bAV: Geht bald das erste Sozialpartnermodell an den Start?

Stefan Terliesner Versicherungen Top News

Zinsen noch lange im Keller 

Das freilich ist der Blick in die Vergangenheit. Im Corona-Jahr 2020 ist das Zinsniveau nochmals abgesackt und könnte für Jahre im Keller verharren. Und dass die Inflationsrate dauerhaft nur 0 bis 2 Prozent beträgt, ist aus Sicht eines Arbeitnehmers, der im Ruhestand auf seine Betriebsrente angewiesen ist, eine gewagte Wette. Auch deshalb wird im Markt über Beitragsgarantien von 75 bis 80 Prozent zum Rentenbeginn gesprochen. In der Kapitalanlage wiederum investieren Versicherer zum Beispiel verstärkt in kostengünstige Indexfonds. Und was die Verwaltungskosten betrifft, so digitalisieren die Versicherer ihre Prozesse, um in die Tarife einkalkulierte Kosten zu senken und somit die Nettorendite eines Produkts zu erhöhen. „Wir brauchen ein Umdenken hin zu kapitalmarktorientierten Lösungen mit höheren Renditechancen“, meint auch Dr. Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorgemanagement und Generalbevollmächtigte für die bAV der Stuttgarter Leben.  

Vor diesem Hintergrund sehen alle angefragten Versicherer weiterhin gute Chancen für die Betriebsrente. Fabian von Löbbecke, Chef von HDI Pensionsmanagement und bAV-Vorstand der HDI Leben, erinnert daran, „dass die bAV aus mehr Renditequellen schöpfen kann als jede andere Vorsorgeform“. Dazu zählten vor allem Steuer- und Sozialabgabenersparnisse, Kollektivkondi­tionen und Arbeitgeberzuschuss. Im Ergebnis habe ein Arbeitnehmer die Chance auf einen realen Zugewinn. Und wenn der bAV-Vertrag dies zulässt, könne auch die Riester-Förderung in die bAV integriert werden. Meissner streicht heraus, dass die bAV als Rentenversicherung Monat für Monat ein Einkommen bis zum Lebensende sichere. Der Versorgungsgedanke stehe im Vordergrund. Tatsächlich ist das ein starkes Vertriebsargument für Vermittler. 

Weniger Garantie in der bAV? 

Pro 

  • Je weniger Garantie in der Kapitalanlage dargestellt werden muss, desto höher die Renditechance 
  • Arbeitnehmer sollten zumindest die Chance auf einen realen Zugewinn haben
  • Versicherer können über Ausgleichs- und Glättungsmechanismen das Anlagerisiko reduzieren 

Contra 

  • Viele Kunden möchten zumindest eine Garantie auf die eingezahlten Beiträge 
  • Versicherer sollten eher die in die Tarife einkalkulierten Verwaltungskosten reduzieren
  • Im konventionellen Deckungsstock sind bereits 30 Prozent Aktien grundsätzlich möglich

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