franke und Bornberg. Rechtlich gilt, dass der Kunde die Gesundheitsanfragen erschöpfend zu beantworten hat – lediglich Beeinträchtigungen, die offenkundig belanglos sind oder alsbald vergehen, dürfen bei der Beantwortung außenvorgelassen werden. Ob es sich aber tatsächlich nur um ein kleines Wehwehchen oder doch eine anzugebende Beeinträchtigung handelt, muss oftmals vor Gericht ausgehandelt werden.