Brutales Fußball-Foul kann schadenersatzpflichtig sein

Wolfgang Zehrt Berater Recht & Haftung

Bislang galt: selbst schwere Fouls bleiben im Fußball ohne rechtliche Konsequenzen. Auch die „Blutgrätsche“, mit der ein anderer Spieler ohne Aussicht auf Balleroberung den Kontrahenten zu Boden bringt, blieb ohne Ahndung durch Gerichte. Dies könnte sich jetzt ändern.

Schadenersatz nach Foul; Bild: Adobe Stock/synto

Fußball-Foul kann zur Haftung führen. Bild: Adobe Stock/synto

Nicht jeder Regelverstoß im Fußball oder anderen verletzungsanfälligen Sportarten bleibt ohne haftungsrechtliche Folgen. Zu diesem Urteil kam in der vergangenen Woche der 7. Zivilsenat des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts (Az: 7U 214/19). Geklagt hatte ein Spieler der Verbandsliga, der durch ein Foul erheblich verletzt worden war.

Gericht wertete Foul als „brutales Spiel“

Entscheidend war für das Gericht, dass der Beklagte einen erheblichen Regelverstoß begangen und die schwere Verletzung des Klägers „billigend in Kauf“ genommen hatte. Die Richter hielten es für erwiesen, dass der Verurteilte ein „brutales Spiel" im Sinne der Regel 12 des Deutschen Fußball-Bundes begangen hatte: „Der Spieler hat dieses grobe Foul begangen, ohne dass die Spielsituation einen Anlass dafür bot. Er hatte keine realistische Möglichkeit, den Ball zu erobern“.

Nicht für jedes schwere Foul muss gehaftet werden

Der Kläger wollte im Mai 2017 in einem Spiel der Kreisklasse einen Ball weiterspielen, wurde durch das Foul aber daran gehindert. Durch den Regelverstoß erlitte das Opfer erhebliche Verletzungen, der Foul-Spieler sah die rote Karte. Zwar sei die Haftung bei Sportwettkämpfen mit höherem Verletzungspotential grundsätzlich reduziert und nicht jede Regelverletzung führe zu einer Schadensersatzverpflichtung, so das Gericht. Entscheidend sei der Grad des Regelverstoßes und das Maß des Verschuldens. Das Landgericht hatte die Klage in erster Instanz abgewiesen.

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