BaFin-Umfrage: Warum Gold nicht immer glänzt

Anne Hünninghaus Berater Sachwerte Top News

Viele Privatanleger treten offenbar mit einer Portion Naivität an Edelmetallinvestments heran. So hält ein Drittel Verluste für ausgeschlossen. Auch anfallende Nebenkosten sind vielen nicht präsent, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Goldinvestment; Bild: Adobe Stock/Ded Pixto

Gold gilt als sicherer Hafen. Dieses Image täuscht über manches Risiko hinweg. Bild: Adobe Stock/Ded Pixto

Kaum ein Investmentobjekt steht so sehr für Werterhalt wie Edelmetalle. Insbesondere in der Krise verlassen sich die Deutschen auf die Sicherheit, die von Gold & Co. ausgeht. 61 Prozent der befragten Privatanleger gaben kürzlich in einer Umfrage der Quirion Privatbank an, dass ihr Sicherheitsbedürfnis durch Corona weiter gestiegen ist. Das macht Edelmetall-Investments attraktiv, 44 Prozent der Befragten halten diese für interessanter als noch vor einem halben Jahr.

Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht hat zu dem Trendthema kürzlich eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse sie nun in der aktuellen Ausgabe des Bafin-Journals veröffentlichte. Mehr als jeder Vierte der 1.000 Befragten hat demnach bereits in Edelmetalle investiert, knapp die Hälfte davon wickelte den Kauf über eine Bank ab. 124 der Befragten können sich vorstellen, künftig Edelmetalle zu erwerben. Jeweils mehr als die Hälfte bevorzugt dabei eine physische Übergabe. Das Edelmetalldepot mit Herausgabeanspruch (19 bzw. 25 Prozent) kommt deutlich weniger gut an, eher präferiert wird das Edelmetallkonto mit Lieferanspruch (31 bzw. 25 Prozent).

Nach Freunden, Verwandten und Bekannten – üblicherweise die bedeutendste Empfehlungsquelle – sind dabei Internetseiten, vor allem die der Anbieter, wichtigste Ratgeber bei der Entscheidungsfindung.

Risiken blenden viele Anleger aus

Mit 78 Prozent hält die große Mehrheit ein solches Investment für sicherer als es Bankeinlagen sind. Und das, obwohl Einlagen auf einem Sparkonto in Deutschland durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro je Kunde und je Kreditinstitut abgesichert sind – für Edelmetalle existiert eine solche Sicherung derweil nicht. Dass neben dem Kaufpreis auch Nebenkosten wie Transaktions- oder Verwaltungsgebühren anfallen können, glaubt ein Drittel der Umfrageteilnehmer nicht – obwohl das häufig der Fall ist.

Ebenso erstaunlich scheint, dass ein exaktes Drittel der Befragten davon ausgeht, dass bei Goldkäufen keinerlei Verlustrisiko besteht. Die feste Überzeugung von 79 Prozent der Befragen, Edelmetalle böten einen Inflationsschutz, könnte auf der eher irreführenden Hoffnung beruhen, dass Gold als Ausweichwährung fungieren könnte. Stark schwankende Preise für Gold, Silber und Co. haben viele Anleger offenbar nicht einkalkuliert. Oder aber sie sehen das Investment als ein langfristiges: Wer auf lange Sicht auf eine Auszahlung verzichten kann, minimiert die Risiken beträchtlich.

Die meisten Goldanleger (60 Prozent) haben laut der Umfrage dann auch maximal ein Zehntel ihres Vermögens in Edelmetalle gesteckt. Immerhin 34 Prozent der Käufer bezifferten ihren Edelmetallanteil am Vermögen auf elf bis 25 Prozent.

Kommt die Prospektpflicht?

„Wer in Gold und andere Edelmetalle investiert, greift ausgerechnet zu einer Anlage, die überhaupt keine laufenden Erträge abwirft. Wenn der Kursverlauf stagniert oder der Preis plötzlich sinkt, sitzen Anleger in der Falle“, warnt Verbraucherschützer Christian Bock im Interview im Bafin-Journal. Es brauche einen langen Atem. „Und man darf nicht darauf angewiesen sein, sein investiertes Geld zurückzubekommen – oder sogar Erträge zu erzielen.“

In Zukunft soll der Handel mit Gold zudem stärker reguliert werden. Der Referentenentwurf des Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetzes sieht vor, künftig bestimmte Geschäftsmodelle von Edelmetallanbietern und -verwahrern als Vermögensanlagen einzustufen und der Prospektpflicht zu unterwerfen. Damit würden Anleger bessere Transparenz und Haftungsmöglichkeiten bekommen.

Zuletzt sorgten Edelmetallinvestements auch vor Gericht immer wieder für Konfliktstoff. Worauf es in einer seriösen Beratung zu Edelmetallanlagen ankommt und warum sich so viele Anleger in Bezug auf Nebenkosten schlecht beraten fühlen, hat Georgios Aslanidis, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, kürzlich im procontra-Interview verraten.

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